Radsport
Mehr als nur ein letzter Härtetest: Dwars door Vlaanderen am Mittwoch
Es ist mehr als nur ein letzter Test vor der Flandern-Rundfahrt am Sonntag: Am Mittwoch steht mit „Dwars door Vlaanderen“ der nächste große flämische Klassiker an. Wout Van Aert gilt in Abwesenheit von Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar als einer der großen Favoriten. Luxemburger sind beim Männer-Rennen nicht am Start.
Wout van Aert zeigte zuletzt, dass er in guter Form ist und gilt somit am Mittwoch als einer der Favoriten Foto: AFP/Jasper Jacobs
Logischerweise richtet sich die meiste Aufmerksamkeit auf das Herzstück der flämischen Klassiker – die Flandern-Rundfahrt am Sonntag. Doch bevor das zweite Monument des Jahres ausgetragen wird, steht am Mittwoch noch „Dwars door Vlaanderen“ auf dem Programm und dieses Rennen ist weit mehr als nur eine Generalprobe für die „Ronde“.
In seinen bislang 79 Austragungen hat sich das Rennen eine eigene Identität, eine besondere Dynamik und immer wieder eine ganz eigene Dramatik erarbeitet. Die 80. Ausgabe startet in Roeselare und führt über 185 Kilometer bis ins Ziel nach Waregem. Der Weg dorthin ist jedoch alles andere als einfach: Zwei neue Anstiege wurden in das ohnehin anspruchsvolle Profil integriert. Die Hellestraat dürfte früh für erste Unterschiede sorgen und auch die Onderbossenaarstraat – ein Seitenanstieg des Taaienbergs – wird 77 Kilometer vor dem Ziel mit einem bis zu 10 Prozent steilen Abschnitt ein entscheidender Punkt im Rennen sein. Insgesamt warten zwölf Anstiege und sieben Kopfsteinpflaster-Sektoren auf das Feld.
Visma will wieder siegen
Ein Blick auf die vergangenen Jahre dämpft zudem die Hoffnungen der Sprinter. Christophe Laporte gewann 2023 als Solist, Matteo Jorgenson setzte sich 2024 ebenfalls alleine durch. 2025 nutzte Neilson Powless (EF Education-EasyPost) das kollektive Zögern von Visma und beendete damit die Siegesserie der niederländischen Mannschaft.
Als großer Favorit für Mittwoch gilt Wout van Aert (Visma Lease a Bike). Nach seinem starken Auftritt am Sonntag bei Gent–Wevelgem ist klar: Van Aert ist zurück – und zwar nicht nur nach überstandener Verletzung, sondern in bestechender Form. Seine Attacke am Kemmelberg hatte genau die Qualität, ein Rennen zu entscheiden. Rund 36 Kilometer lang hielt er gemeinsam mit Van der Poel ein sprinterstarkes Feld auf Distanz. Am Ende fehlte ihm nur etwa ein Kilometer zum Sieg, doch seine Form ist unübersehbar.
Zum erweiterten Favoritenkreis zählt auch Mads Pedersen (Lidl-Trek). Der Däne bekommt am Mittwoch die Chance, wieder voll anzugreifen. Bei Mailand–Sanremo zeigte er nach seinem Schlüsselbein- und Handgelenksbruch bereits eine überzeugende Leistung. Dwars door Vlaanderen kommt ihm entgegen: viele kurze, wiederholte Anstiege und keine einzelne, alles entscheidende Rampe.
Philipsen Favorit im Sprint
Sollte es dennoch zu einem Massensprint kommen, ist Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) der Mann, den es zu schlagen gilt. Mit seinem Sieg am Sonntag unterstrich er seine Topform, muss jedoch zunächst die anspruchsvollen Anstiege überstehen. Tobias Lund Andresen (Decathlon CMA CGM) wurde dort Zweiter und setzte Philipsen im Finale stark unter Druck. Laut Team befindet er sich aktuell in möglicherweise bester Verfassung. Der junge Däne bringt nicht nur Endschnelligkeit, sondern auch ein gutes Positionsgefühl und eine starke Mannschaft mit.
Auch Florian Vermeersch (UAE Team Emirates-XRG) ist ein Kandidat für ein starkes Ergebnis. In Abwesenheit von Tadej Pogačar wird er das UAE-Team anführen. Der Kurs am Mittwoch dürfte ihm besser liegen als jener vom Sonntag. Vermeersch ist ein Fahrer, der im Rhythmus der flämischen Klassiker aufblüht: Im Februar wurde er Dritter beim Omloop Nieuwsblad und präsentierte sich den gesamten Frühling über konstant stark.
Luxemburgische Fahrer gehen bei diesem Rennen nicht an den Start. Geplant ist, dass Arthur Kluckers (Tudor) am Sonntag die Flandern-Rundfahrt bestreitet.
Berton startet bei den Damen
Während im Herren-Rennen also keine luxemburgische Flagge vertreten ist, vertritt immerhin bei den Damen eine Radsportlerin Luxemburg. Nina Berton wird für ihren US-Amerikanischen Rennstall EF Education-EasyPost starten. Die 24-Jährige beendete zuletzt am Sonntag In Flanders Fields - In Wevelgem (1.WWT) als 49. Am kommenden Sonntag ist sie dann auch für die Flandern-Rundfahrt der Damen vorgesehen.