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So werden Preissteigerungen in Luxemburg berechnet

Jedes Mal, wenn Luxemburgs statistisches Institut Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise vorstellt, gibt es Zweifler, die die Wahrhaftigkeit der Zahlen infrage stellen. Erklären kann diese gefühlten Unterschiede der Berechnungsmodus. Die Methodologie ist dabei nicht nur eine Theorie für Statistiker. Sie betrifft jeden, etwa über das Berechnen der Indextranchen.

Grafik zeigt Einfluss des Berechnungsmodus auf schnelle Steigerung der offiziellen Verbraucherpreise

Darauf, wie schnell die offiziellen Verbraucherpreise steigen, hat der Berechnungsmodus einen wesentlichen Einfluss Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Berechnung der Inflation basiert auf keiner fix festgelegten Formel für die Ewigkeit. Ganz im Gegenteil, sie wird beispielsweise regelmäßig angepasst an das Konsumverhalten der Menschen. Auch im Jahr 2026 wird es wieder Änderungen an dem Berechnungsmodus geben, wie aus dem betreffenden „Avis“ des CES („Conseil économique et social“/Wirtschafts- und Sozialrat) hervorgeht.

Errechnet wird eine durchschnittliche Zahl, die Inflationsrate, aus tausenden unterschiedlicher Produkte und Dienstleistungen. Jede Produktkategorie hat dabei eine vorgeschriebene Gewichtung. Und auch im Jahr 2026 wurde die Gewichtung einzelner Kategorien wieder leicht verändert – um nur eine von mehreren rezenten methodologischen Veränderungen zu erwähnen.

Die gewichtigste Kategorie zur Berechnung der Inflationsrate ist dabei der Bereich Wohnen. Dieser Bereich zählt nun für 16,4 Prozent der Inflation, nach nur 13,7 Prozent im Jahr 2000. Verantwortlich für den Anstieg sind hauptsächlich Strom und Gas. Dass dieser Bereich über die letzten Jahre wichtiger für die Berechnung der Inflationsrate wurde, lässt darauf schließen, dass Wohnen für die Menschen heute teurer geworden ist als vor Jahren.

Auf Jahressicht am stärksten zugelegt hat der Bereich Nahrungsmittel und nicht-alkoholische-Getränke. Er steht nun für 14,6 Prozent der Inflationsrate, nach 13,9 Prozent im Vorjahr. Die Gewichtung dieser Ausgabenklasse ist in den letzten 25 Jahren damit ziemlich stabil geblieben. Innerhalb dieser Kategorie sind besonders Fleisch und Obst für den Anstieg verantwortlich. Dies spiegelt sowohl Preissteigerungen als auch veränderte Konsummuster wider.

Unverändert geblieben, mit 14,7 Prozent, ist die Gewichtung der Preise im Bereich Transport, während das Gewicht der Preise im Bereich Körperpflege und Soziales von 13,3 Prozent auf 11,6 Prozent heruntergesetzt wurde. Diese Entwicklung ist teilweise auf gesetzliche Änderungen zurückzuführen, insbesondere die Einführung kostenloser Betreuungsangebote wie die „Chèques-service accueil“ für Kinderkrippen und die Gratisbetreuung in „Maisons relais“.

Die Entwicklung der Preise in diesen vier Bereichen steht damit für mehr als die Hälfte der Erklärung der monatlich von Statec vorgestellten Zahl zur Inflationsrate.

So werden Preissteigerungen in Luxemburg berechnet

Zu den kleineren Bereichen, deren Gewicht sich im Preisindex verändert hat, zählten beispielsweise Versicherungs- und Finanzdienstleistungen, die von 2,9 Prozent auf 3,9 Prozent stark zulegen. Hintergrund sind höhere Wohngebäudeversicherungen und die erstmalige Erfassung von Reiseversicherungen.

Die Kategorie Bekleidung und Schuhe derweil verliert an Gewicht (von 5,5 Prozent auf 4,8 Prozent). Das vor allem durch rückläufige Ausgaben für Damenbekleidung und Damenschuhe. Das Gewicht der Preisentwicklung von Bildungsdienstleistungen schrumpft von 1,6 auf 1,1 Prozent, hauptsächlich wegen geringerer Ausgaben für Abend- und Sprachkurse.

Die komplexe Frage der Wohnkosten

Neben diesen kleineren Veränderungen gibt es eine große, seit vielen Jahren laufende Debatte, an die der „Avis“ des CES erinnert, die anhaltende Debatte um die Integration der Wohnkosten von Eigenheimbesitzern: Während Mietkosten seit Ende der 1980er Jahre im luxemburgischen Inflationsindex erfasst werden, fehlen die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum nach wie vor. Damit ist der größte Kostenfaktor vieler Familien in der Inflationsrate nicht enthalten: der Preis für die eigenen vier Wände. Dies ist besonders relevant, da mehr als 63 Prozent der luxemburgischen Haushalte Eigentümer ihrer Wohnung sind.

Der Grund, die Kosten nicht miteinzubeziehen, ist konzeptionell: Ein Hauskauf gilt als Investition, nicht als Konsumausgabe. Wie man diese Kosten integrieren könnte, ist unter Europas Statistikern ein methodisch umstrittenes Thema.

Verschiedene Ansätze stehen zur Diskussion. Statec-Simulationen zeigen, dass die Wahl der Methode erhebliche Auswirkungen auf die Inflationsrate haben könnte. Mit dem Nettoerwerbsansatz hätte die Inflation zwischen 2011 und 2024 durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte höher gelegen, besonders in den Jahren, als die Immobilienpreise stark stiegen. Bei dieser Methode werden die Preise beim Kauf von Neubauten einberechnet. Besonders dramatisch: 2020 hätte die Inflationsrate nicht 0,8 Prozent, sondern 2,1 Prozent betragen. Die Immobilienpreise waren damals regelrecht explodiert, während die offizielle Inflationsrate moderat ausfiel. Mit den fallenden Immobilienpreisen in den letzten Jahren hätte dieser Berechnungsmodus dann im Gegensatz für eine spürbar niedrigere Inflationsrate gesorgt.

Die Mietäquivalenzmethode hätte in den meisten Jahren hingegen einen dämpfenden Effekt auf die Inflationsrate gehabt. Hier werden den Besitzern fiktive Mieten zurechnet, die dem Marktwert entsprechender Mietobjekte gleichkommen. Da die Mieten in der untersuchten Periode im Schnitt um 1,4 Prozent pro Jahr gestiegen sind, hätte ihr Einbeziehen in die Berechnung der Inflationsrate meist eine spürbar niedrigere Preissteigerungsrate zur Folge gehabt. Die Inflation hätte 2022 dann nicht bei 6,3 Prozent, sondern bei 5,3 Prozent gelegen. In Zeiten von insgesamt niedrigen Preissteigerungen würde ihr Miteinbeziehen in die Rechnung dann im Gegensatz für eine höhere Inflationsrate sorgen.

Ein Land mit zwei Inflationsraten

Ein besonderes Merkmal der luxemburgischen Wirtschaft ist die hohe Bedeutung des grenzüberschreitenden Konsums. Daher werden hierzulande zwei Inflationsraten berechnet: Der IPCN („Indice des prix à la consommation national“), auf dessen Basis der Index errechnet wird, erfasst die Ausgaben der in Luxemburg wohnenden Personen. Der IPCH („Indice des prix à la consommation harmonisé“) hingegen misst alle Konsumausgaben auf luxemburgischem Territorium, also inklusive der Ausgaben von Grenzgängern und Touristen. Besonders groß sind die Gewichtungs-Unterschiede zwischen IPCN und IPCH traditionell in den Bereichen Verkehr sowie alkoholische Getränke und Tabak.

Für 2026 steigt der Anteil des IPCN am IPCH von 67,9 auf 69,8 Prozent. Das bedeutet, dass knapp 70 Prozent der auf luxemburgischem Territorium getätigten Konsumausgaben von Residenten stammen, während etwa 30 Prozent auf Nicht-Einwohner entfallen. Diese Verschiebung zugunsten der Landes-Ansässigen deutet darauf hin, dass die Ausgaben der luxemburgischen Haushalte im eigenen Land stärker gewachsen sind als die der Nicht-„Résidents“. Liegen kann das an der nachlassenden Attraktivität des Tanktourismus.

Erdölprodukte gewinnen an Gewicht

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Anteil von Erdölprodukten, die traditionell eine wichtige Rolle bei Schwankungen der Inflationsrate spielen, nach einem Tiefstand von 4 Prozent im Jahr 2021 nun auf 5,3 Prozent des Gewichts des IPCN gestiegen sind. Diese Entwicklung wird sowohl durch Preis- als auch durch Mengeneffekte beeinflusst. Auch innerhalb der Erdölprodukte hat sich die Zusammensetzung verschoben: Erdgas ist mit 27,4 Prozent der Erdölprodukte (entspricht 1,4 Prozent des gesamten IPCN) zur zweitwichtigsten Position nach Benzin aufgestiegen. Das ist hauptsächlich auf Preiseffekte und nicht auf gestiegene Verbrauchsmengen zurückzuführen.

So werden Preissteigerungen in Luxemburg berechnet
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1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 19.01.202608:08 Uhr

Egal wie man den Warenkorb zusammen setzen, tut es ist schwer die Ausgaben so zu gestallten dass sie jeden in sein Lebenskonzept wiedergeben, aber man muss auch anpassen um die veränderlischen Ausgaben über die Jahre wieder zu spiegeln, um so einen Indikator der steigenden Lebenskosten zu errechnen und um Löhne ,Renten , Leistungen usw an zu passen, was ja der Sinn des Index ist...

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