Fehlendes Überstundenregister
Verstößt Amazon gegen Luxemburger Arbeitsgesetz? ITM ermittelt nach acht Beschwerden
Bei Amazon mehren sich die Beschwerden von Mitarbeitern über massive Überstunden, ignorierte Ruhezeiten und andere Verstöße gegen das Arbeitsgesetz. Arbeitsminister Marc Spautz (CSV) bestätigt acht Meldungen bei der ITM.
Viele Überstunden und kein Register: Bei Amazon mehren sich die Beschwerden Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Im August ist die erste Beschwerde gegen Amazon bei der „Inspection du travail et des mines“ (ITM) bekannt geworden. Anfang Oktober reichte der Mitarbeiter eine weitere ein. Ein zweiter Angestellter tat es ihm am Freitag gleich, wie die Luxembourg Times meldete. Insgesamt sind es allerdings bereits acht, wie Arbeitsminister Marc Spautz (CSV) am Mittwoch in der Arbeitskommission auf Aufforderung von „déi Lénk“ klarstellte. Folgende Vorwürfe stehen im Raum: massive Überstunden, ignorierte Ruhezeiten, Arbeit an Feiertagen ohne Zuschläge – und ein fehlendes Überstundenregister.
„Arbeitsrecht ist Arbeitsrecht“
„Mir ist egal, ob es sich um das größte, das zweitgrößte oder das drittgrößte Unternehmen handelt; Arbeitsrecht ist Arbeitsrecht und muss eingehalten werden“, sagte Spautz in der Kommission.
Denn damit nimmt Amazon es offenbar nicht so genau. Laut dem Linken-Abgeordneten Gary Diderich seien von Mitarbeitern bis zu 80 Arbeitsstunden pro Woche gemeldet worden. „Tatsächlich könnte man sogar sagen, dass Tage und Stunden überhaupt keine Rolle spielen, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass man seine Arbeit erledigt“, sagte er in der Kommissionssitzung. Er habe zudem Rückmeldung erhalten, dass es laut ITM bei Amazon keine Arbeitszeitnachweise gibt. Amazon habe zwar seinen Hauptsitz in den USA, doch ihre Anwälte müssten das Luxemburger Arbeitsrecht sehr wohl gut kennen.
„An der Nase herumgeführt“
Diderich geht außerdem davon aus, dass der Internet-Gigant systematisch den Mechanismus des Sozialplans umgeht. Bei Amazon würden über bestimmte Mechanismen immer wieder Mitarbeiter aussortiert werden. Viele würden dann eine hohe Abfindung erhalten, damit sie einvernehmlich das Unternehmen verlassen, erklärte Diderich. Somit zählen sie nicht in die für den Sozialplan-Mechanismus relevante Quote. „Man gewinnt den Eindruck, dass man an der Nase herumgeführt wird.“
Vor einem Jahr hatte Amazon angekündigt, weltweit tausende Jobs zu streichen. In Luxemburg hatte sich der Konzern mit der Personalvertretung auf einen Sozialplan geeinigt. 370 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz, ursprünglich war von 470 die Rede gewesen. Anfang 2026 kam es zu einer weiteren Entlassungswelle: Amazon strich 16.000 Arbeitsplätze. Dieses Mal war Luxemburg nicht betroffen.
Amazon ist mit 4.550 Angestellten der drittgrößte Arbeitgeber Luxemburgs. Die europäische Zentrale des Konzerns mit Sitz auf Kirchberg setzte 2025 knapp 92 Milliarden Euro um und machte 511 Millionen Euro Gewinn.