Gazprombank Luxemburg
Russische Banker verdienten mit Gazprom-Anleihen Millionen – CSSF verhängt keine Buße
Vier Gazprombank-Direktoren sollen Kasse mit Anleihen gemacht haben – und möglicherweise gegen EU-Sanktionen verstoßen haben. Die Luxemburger Finanzaufsicht CSSF hat dennoch keine Geldbußen verhängt.
Von diesem Gebäude im Bahnhofsviertel tätigte die Gazprombank jahrelang ihre Geschäfte Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
Die Luxemburger Finanzaufsicht CSSF ist erneut Thema in der internationalen Finanzpresse. Wie aus einem Bericht der Financial Times hervorgeht, haben vier der ranghöchsten Banker der Gazprombank-Niederlassung in Luxemburg Geschäfte mit Anleihen des Energiekonzerns Gazprom betrieben. Die Transaktionen werfen die Frage auf, ob die vier Direktoren Insiderinformationen genutzt haben – und ob sie EU-Sanktionen umgangen haben.
Putin ermöglichte Anleihen-Umtausch
Das Putin-Regime hatte nach den Sanktionen gegen Russland verfügt, dass Fremdwährungs-Anleihen des staatlichen Energieriesen Gazprom in Russland zum vollen Preis durch neue ersetzt werden konnten. Die in Europa laufenden Anleihen waren aufgrund der Sanktionen im Preis abgestürzt.
Laut Financial Times hatten die vier Banker von ihrer eigenen Bank Privatkredite in Millionenhöhe aufgenommen, die billigen europäischen Anleihen gekauft – und die russischen zum vollen Wert umgetauscht. Insgesamt sollen die vier mit mehr als 50 Transaktionen dabei einen potenziellen Gewinn von mehr als neun Millionen Euro erzielt haben können. Die Bankdirektoren kauften die Anleihen dabei offenbar oft, noch bevor auf der Gazprom-Webseite bekannt gegeben wurde, dass diese für den Tausch infrage kamen.
Verdacht auf Sanktionsumgehung
An den Anleihetauschgeschäften war laut Financial Times zudem eine russische Einrichtung beteiligt, die unter EU-Sanktionen steht: die National Settlement Depository, die Zentralverwahrstelle für Aktien und Anleihen in Russland. Die britische Zeitung zitiert einen EU-Beamten mit den Worten: „Das klingt nach einer Umgehung der Sanktionen.“ Das Vorgehen müsse Gegenstand einer strafrechtlichen Untersuchung in Luxemburg sein.
Die CSSF hat laut Financial Times zwar den Fall untersucht – und festgestellt, dass „die Bank gegen ihre internen Vorschriften verstoßen hatte, die es Mitarbeitern untersagten, persönliche Konten zu eröffnen“. Sie stellte jedoch kein weiteres Fehlverhalten fest und verhängte keine Geldbußen.