Luxemburg
Nutznießer und Geisel zugleich – Wie abhängig ist der Finanzplatz von den USA?
Während geopolitische Spannungen zunehmen und die USA dem alten Kontinent zunehmend den Rücken kehren, stellt sich für Luxemburg eine zentrale Frage: Wie abhängig ist der Finanzplatz von den USA? Das Tageblatt hat Sabine Dörry vom Forschungszentrum Liser um ihre Meinung gefragt.
Der Erfolg des Finanzplatzes Luxemburg ist tief in der „Amerikanisierung“ der globalen Finanzwelt verankert Illustration: Tageblatt
„Der Finanzplatz Luxemburg ist seit langem sowohl Nutznießer als auch Geisel der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen globalen Ordnung“, so Forscherin Sabine Dörry auf Tageblatt-Nachfrage. „Diese Ordnung wurde entscheidend von den USA geprägt, und Luxemburg als kleiner, aber global vernetzter Knotenpunkt befindet sich innerhalb von Strukturen, (…) mit denen es nicht zuletzt dank seiner bemerkenswerten Finanzdiplomatie sehr geschickt umzugehen gelernt hat.“
Dass die USA mehr als nur wichtig für den Finanzplatz sind, sei daher klar. „Der Finanzplatz Luxemburg ist in hohem Maße von den USA abhängig“, unterstreicht sie und verweist auf die Geschichte. „Nach 1945 wurde das internationale Wirtschafts- und Politiksystem eng mit der Macht der USA (und ihrem auf fossilen Brennstoffen basierenden Wachstumsmodell) verknüpft.“