„Chambre des métiers“-Studie

Luxemburg sucht 3.800 qualifizierte Handwerker

Luxemburg braucht dringend qualifizierte Handwerker. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, deren Ergebnis die „Chambre des métiers“ am Freitag veröffentlicht hat.

Max Urbany, Tom Wirion, Marc Gross und Gilles Walers (v.l.n.r.) von der „Chambre des métiers“ gaben die Ergebnisse einer Studie zum Handwerk bekannt

Max Urbany, Tom Wirion, Marc Gross und Gilles Walers (v.l.n.r.) von der „Chambre des métiers“ gaben die Ergebnisse einer Studie zum Handwerk bekannt Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Zahlen lassen aufhorchen. 800 Unternehmen wurden für die Studie befragt. Rund 70 Prozent davon geben an, dass sie im Laufe der vergangenen zwölf Monate nach Fachkräften gesucht haben. Doch ganze 91 Prozent hatten Schwierigkeiten, das richtig geschulte Personal zu finden.

Die durchgeführte Studie schätzt den Bedarf an fehlenden Arbeitskräften im Handwerk auf zirka 3.800 Personen, was eine Steigerung von mehr als 20 Prozent zum Jahr 2019 ausmacht. „Das Fehlen von qualifizierten Handwerkern macht sich in jedem Sektor bemerkbar. Besonders viele Fachkräfte werden allerdings in den Bereichen gesucht, die mit der Energiewende zusammenhängen. Hier fehlen momentan rund 1.700 Beschäftigte“, erklärt Generaldirektor Tom Wirion.

Da qualifizierte Facharbeiter mittlerweile rar in Luxemburg geworden sind, können sich viele Handwerker ihren Arbeitgeber frei aussuchen. Auch der luxemburgische Staat schnappt sich immer wieder Talente aus der Privatwirtschaft. Um nicht irgendwann ohne Fachkräfte dazustehen, müssen die Unternehmen weiterhin attraktiv für die Arbeitnehmer bleiben.

Neben finanziellen Entschädigungen bieten viele Betriebe deswegen Weiterbildungen an. Mehr als die Hälfte der befragten Handwerksbetriebe haben in den vergangenen drei Jahren mindestens eine Fortbildung angeboten. Diese sollen auch weiter auf freiwilliger Basis stattfinden. Die Handwerkskammer ist gegebenenfalls für eine Änderung des Gesetzes. Sie spricht sich daher gegen die Einführung eines allgemeinen Rechts auf Ausbildung oder gar eines Systems von persönlichen Lernkonten nach dem stark kritisierten französischen Modell ab. Die Vertreter des Handwerks sind der Meinung, dass geeignete Lösungen für Weiterbildungssysteme auf der Ebene der einzelnen Branchen gefunden werden müssen.

Besuch in der Schule

Die zukünftige Bindung von Arbeitnehmern an das Unternehmen ist ein entscheidender Faktor für das Überleben der Handwerkerbetriebe in Luxemburg. So gaben rund 68 Prozent aller Befragten an, dass ihr Arbeitsumfeld besonders wichtig ist. Nur 48 Prozent wollten mehr Geld als die Konkurrenz. Es gilt, die loyalen Mitarbeiter langfristig an die Betriebe zu binden.

Wichtig ist hier auch eine Aufwertung des Rufs des Handwerks. Die „Chambre des métiers“ arbeitet deswegen mit Grundschulen zusammen, um so Berührungsängste mit dem Handwerk sofort abzubauen. Doch alleine mit Handwerkern aus Luxemburg können viele Betriebe nicht überleben. Deshalb soll auch im Ausland verstärkt nach Talenten gesucht werden. Das könnte mithilfe von speziell eingerichteten Business Hubs, die weltweit eröffnet werden sollen, geschehen.

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