Altes Geld
Ein kleines Vermögen: Rund 197 Millionen Franken flattern noch in Luxemburg herum
Viele alte Geldscheine wurden nie eingetauscht und fristen ihr Dasein als wertlose Papierfetzen. Das muss nicht sein, denn ihre Besitzer können sie immer noch bei der BCL eintauschen.
Der häufigste Schein, der sich noch im Umlauf befindet, ist der alte 100-Franken-Schein CC-0
Manche Menschen misstrauen bekanntlich den Banken. Sie vertrauen ihr Erspartes lieber kleinen Porzellanschweinchen, alten Socken oder Briefumschlägen an. Sie sind gewissermaßen die Eichhörnchen unter den Sparern, und genau wie die kleinen Nager vergessen sie dann auch mal, wo sie ihre eiserne Reserve verbuddelt haben. Die Konsequenz: Kleine vergessene Schätze liegen überall im Land. Seit Jahren. Und mit ihnen kann man gar nicht mehr bezahlen, denn es sind alte Luxemburger Franken.
In der Summe ist es ein ganzer Batzen Geld. Auf 197 Millionen Franken beziffert die Luxemburger Zentralbank (BCL) die Bargeldnoten, die noch in Umlauf sind. Bei einem Wechselskurs von 1:40,3399 zum Stichtag der Währungsreform 2001 sind das heute rund 4,9 Millionen Euro.
Scheine kann man immer noch umtauschen
Genau genommen sind es 862.306 Scheine. Am häufigsten fehlt der Hunderter: 785.939 Stück sind nie zurückgekommen, rot, mit dem Porträt von Großherzog Jean und dem großherzoglichen Palais. Dazu 65.851 Tausenderscheine in Braun, mit der Burg Vianden. Und 10.516 Fünftausender in Grün. Diese zeigten vorne Schloss Clerf, hinten das Europazentrum auf Kirchberg.
862.306
Scheine sind noch im Umlauf
Der Hunderter macht damit über 90 Prozent der verschollenen Scheine aus, aber nur 40 Prozent des Werts. Das passt ins Bild. Wer einen Fünftausender beiseitelegt, merkt sich in der Regel, wohin. Der Hunderter dagegen verschwindet in Jackentaschen, Kochbüchern und Schubladen.
Die gute Nachricht für alle, die zu Hause fündig werden: Die Scheine kann man weiterhin eintauschen, ohne Frist. Zuständig ist der „Espace numismatique“ der BCL in der avenue Monterey 43, montags bis freitags von 10.30 bis 16.00 Uhr. Eine Bedingung gibt es: Mehr als die Hälfte des Scheins muss noch übrig sein. Wo Mäuse und Feuchtigkeit im Spiel waren, entscheidet also die Restfläche. Die schlechte Nachricht gilt den Münzen. Die werden seit Dezember 2004 nicht mehr getauscht.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen …
Wie zäh sich die Sache hinzieht, zeigt die Jahresbilanz. 2025 kamen gut 300.000 Franken zurück an den Schalter – also nicht einmal 8.000 Euro. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird der letzte Luxemburger Franken irgendwann um das Jahr 2650 eingelöst.
Bis dahin stehen die vergessenen Scheine in den Büchern der Zentralbank. Die BCL führt sie unter „sonstige Verbindlichkeiten“, zusammen mit offenen Lieferantenrechnungen und aufgelaufenen Zinsen. Denn ein Geldschein ist ein Versprechen der Notenbank. Und ein Versprechen, das niemand einlöst, bleibt eine Schuld. Jede vergessene Socke im Land ist streng genommen eine Forderung an die BCL.
Wer also demnächst den Dachboden entrümpelt, sollte in die alten Umschläge schauen. Auf jeden Einwohner umgerechnet liegen rund sieben Euro irgendwo im Land herum. Die Eichhörnchen haben immerhin die Ausrede, dass sie im Winter schlafen.