Korruptionsverdacht

ArcelorMittal spendet laut New York Times Stahl für Trumps Ballsaal

ArcelorMittal spendet Trump Stahl im Wert von 37 Millionen Dollar. Zwei Tage danach gewährt der Präsident Luxemburgs Stahlriesen eine Zollerleichterung.

Auf dem Foto vom 4. April sind Kräne, die für den Bau des neuen Ballsaals im Weißen Haus eingesetzt werden, zu sehen

Auf dem Foto vom 4. April sind Kräne, die für den Bau des neuen Ballsaals im Weißen Haus eingesetzt werden, zu sehen Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Der Luxemburger Stahlkonzern ArcelorMittal hat dem Weißen Haus Stahl im Wert von rund 37 Millionen Dollar gespendet. Der Stahl soll für den umstrittenen Ballsaalbau von US-Präsident Donald Trump zum Einsatz kommen. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf zwei mit den Plänen vertraute Personen. Der gelieferte Stahl stammt aus europäischer Produktion.

Die Spende ist politisch brisant. Trump hatte die amerikanische Stahlindustrie zum Schutzprojekt seiner Präsidentschaft erklärt und zuletzt die Zölle auf Stahlimporte drastisch erhöht. Dass der Ballsaal nun mit europäischem Fremdstahl gebaut wird, dürfte bei US-Stahlherstellern und Gewerkschaften für Empörung sorgen. Der Ballsaal ist wegen der damit einhergehenden Kostenexplosion ohnehin bereits politisch umstritten: 400 Millionen Dollar soll das Projekt laut Trump kosten, eine Verdopplung der bisherigen Kosten. Der Präsident will die 90.000 Quadratmeter große Anlage nach sich selbst benennen.

Noch brisanter als die Spende selbst ist allerdings das Timing: Zwei Tage nachdem Trump das Geschenk von ArcelorMittal bei einem Treffen mit Großspendern öffentlich gelobt hatte, erließ die US-Regierung ein Dekret, das die Zölle auf Automobilstahl aus ArcelorMittals Werk in Kanada halbierte. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete den Zusammenhang laut New York Times als „weit hergeholt“ („tenuous“).

Weißes Haus hüllt sich in Schweigen

Wo und wie genau der Stahl zum Einsatz kommt, ob er aus Luxemburger Produktion stammt und um welche Bauteile es sich handelt, wollte das Weiße Haus auf Tageblatt-Nachfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher des US-Präsidenten teilte uns lediglich mit: „Aufgrund der streng vertraulichen und sensiblen Natur verschiedener Elemente des ‚East Wing Modernization and Ballroom‘-Projekts geben wir keine Auskunft über spezifische Materialien und deren Verwendung oder Anwendungsweise.“

Das Washingtoner Architektenbüro Shalom Baranes Associates, das den Bau des Ballsaals seit November vergangenen Jahres verantwortet, reagierte nicht auf eine Presseanfrage. Der 75-Jährige Baranes hat laut New York Times allerdings auch eine Verschwiegenheitserklärung hinsichtlich seiner Arbeit für die US-Regierung unterschrieben. Der Architekt kam im Alter von sechs Jahren als jüdischer Flüchtling aus Libyen in die USA und hat in seiner 50-jährigen Karriere unter anderem das Pentagon nach den Angriffen des 11. September 2001 repariert.

Auch ArcelorMittal teilte auf Nachfrage mit, den Bericht der New York Times nicht kommentieren zu wollen. Das ArcelorMittal-Werk in Differdingen ist bekannt dafür, dass seine hochqualitativen Stahlträger in Prestigebauten zum Einsatz kommen, allerdings vor allem in Wolkenkratzern. Ob die Arbeit des Luxemburger Stahlwerks in Zukunft auch den Anbau des Weißen Hauses trägt, kann nicht ausgeschlossen werden.

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5 Kommentare
Jean-Marie Grober 09.04.202615:25 Uhr

"Pecunia non olet!" Geld stinkt nicht, aber die, die über Macht und Milliarden-Vermögen verfügen, verbreiten einen Geruch, der mich an Fäkalien und Verwesung erinnert! Einziger (schwacher) Trost: am Ende werden auch die Milliardäre das gleiche Schicksal teilen wie die, die momentan unter ihrer unstillbaren Gier und grenzenloser Habsucht leiden müssen.

Mephisto 09.04.202614:50 Uhr

Wer gewohnt ist auf weißen Elefanten zu reiten macht auch Geschäfte mit dem Teufel.

Ph 09.04.202614:03 Uhr

An hei am Land muss den Steierzueler ArcelorMittal subventioneieren.

Luxmann 09.04.202611:30 Uhr

Ein typischer Trump deal.
Herr Mittal hat wahrscheinlich auch nebenbei noch ein gerahmtes foto des grossen mannes mit persoenlicher dedicace erhalten.

Merissa 09.04.202611:18 Uhr

The cost of doing business.

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