Olympia

Zwischen Sportfest, ICE und Epstein: IOC-Präsidentin Coventry setzt auf Abschottung

Die ersten Olympischen Spiele unter der Präsidentschaft von Kirsty Coventry stehen an. Nach knapp acht Monaten an der Spitze des IOC sticht sie vor allem als Stoikerin hervor.

IOC-Präsidentin Kirsten Coventry trägt die olympische Fackel bei der Fackelübergabe in Mailand

IOC-Präsidentin Kirsten Coventry trug die olympische Fackel in Mailand Foto: AFP/Daniel Munoz

Die Epstein-Akten und ICE sind für Kirsty Coventry bei den Wohlfühlterminen dieser Tage weit weg. Zunächst die Eröffnung der ersten IOC-Vollversammlung unter ihrer Präsidentschaft in der weltberühmten Mailänder Scala am Montagabend, getoppt von der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele am Freitag im Fußballtempel San Siro. An solch schillernden Orten kann Coventry ihre Lieblingsbotschaft verbreiten: Freude schüren auf ein Sportfest. Für rund 2.900 Athletinnen und Athleten, die von großen Momenten und Medaillen träumen, aber auch für die Welt.

Die Welt allerdings wird von anderen Themen beherrscht. Einige strahlen nach Norditalien ab, in den olympischen Kosmos, der ganz eigenen (Natur-)Gesetzen folgt und der bei jeder passenden Gelegenheit beschwört, dass Sport und Politik zwei Welten sind.

Die Nachricht vom geplanten Einsatz von Agenten der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE am Rande der Spiele allerdings sorgte in den vergangenen Tagen für Empörung, insbesondere im Gastgeberland Italien. Zudem ist seit dem Wochenende bekannt, dass auch der Name des Organisationschefs der Sommerspiele in Los Angeles 2028, Casey Wasserman, in den Millionen weiterer veröffentlichter Seiten im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu finden ist.

Noch kein Gespräch mit Trump

Für Coventry allerdings, zweifache Mutter und erste Frau an der Spitze des IOC, sind das derzeit keine allzu relevanten Themenfelder, ihr „voller Fokus“ ist auf die Winterspiele mit den Hauptorten Mailand und Cortina d’Ampezzo gerichtet – mindestens bis zur Schlussfeier am 22. Februar. „Alles, was von diesen Spielen ablenkt, ist traurig. Aber so etwas hat es immer schon gegeben“, sagte sie am Sonntag bei einer Pressekonferenz und verwies auf frühere Ausgaben, wo das Zika- (Rio 2016) und um einiges mehr das Coronavirus (Tokio 2020 und Peking 2022) die Themenlage abseits der Sportstätten bestimmt hatten.

Coventrys eigene Überzeugungen bleiben hingegen vorerst ein Rätsel. Die frühere Schwimmerin spricht bereitwillig über ihre Verbundenheit zur olympischen Bewegung und schwärmt von der Wirkmacht des olympischen Geistes, weicht aber Fragen zu laufenden Konsultationen im IOC aus. Das klang anders, irgendwie verheißungsvoll, als sie im März 2025 zur Nachfolgerin ihres Förderers Thomas Bach gewählt wurde.

Angesprochen auf US-Präsident Donald Trump scherzte sie kurz nach ihrer Wahl, man müsse sich keine Gedanken um sie machen, sie habe reichlich Erfahrung mit „schwierigen Männern in hohen Positionen“ gesammelt. Ein Gespräch mit Trump, dessen Land immerhin die nächsten Sommerspiele ausrichtet, hat bis dato allerdings nicht stattgefunden, bestätigte die 42-jährige Simbabwerin unlängst.

Ein abwartender, diplomatischer Ton

Auch das Versprechen der Erneuerung, das mit ihrer Wahl – welche nicht nur von Frauen als Signal gewertet wurde – einherging, hat sie noch nicht ansatzweise eingelöst.

Zwar gründete Coventry nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Juni unter dem Slogan „Fit for the Future“ einige Arbeitsgruppen. Doch konkrete Ergebnisse stehen auch vor der ersten IOC-Vollversammlung unter ihrer Leitung (Dienstag und Mittwoch) noch aus, etwa bei der Neugestaltung des olympischen Sportprogramms, beim Vergabeprozess künftiger Spiele, bei der Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft und besonders beim „Schutz der Frauenkategorie“, also dem Umgang etwa mit Transathleten – die Trump per Dekret aus dem Frauensport ausschließt.

„Ich habe die Gruppen gebeten, wirklich in alle Bereiche hineinzuschauen“, sagte Coventry am Sonntag und warb abermals um Geduld. Und bezüglich einer möglichen Rückkehr Russlands als Sportnation auf die olympische Bühne gebe es „keinen Zeitplan“.

Coventry, ehemalige Sportministerin ihres Heimatlandes, hat mittlerweile unüberhörbar einen abwartenden, diplomatischen Ton angeschlagen. Immerhin: In Mailand wird sie anlässlich der Eröffnungsfeier erste Kontakte zu ranghohen US-Verantwortlichen knüpfen. US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio haben ihr Kommen angesagt – sie sind der Grund, weswegen auch ICE-Beamte in Italien erwartet werden. (SID)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren