David Jonathans
Wie ein früheres Bayern-Talent auf der „Grenz“ zu alter Stärke zurückfinden will
Mit 22 Jahren hat David Jonathans bereits viel einstecken müssen. Seinen Weg in den Profifußball hatte er sich anders vorgestellt. Nun ist der Offensivspieler zu den Wurzeln des früheren Erfolgs zurückgekehrt: Gemeinsam mit Coach Reinhold Breu soll ein neuer Start eingeleitet werden.
Der junge Luxemburger sprach im Interview offen über die Schattenseiten des Business Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Tageblatt: Sie haben Ihr erstes BGL-Ligue-Duell hinter sich. Der Spielverlauf, mit diesem Last-Minute-Ausgleich der Jeunesse, war spektakulär. Wie haben Sie die Premiere erlebt?
David Jonathans: Ich habe gemerkt, dass ich mich noch an den Spielstil gewöhnen muss. Es war etwas anderes als das, was ich gewohnt bin. Ich habe ja noch nicht so viele Gegner erlebt, aber es ist physischer. Für mich ist es eine gute Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen, um in diesem Bereich zu arbeiten. Ich muss dazu sagen, dass ich positiv vom Niveau überrascht bin. Das Spiel gegen Bissen war schwer, aber wir haben das gut gelöst.
Sie haben eine Saison mit nur zwei Pflichtspielen für den FC Den Bosch hinter sich, waren seit Sommer vereinslos. Wie wichtig waren diese 90 Minuten für Sie?
Ehrlich gesagt war das unheimlich wichtig. Ich bin auch nicht davon ausgegangen, gleich 90 Minuten Einsatzzeit zu bekommen. Es hat mir gutgetan. Ich bin auch wirklich froh, dieses Vertrauen bekommen zu haben. Es stimmt, dass es schon länger her ist ... In Den Bosch habe ich auch mit den Reserven gespielt, aber höchstens zweimal. Ansonsten habe ich mit der ersten Mannschaft trainiert. Und dann gab es ja noch die Spiele mit der U21-Nationalmannschaft.
Wie geht man als junger Spieler mit so einer Situation um? Was lernt man in dieser Zeit?
Für mich war es eine schwere Zeit, vor allem wenn man jeden Tag trainiert und das Gefühl hat, seine Chance nicht zu bekommen. Viele Sachen liefen nicht gut. Ich habe trainiert, nur um zu trainieren, aber der Trainer zog mich nicht in Betracht. Es war mental fordernd. Irgendwann habe ich mir gesagt, dass ich es für mich selbst machen muss – um besser zu werden und um aus jeder Einheit das Beste mitzunehmen. Jede Minute, die ich bekommen würde, wäre gut. Ich hatte immer die Motivation, mein Bestes im Training zu geben, egal ob ich spielen würde oder nicht. Letztlich geht es darum, mich weiterzuentwickeln, um nicht an einem Punkt stehen zu bleiben.
Wird man in der Talentschmiede des FC Bayern auf schwere Momente vorbereitet?
Nicht unbedingt konkret, nein. Niemand sagt klar und deutlich, wie man sich verhalten soll, wenn man in so eine Lage gerät. Allerdings man hat in diesem Verein sehr viel Begleitung, in allen Bereichen, ob mental oder physisch. Wenn man Probleme hat, findet man in München immer Ansprechpartner: Man kann mit einem Psychologen oder Pädagogen reden. Aber es ist nicht so, dass man aktiv auf schlechte Phasen vorbereitet wird. Während der Leihe in die Niederlande gab es eine Person des FC Bayern, die für mich zuständig war. Er hat mich oft besucht und stand in Kontakt mit dem FC Den Bosch. Wir haben uns oft unterhalten, er wollte mir helfen und war bemüht, die Situation zu verändern. Aber er konnte ja nicht entscheiden, wer spielt ...
Ich habe mir das vielleicht zu leicht vorgestellt. Es hat sich herausgestellt, dass Einsatzminuten halt das Wichtigste sind.
David Jonathans
Jeunesse Esch
Im Sommer kehrten Sie dann nach München zurück. Ihr Vertrag bei den Reserven wurde im Sommer aufgelöst. Wie kam es dazu?
Ich habe diese Entscheidung selbst getroffen. Ich hatte noch einen Vertrag für ein Jahr, aber ich wollte im Sommer weggehen. Ich hatte in vielen Vereinen mittrainiert. Es war schwer, nach dem Jahr ohne Einsatzzeit etwas anderes zu finden. Bayern kam auf mich zu: Sie haben mir angeboten, dass sie sich aus dem Vertrag herauskaufen würden, damit ich außerhalb der Transferperiode etwas Neues suchen könnte. Ich habe mir das vielleicht zu leicht vorgestellt. Es hat sich herausgestellt, dass Einsatzminuten halt das Wichtigste sind. Die hatte ich nicht. Deswegen war ich ein halbes Jahr ohne Verein.
Nun wagen Sie also den neuen Anlauf in Luxemburg. Hat Reinhold Breu, den Sie als Technischen Direktor der Fußballschule kennengelernt haben, bei Ihnen viel Überzeugungsarbeit leisten müssen?
Reinhold Breu hatte mir bereits geschrieben, als ich Bayern verlassen hatte. Er sagte mir, dass ich immer beim Training willkommen wäre. Letzlich habe ich mich dank ihm für die Jeunesse entschieden. Wir kennen uns. Ich weiß, was ich erwarten kann. Es hat also nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht (lacht).
Seit wann trainieren Sie denn in Esch?
Erst seit dem Wechsel. Vorher war ich bei vielen Klubs im Probetraining. Ich hatte auch die Möglichkeit, mit der U19 der FLF zu trainieren, aber ich war vor allem viel alleine. Ich habe mich selbst fit gehalten.
Was erwartet der Trainer von Ihnen – und Sie von der Jeunesse? Wohin soll der Weg für Sie gehen?
Für den Trainer ist es das Wichtigste, dass ich Selbstvertrauen aufbaue. Er will sozusagen den David wiedersehen, den er damals in der Fußballschule erlebt hat – und dass ich wieder derjenige werde, der damals nach München ging. Meine Erwartung ist eigentlich dieselbe. Das Ziel ist, dass ich Einsatzzeit sammele und die Zeit nutze, um maximales Selbstvertrauen aufzubauen.
Es ist wohl kein Geheimnis, dass Ihr Aufenthalt bei der Jeunesse ein Zwischenstopp zurück ins Ausland sein soll ...
Ja. Ich erhoffe mir, dass ich in diesem halben Jahr das Interesse von anderen Vereinen wecken und hoffentlich wieder einen nächsten Schritt machen kann.
Am Wochenende reist die Jeunesse nach Mamer. Auf dem Papier ist es an sich ja eine klare Angelegenheit ...
Im Training haben wir in dieser Woche versucht, die Intensität hoch zu halten. Ich spüre keinen Unterschied in der Vorbereitung, was den Gegner angeht. Wir gehen das Spiel gleich an.
Was wird Ihnen das erste BGL-Ligue-Tor bedeuten?
Ein Tor oder eine Vorlage wäre definitiv ein „extra Boost“ für mein Selbstvertrauen.
Steckbrief
David Jonathans
Geboren am 26. Januar 2004 in Apeldoorn (NL)
Staatsbürgerschaft: Luxemburg
Position: Linksaußen, Sturm
Bisherige Vereine: Hesperingen (Jugend), Bayern München U17, U19, II (D), FC Den Bosch (NL), Bayern München II (D), seit dem 30. Januar 2026 bei Jeunesse Esch
Nationalmannschaft: 3 Spiele (Debüt am 9. Juni 2023 gegen Malta)