„Der zweite Lauf war eine Steigerung“

Luxemburger Matthieu Osch wird im Olympia-Riesenslalom 46.

Matthieu Osch hat den Riesenslalom der Olympischen Spiele von Mailand und Cortin d‘Ampezzo als 46. beendet. In Bormio haderte der 26-Jährige etwas mit dem 1. Lauf, konnte sich dann aber im zweiten Durchgang verbessern. Die Goldmedaille ging an den Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen, der Geschichte für das südamerikanische Land schrieb.

Matthieu Osch genießt die beeindruckende Bergkulisse und Atmosphäre beim Ski-Event in Bormio

Matthieu Osch konnte die Atmosphäre in Bormio sichtlich genießen Foto: ATP/Qian Jun

Für Sportler sind die Olympischen Spiele immer etwas ganz Besonderes – ganz speziell noch für Athleten wie Matthieu Osch, die das Rampenlicht nicht aus ihrem Alltag kennen. „Die Anspannung war vor dem Rennen schon da“, erzählte Osch nach seinem Wettkampf am Samstag. „Olympia ist nun mal nur alle vier Jahre. Es ist die ganz große Bühne, das bin ich nicht so gewohnt. Ich habe versucht, mental daran zu arbeiten.“

Am Samstag herrschte im ersten Durchgang von Bormio leichter Schneefall. Osch beendete seinen Lauf mit einem Rückstand von 11,14 Sekunden auf den Führenden, Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien, und landete auf dem 50. Platz. „Es war nicht ganz einfach“, sagte er nach dem ersten Durchgang. „Ich habe gut angefangen, aber dann nachgelassen. Unten wäre mehr drin gewesen.“ Insgesamt bewertete der 26-Jährige seinen Lauf jedoch als zufriedenstellend – besonders im Hinblick auf seine hohe Startnummer 59. „Die Piste war mit dieser Nummer generell nicht einfach. Mit der 59 kann man keine Autobahn erwarten.“

Verbesserung im zweiten Lauf

Im Interview mit dem Tageblatt vor dem Rennen hatte Osch noch gesagt, dass es ihm nichts bringe, einfach nur den Lauf herunterzubremsen – dieser Devise ging er am Samstag nach. „Oben hatte ich zu Beginn Schwierigkeiten, aber danach habe ich mehr riskiert. Unten war es dann einfach nicht mehr so gut, da kam auch die Müdigkeit dazu. Es war nicht mein bester Lauf, aber es ist okay. Ich denke, ich habe eine gute Ausgangsposition.“

Osch erschöpft am Ende des ersten Laufs beim Wettkampf, Luft holen und Erschöpfung sichtbar

Am Ende des ersten Laufs ging Osch etwas die Luft aus Foto: ATP/Qian Jun

Für den zweiten Durchgang wollte der dreifache Olympionik seine Marschroute nicht verändern: „Ich werde im zweiten Lauf nochmal richtig angreifen. Ich habe eine bessere Startnummer, und das will ich ausnutzen. Mein Ziel ist, gut Ski zu fahren und zu sehen, ob ich ein paar Plätze gutmachen kann. Es hängt aber auch von der Kurssetzung ab.“

Im zweiten Durchgang zeigte Osch dann eine deutliche Steigerung: Mit der 43. Zeit im zweiten Lauf verbesserte er sich in der Endabrechnung auf den 46. Platz. „Der zweite Lauf war definitiv eine Steigerung“, sagte Osch selbst, der im Schneefall keine Probleme mit der Sicht hatte. „Die Bodensicht war gut. Während der Besichtigung hatte es stärker geschneit, aber da hatte es schon merklich nachgelassen. Insgesamt bin ich zufrieden.“

Risiko auch wieder im Slalom

Die Zahlen bestätigen seine Verbesserung: Hatte er im ersten Durchgang noch 11,14 Sekunden Rückstand auf den Schnellsten Braathen, lag dieser im zweiten Lauf nur noch bei 7,04 Sekunden – und zwar auf den Laufschnellsten Joan Verdu aus Andorra. Zwar konnte Osch seinen 28. Platz von Peking nicht übertreffen, aber er schätzte das Resultat aus Italien folgendermaßen ein: „Natürlich ist der 28. Platz besser, aber die Leistung heute vom Skifahren her war ein Schritt nach vorn.“

Am Sonntag steht für Osch dann ein gemäßigtes Training an, ehe er am Montag beim Slalom wieder ins Geschehen eingreift. „Am Sonntag werde ich zwei oder drei Läufe machen, um mir ein bisschen mehr Vertrauen im Slalom zu holen. Slalom ist doch schon etwas anderes als Riesenslalom.“ In dieser Disziplin, seiner vermeintlich stärkeren, hatte Osch bei seinen bisherigen beiden Olympia-Auftritten jedoch noch nicht das Ziel erreicht. Auf Nummer sicher fahren will er jedoch keineswegs. „Wenn ich neben der Piste stehe, dann ist es eben so. Ich möchte Gas geben – das nehme ich dann schon in Kauf.“

Großherzog Henri und Michel Knepper beobachten gespannt das Rennen von Osch beim COSL-Sportevent

Großherzog Henri und Michel Knepper (links), Präsident des COSL, schauten sich Osch sein Rennen an Foto: ATP/Qian Jun

Insgesamt hat Osch seinen ersten Olympia-Auftritt in den Alpen jedoch genossen. Nach den Spielen 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking hatte auch seine Familie die Möglichkeit, leicht anzureisen. „Die Atmosphäre ist schon sehr cool. Ich hatte die ganze Familie im Publikum, und auf der Piste standen Kollegen. Ich habe sie zwar nicht gehört, weil ich voll fokussiert war, aber das ist alles schon etwas ganz Besonderes.“ Vor Ort in Bormio war ebenfalls Großherzog Henri.

Im Überblick

Olympia, Ski alpin, Männer, Riesenslalom:
Gold: Lucas Pinheiro Braathen (Brasilien) 2:25,00
Silber: Marco Odermatt (Schweiz) 0,58 Sekunden zurück
Bronze: Loic Meillard (Schweiz) 1,17

4. Thomas Tumler (Schweiz) 1,45, 5. Atle Lie McGrath (Norwegen) 1,82 , 6. Leo Anguenot (Frankreich) 1,99, 7. Henrik Kristoffersen (Norwegen) 2,04, 8. Stefan Brennsteiner (Österreich) 2,23, 9. Marco Schwarz (Österreich) 2,28, 10. Joan Verdu (Andorra) 2,29
... 46. Matthieu Osch (Luxemburg) 18,18

Karneval in Bormio

Im Kampf um die Medaillen wurde Karneval gefeiert: Lucas Pinheiro Braathen hat mit Gold im Riesenslalom die erste Medaille für Brasilien bei Olympischen Winterspielen gewonnen. Der 25 Jahre alte Norweger, der seit Oktober 2024 für das Heimatland seiner Mutter startet, siegte klar vor zwei Schweizern: Peking-Olympiasieger Marco Odermatt (+0,58 Sekunden) und Slalom-Weltmeister Loic Meillard (+1,17).

Braathen hatte den Grundstein zum Sieg bereits in einem kuriosen ersten Durchgang gelegt. Mit Startnummer 1 war ihm ein Traumlauf gelungen – im Zwischenklassement lag er 0,95 Sekunden vor Odermatt, mit ebenfalls großem Abstand folgte dahinter Meillard (+1,57 Sekunden). Für Odermatt war es nach Silber in der Team-Kombination und Bronze im Super-G die dritte Medaille in Bormio.

Braathen hatte am 27. Oktober 2023 zwei Tage vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden nach einem Ausrüsterstreit mit dem norwegischen Verband zunächst seinen Rücktritt erklärt. Genau ein Jahr später kehrte er an gleicher Stelle für den brasilianischen Verband zurück. Für Norwegen hat der Paradiesvogel bislang fünf Weltcup-Rennen und den Slalom-Weltcup (2023) gewonnen, für Brasilien eines zu Saisonbeginn im finnischen Levi. Brasilien hat bei Sommerspielen bislang 170 Medaillen geholt. Erst seit 1992 schickt das Land Athletinnen und Athleten zu Winterspielen – Medaillen gab es bislang keine.

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