Handball

Von Düdelingen nach Bogotá: Fynn Köllers Abschied auf Zeit vom HBD

Fynn Köller wird am Mittwochabend ein letztes Mal in dieser Saison für den HBD auf dem Platz stehen. Nach dem Nachholspiel gegen Berchem reist der 22-jährige Handball-Nationalspieler nach Kolumbien, wo er in den kommenden fünf Monaten im Rahmen seines Studiums arbeiten wird.

Fynn Köller als Leistungsträger beim HBD zeigt Einsatz und Teamstärke im Sportverein

Fynn Köller gehört beim HBD zu den Leistungsträgern Foto: Editpress/Fernand Konnen

Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr wird Fynn Köller im Flugzeug sitzen und nach Kolumbien aufbrechen. Die nächsten fünf Monate wird der 22-Jährige in Bogotá verbringen, wo er im Rahmen seines Studiums berufliche Erfahrungen sammeln wird. Keine zehn Stunden vor dem Aufbruch nach Südamerika wird er aber noch ein letztes Mal in dieser Saison mit dem HBD auf dem Platz stehen.

Nachdem die Düdelinger am Samstag Meister Red Boys im Viertelfinale aus dem Pokal geworfen haben, wollen sie am Mittwochabend (20.30 Uhr) mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Pokalsieger Berchem den Anschluss an die Tabellenspitze halten und sich eine gute Ausgangslage im Titelrennen verschaffen.

„Seitdem ich in Düdelingen in der ersten Mannschaft spiele, hatten wir, denke ich, noch nie eine so starke Mannschaf wie aktuell“, sagt Köller. „Als ich angefangen habe, war es eine Mannschaft mit vielen älteren Spielern, die noch Halb-Profi waren. Dann kam der Umbruch. Seitdem haben junge Spieler, wie Ojié (Etute), Itua (Etute), Hugo (Neuberg) und auch ich selbst mehr Vertrauen bekommen und sind immer weiter gewachsen.“ Über die letzten Jahre ist so eine schlagkräftige Mannschaft entstanden, die in dieser Saison zu den Favoriten zählt.

„Fällt mir nicht leicht, jetzt zu gehen“

Düdelingen hat realistische Chancen auf den ersten Vereinstitel seit 2015. Einen potenziellen Titelgewinn würde Köller jedoch verpassen. „Das ist natürlich schade. Es fällt mir nicht leicht, jetzt zu gehen“, sagt er, „Ich wusste aber schon vor drei Jahren, als ich mit dem Studium begann, dass ich dieses Jahr nicht ganz dabei sein kann. Ich muss das machen, sonst habe ich drei Jahre Studium umsonst gemacht.“

Köller studiert „International Business“ in Maastricht mit einer Spezialisierung in „Emerging Markets“. Ein Auslandsaufenthalt ist fester Bestandteil des Studiengangs, um berufliche Erfahrung zu sammeln und Arbeitskulturen von aufstrebenden Märkten kennenzulernen. Zur Auswahl standen Südamerika, Südasien und Teile Afrikas.

„Ich habe Südamerika am interessantesten gefunden und sehe da auch Potenzial für die Zukunft“, sagt Köller. Die Wahl fiel schließlich auf Kolumbien – nach einem sorgfältigen Abwägungsprozess. Brasilien kam wegen der Sprache nicht infrage, Köller wollte in ein spanischsprachiges Land. Argentinien fiel aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage weg, Chile erschien ihm bereits zu stark entwickelt. „Das hätte für mein Studium keinen Sinn ergeben“, so der 22-Jährige. „Im Nachhinein bin ich auch froh, dass ich mich nicht für Venezuela entschieden habe.“ Ausschlaggebend für Kolumbien waren letztlich die mehreren Großstädte des Landes und damit bessere Chancen, eine passende Arbeitsstelle für die fünf Monate zu finden. Denn diese musste sich Köller selbst suchen. In Bogotá wurde er bei einer Investmentfonds-Firma fündig, wo er sowohl im Finanz- als auch im Marketingbereich eingesetzt wird.

Eine sprachliche Barriere wird es dabei nicht geben. Bereits vor drei Jahren hat der Luxemburger mit der Sprachlern-App Duolingo angefangen, Spanisch zu lernen, seit kurzem nimmt er zudem intensiven Unterricht.

Studien und Handball

Während seines Studiums in Maastricht gelang es dem Nationalspieler bislang, Handball und Uni zu kombinieren: Unter der Woche trainierte er zunächst während zwei Jahren beim niederländischen Klub Limburg Lions, nach dessen Insolvenz bei Hubo in Belgien, ehe er freitags für die Spiele mit dem HBD nach Luxemburg zurückkehrte. In Kolumbien gestaltet sich das schwieriger.

„Um ehrlich zu sein, habe ich mich auch noch nicht so sehr damit beschäftigt“, sagt Köller. „Es ging jetzt doch sehr schnell. Es hat ziemlich lange gedauert, um ein Visum zu beantragen. Ich habe es erst letzte Woche erhalten und am Tag danach dann sofort den Flug gebucht. Ich wusste immer, dass es irgendwann losgeht. Bis die Bestätigung kam, hat es sich aber tatsächlich lange gezogen.“

Ein Fitnessstudio in der Nähe seiner Unterkunft hat er bereits ausfindig gemacht. „Ich werde auch laufen gehen, um fit zu bleiben“, so Köller. „Ich versuche, im Handball ebenfalls etwas zu finden. Kolumbien ist aber nicht unbedingt für Handball bekannt. Sollte ich dennoch einen Verein finden, bei dem das Niveau passt, werde ich es versuchen.“

Glaube an einen Titel

Zunächst aber steht am Mittwochabend noch das Nachholspiel gegen Berchem an – das zweite intensive Duell innerhalb weniger Tage nach dem Pokalerfolg gegen die Red Boys. „Wir müssen den Abstand in der Tabelle zu den Red Boys so klein wie möglich halten, deswegen ist das Nachholspiel nun extrem wichtig“, betont der Nationalspieler. Mit einem Sieg würde der HBD in der Tabelle bis auf zwei Punkte an den Spitzenreiter heranrücken und genauso die aktuell noch punktgleichen Berchemer leicht distanzieren.

„Trotz ihrer vielen Verletzungen darf man Berchem aber nicht unterschätzen“, warnt Köller. „Es ist immer noch einer der stärksten Gegner der Liga und auch sie haben ihre Ambitionen. Wir müssen 100 Prozent geben.“

Der Sieg im Pokal verleiht dem HBD vor dem Duell Selbstvertrauen. Auch mit Blick auf die kommenden Monate. „Ich glaube fest daran, dass wir dieses Jahr einen Titel gewinnen – auch wenn ich nicht dabei bin“, so Köller, der sich bereits jetzt auf die Zeit mit dem HBD nach seiner Rückkehr freut. „Soweit ich weiß, bleibt der Großteil der Mannschaft nächste Saison zusammen, damit wir den Aufbau fortsetzen können“, sagt er. „Ich freue mich darauf, dann wieder dabei zu sein und um einen Titel zu kämpfen.“

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