FLF/Le Quotidien

Verbandspräsident Paul Philipp gibt seinem Trainer Rückendeckung

Drei Tage sind vergangen, seit es zum Clash zwischen einem Journalisten von „Le Quotidien“ und Nationaltrainer Luc Holtz kam. Am Mittwoch äußerte sich FLF-Präsident Paul Philipp bei RTL. Im Interview stellte er sich erwartungsgemäß hinter seinen Angestellten, vergaß dabei jedoch einige Prinzipien, die eine freie Presse ausmachen. Wir haben die Aussagen gecheckt.

Paul Philipp muss mit Gegenwind kämpfen

Paul Philipp muss mit Gegenwind kämpfen Foto: Editpress/Mélanie Maps

Fangen wir bei der Wahl des Interviewpartners an. Leider hat es RTL verpasst, die richtige personelle Entscheidung zu treffen. Mit Jeff Kettenmeyer durfte ein Sportjournalist und Moderator das Gespräch führen, der zusammen mit Paul Philipp jede Champions-League-Übertragung kommentiert. Kritisch ist dabei nicht das Können des RTL-Mannes, sondern die fehlende Distanz. Besser wäre es in diesem Falle gewesen, einen Journalisten dieses Interview führen zu lassen, der nicht regelmäßig beruflich mit dem FLF-Präsidenten zusammenarbeitet.

Dass Philipp die Entscheidung seines Nationaltrainers verteidigen würde, war zu erwarten. Ein Chef fällt seinem Angestellten öffentlich nicht in den Rücken. Diesen ethischen Grundsatz hat der FLF-Präsident respektiert. Er hatte aber auch aus seiner Sicht keine andere Wahl, denn der Verband hat die Entscheidung, Le-Quotidien-Journalist Julien Mollereau auszuschließen, mitgetragen. 

„Es ist auf keinen Fall so, dass ein Presseorgan nicht erwünscht ist. Hätte Le Quotidien einen anderen Journalisten geschickt, hätte dieser ohne Probleme ein Interview bekommen“, sagte Philipp bei RTL und glaubte, damit die Pressefreiheit garantiert zu haben. Dem ist jedoch nicht so. Pressefreiheit bedeutet nämlich, dass die betroffene Zeitung den Journalisten einsetzen kann, den sie für richtig hält.

Philipp verbog ein weiteres Mal das Wort Pressefreiheit, als er sich über die Dauer der Berichterstattung über den Fall Gerson Rodrigues beschwerte. „Wenn noch eine Woche daran gearbeitet wird, eine Meinung in eine Richtung zu beeinflussen, dann stellt man sich die Frage, ob das wirklich sein muss“, sagte Philipp. Pressefreiheit bedeutet eben auch, dass man so lange über ein Thema berichten kann, wie es einem als Journalist nötig erscheint.

Paul Philipp erwähnte mehrere Male im RTL-Interview, dass Le Quotidien in seiner Berichterstattung zum Fall Rodrigues behauptete, die FLF hätte nicht kommuniziert. „Diese Kritik kommt von einem Journalisten, der bei der Kaderpräsentation vor zwei Wochen nicht dabei war – hätte er sich informiert, dann hätte er keine Sachen geschrieben, die nicht wahr sind.“ Fakt ist, dass an besagtem Tag FLF-Jurist und Pressesprecher Marc Diederich ein kurzes Kommuniqué vorlas, das die Meinung des Vorstands erklärte. Fakt ist aber auch, dass danach keine Nachfragen mehr erlaubt waren. Die FLF hat in diesem Fall kommuniziert, aber nicht ausführlich.

Philipp, der wohl einer der greifbarsten Verbandspräsidenten im Weltfußball ist, bekräftigte im Interview noch einmal, dass er gerne mit den Medien zusammenarbeitet. „Bei der FLF gibt es kein Problem mit kritischer Berichterstattung. Wir wissen, wie wichtig die Presse ist, und sind offen für Kritik.“ Im gleichen Atemzug wies der 74-Jährige noch einmal darauf hin, dass Julien Mollereau auch künftig zu den normalen Pressekonferenzen der FLF erscheinen kann. „Welche Antworten er bekommen wird, kann ich aktuell nicht einschätzen.“

Ausgangspunkt der Diskussionen ist aber nicht nur der Fall Rodrigues. Bereits nach dem Clash zwischen Luc Holtz und Ex-Nationalspieler Maxime Chanot gab es erste Risse im Verhältnis zwischen dem Nationaltrainer und Julien Mollereau. Endgültig lief das Fass am Montag über. Holtz empfindet die Berichterstattung als Angriff auf seine Person. 

Philipp äußerte sich bei RTL auch noch einmal zum Fall Rodrigues. Der Stürmer wurde kürzlich wegen häuslicher Gewalt und Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Trotzdem darf Holtz den Profi von AVS Futebol mit dem Segen des FLF-Vorstands weiterhin nominieren. „Gerson hat einen katastrophalen Fehler gemacht, aber ich habe ein Problem damit, wenn ein Mensch öffentlich gelyncht wird. Für mich bedeutet eine Bewährung, dass ein Mensch wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden kann, wenn er sich exemplarisch verhält.“

Das sehen viele Akteure aus der Politik und der zivilen Gesellschaft anders. Die LSAP verteilte am Mittwoch eine „Rote Karte“ an die FLF und forderte Konsequenzen durch das Olympische Komitee (COSL) und das Sportministerium. In ihrer Pressemitteilung sagt die Partei, dass der nationale Fußballverband Gewalt an Frauen aktiv unterstütze, indem er es zulasse, dass der Verurteilte Gerson Rodrigues weiter berufen werden kann. Weiter sagt die LSAP, dass die FLF ihren öffentlichen Auftrag nicht mehr erfülle und die Pressefreiheit angreife.

Das Thema scheint noch lange nicht ausgestanden. Vor den Länderspielen gegen Slowenien (Freitag) und Irland (Dienstag) rückt das sportliche Geschehen wie selten zuvor in den Hintergrund. 

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