Seid Korac
Aufstieg und Klassenerhalt vor Augen
In Venedig will er den Aufstieg schaffen, mit Luxemburg muss er den Abstieg verhindern. Der Innenverteidiger reist trotz seiner Reservistenrolle im Verein mit viel Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft und verfolgt nebenbei eine ganz eigene Mission: Talente von Luxemburg zu überzeugen.
Immer voller Tatendrang: Seid Korac (r.) Foto: Editpress/Gerry Schmit
In Bella Italia scheint für Seid Koracs Verein die Sonne. Sechs Spieltage vor Schluss steht Venezia FC an der Tabellenspitze der Serie B und steuert dem Aufstieg entgegen.
Seid Korac hat seinen Stammplatz inzwischen verloren und kam in den vergangenen sieben Wochen nur zu einem Kurzeinsatz. Für die meisten Fußballer wäre das ein Grund zur Unzufriedenheit – für Korac jedoch nicht:
„Ich würde nicht sagen, dass es für mich schlecht läuft. Als ich in Venedig unterschrieben habe, war das Ziel, den Verein erfolgreich zu machen, und aktuell läuft alles nach Plan. Im Verein bekomme ich positives Feedback, sie wissen, dass ich es verdient habe, zu spielen. Aber ich mache dem Trainer überhaupt keine Vorwürfe.“
Korac, der seit Kindheitstagen Fan der Serie A ist, will sich seinen Traum erfüllen und nimmt dafür auch eine Rolle als Reservist in Kauf: „Ich will in dieser Liga spielen und dabei helfen, den Klassenerhalt zu sichern. Es zählen nicht nur die elf Spieler auf dem Platz, sondern die gesamte Mannschaft.“
Dennoch ist es gerade für Innenverteidiger schwierig, ohne Spielpraxis auszukommen. Korac weiß das, hat jedoch keine Zweifel daran, gegen Malta seine beste Leistung abrufen zu können: „Ich sehe jeden Tag im Training, dass ich noch mehr an mir arbeite und mich verbessert habe. Wenn ich im Training ein Duell hundertmal gewinne, dann tue ich das auch im Spiel. Ich habe keinerlei Selbstzweifel und komme mit viel Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft.“
Obwohl Korac erst im Oktober 2024 einen Stammplatz in der FLF-Auswahl eroberte, ist der 24-Jährige mittlerweile aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Zusammen mit seinem Abwehrkollegen Dirk Carlson bringt er regelmäßig die nötige Aggressivität ins Spiel: „Wir sind von der ersten Minute an bereit, Gas zu geben.“
Beide feiern jedes gewonnene Duell und treiben damit auch ihre Mitspieler an. Diese Emotionalität wurde Korac in der Vergangenheit allerdings auch schon einmal zum Verhängnis. „Ich bin ruhiger geworden“, sagt er heute und beschreibt seine Rolle im Team so: „Ich wurde als Leader geboren und nehme diese Rolle an.“
Neben seiner Führungsrolle hat sich der Innenverteidiger inzwischen auch zu einem Botschafter der Nationalmannschaft entwickelt. Am vergangenen Wochenende traf er mit Venezia im Spitzenspiel der Serie B auf Monza, wo Dany Mota spielt. Korac stammt aus Rodange, Mota aus Petingen – beide kennen sich: „Ich habe ihm gesagt, dass er zu uns kommen soll. Was er geantwortet hat, werde ich nicht verraten, aber ich habe alles dafür getan, damit er endlich für Luxemburg aufläuft.“
Korac selbst hätte sich – wie viele andere – auch für das Land seiner Vorfahren entscheiden können. Deshalb hat er einen klaren Rat für Spieler mit doppelter Staatsangehörigkeit: „Ob Leandro Barreiro, Christopher Martins oder ich – keiner hat es bereut, für Luxemburg zu spielen. Viele, die sich gegen Luxemburg entschieden haben, hätten im Nachhinein vielleicht anders entscheiden sollen, denn es ist nicht viel Gutes dabei herausgekommen.“
Die Duelle gegen Malta sieht Korac vor allem als wichtigen Teil eines Lernprozesses: „Es ist keine Situation, in der wir gerne sind. Wichtig ist jetzt, die richtigen Lehren daraus zu ziehen und Erfahrungen zu sammeln. In Auf- und Abstiegsduellen herrscht ein anderer Druck – vergleichbar mit dem Spiel gegen Georgien 2024.“
Hoffentlich mit einem besseren Ausgang als im Nations-League-Play-off-Spiel.