Formel 1

„Unvermeidlich“ und „phänomenal“: Verstappens „bester“ Titel

Max Verstappen gewinnt seinen dritten WM-Titel denkbar unspektakulär – im Vorprogramm von Katar und ohne Sieg. Die Leistungen des Weltmeisters sind dennoch ohne Vergleich.

Wird von seinem Team gefeiert: Max Verstappen

Wird von seinem Team gefeiert: Max Verstappen Foto: Ben Stansall/AFP

Max Verstappen kündigte grinsend „ein paar Sprudelwasser“ an, sein Vater Jos hielt trotzdem „genügend“ Aspirin bereit. Die Party nach Verstappens „bestem“ WM-Titel fiel dann aber doch nicht allzu groß aus, schließlich musste der alte und neue Weltmeister am Sonntag noch mal Auto fahren: 57 Ehrenrunden in Katar, die Krönung hatte es ja schon im Sprint am Samstagabend gegeben. Und Verstappen machte, was er meistens an Sonntagen tut: gewinnen.

„Ungewöhnlich“ sei das alles, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner, seit 40 Jahren gab es in der Formel 1 keinen Samstags-Weltmeister mehr: „Aber so ein WM-Sieg ist das magischste Gefühl, das muss man als Team feiern, da muss man im Jetzt leben.“

Verstappen verabschiedete sich am Samstag „superstolz und unfassbar glücklich“ in die Nacht, mit dem Versprechen, am Sonntag trotzdem „zur Arbeit“ zu kommen. Und er kam: Frühzeitig, gut gelaunt, und er wurde begrüßt von einem Spalier seiner Teammitglieder, die es laut Horner bei ein paar wenigen Drinks hatten bewenden lassen. Als die Motoren liefen, spulte Red Bull dann wieder seine beängstigende Routine ab: Die Boxenstopps liefen reibungslos, Verstappen siegte souverän von Startplatz eins vor dem McLaren-Duo Oscar Piastri und Lando Norris.

Verstappen gehöre nun auch ganz offiziell zu den Größten der Geschichte, schrieb De Volkskrant in seiner niederländischen Heimat, er habe „den Begriff einer dominanten Saison neu definiert“, kommentierte der englische Guardian: „Wann immer er auf die Strecke rollte, war da dieses Gefühl der Unvermeidlichkeit.“

„Das Jahrzehnt von Max“

Mit drei WM-Titeln steht Max Emilian Verstappen nun auf einer Stufe mit Formel-1-Giganten wie Ayrton Senna, Niki Lauda, Jackie Stewart oder Nelson Piquet, dem Vater seiner Lebensgefährtin Kelly. Und selbst all diese Größen haben eine Dominanz, wie sie Verstappen in diesem Jahr zeigt, nicht gekannt. Zehn Siege reihte er in der laufenden Saison aneinander, das hatte es nie zuvor gegeben.

Der Ruf eines Jahrhundert-Talents eilte Verstappen bereits als Teenager voraus, es sei sichtbar gewesen, „in dem Moment, in dem er ins Kart gestiegen ist“, sagte Teamchef Horner: „Zu sehen, was er nun erreicht, ist phänomenal.“

Auch Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko sieht „eine einmalige Geschichte“, die ja längst nicht zuende ist. Verstappen ist 26, sein Vertrag läuft bis 2028, da geraten sogar die sieben Titel der Rekord-Weltmeister Schumacher und Hamilton in Reichweite. „Da kommt noch einiges“, kündigte Marko an, und Hamilton selbst vermutet: „Das hier wird das Jahrzehnt von Max.“

So groß, so historisch die Leistungen in dieser Saison sind, so unspektakulär geriet die Entscheidung im Titelrennen – im Vorprogramm quasi und ohne eigenen Sieg. McLaren-Talent Oscar Piastri gewann den Sprint, Verstappen genügte ein zweiter Platz. Und genau genommen war der Titel schon auf halbem Wege perfekt, als sein Red-Bull-Teamkollege Sergio Perez in den Kies rutschte. Auch der letzte verbliebene „Verfolger“ hatte damit rechnerisch keine Chance mehr.

Fünf Rennwochenenden stehen nach Katar noch an, Verstappen muss noch ein paar Wochen auf seinen nächsten WM-Pokal warten – auch damit kann er allerdings leben. „Ich habe zwei davon zu Hause“, sagte er, „die sehen alle gleich aus.“ (SID)

Im Überblick

Großer Preis von Katar: 1. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull 1:27:39,168 Stunden, 2. Oscar Piastri (Australien) McLaren 4,833 Sekunden zurück, 3. Lando Norris (Großbritannien) McLaren 5,969, 4. George Russell (Großbritannien) Mercedes 34,119, 5. Charles Leclerc (Monaco) Ferrari 38,976, 6. Fernando Alonso (Spanien) Aston Martin 49,032, 7. Esteban Ocon (Frankreich) Alpine-Renault 1:02,390, 8. Valtteri Bottas (Finnland) Alfa Romeo 1:06,563 Minuten zurück, 9. Zhou Guanyu (China) Alfa Romeo 1:16,127, 10. Sergio Perez (Mexiko) Red Bull 1:20,181, 11. Lance Stroll (Kanada) Aston Martin 1:21,652, 12. Pierre Gasly (Frankreich) Alpine 1:22,300, 13. Alexander Albon (Thailand) Williams 1:31,014, eine Runde zurück: 14. Kevin Magnussen (Dänemark) Haas, 15. Yuki Tsunoda (Japan) AlphaTauri, 16. Nico Hülkenberg (Deutschland) Haas, 17. Liam Lawson (Neuseeland) AlphaTauri – ausgeschieden: Logan Sargeant (USA) Williams (40. Runde/Aufgabe), Lewis Hamilton (Großbritannien) Mercedes (1. Runde/Kollision) – nicht gestartet: Carlos Sainz (Spanien) Ferrari

WM-Fahrerwertung: 1. Verstappen 433, 2. Perez 224, 3. Hamilton 194, 4. Alonso 183, 5. Sainz jr. 153, 6. Leclerc 145, 7. Norris 136, 8. Russell 132, 9. Piastri 83, 10. Stroll 47, 11. Gasly 46, 12. Ocon 44, 13. Albon 23, 14. Bottas 10, 15. Hülkenberg 9, 16. Zhou 6, 17. Magnussen 3, 18. Tsunoda 3, 19. Lawson 2

WM-Teamwertung:
1. Red Bull 657, 2. Mercedes 326, 3. Ferrari 298, 4. Aston Martin 230, 5. McLaren 219, 6. Alpine 90, 7. Williams 23, 8. Alfa Romeo 16, 9. Haas 12, 10. AlphaTauri 5 

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