Olympia 2024
Unter neutraler Flagge: Russen und Belarussen bekommen bei Paralympics Startrecht
Russische und belarussische Sportler dürfen bei den Paralympics in Paris unter neutraler Flagge starten. Die Mehrheit der nationalen Verbände entschied sich gegen einen Komplettausschluss.
Russische und Belarussische Sportler dürfen bei den Paralympics in Paris antreten Foto: Maxim Zmeyev/Reuters
Keine eigene Fahne oder Hymne, nur Einzelsportler statt Mannschaften – aber dennoch unzählige Medaillen als Symbol der Stärke für das Regime Putin: Die russischen und belarussischen Sportler dürfen bei den Paralympics 2024 in Paris starten. Auf der Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) in Bahrain votierten die Mitgliedsverbände mit 74:65 Stimmen gegen einen Antrag auf vollständige Suspendierung des russischen NPK – und öffneten die Tür zur Rückkehr auf die größtmögliche Sportbühne.
Zuvor hatte der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Friedhelm Julius Beucher, eine flammende Rede gehalten – doch letztlich war die Haltung nicht mehrheitsfähig: „Bei uns ruft die Entscheidung Gefühle hervor, die weit über Enttäuschung hinausgehen“, sagte der DBS-Präsident schockiert: „Wer Frieden ernst nimmt und an den Sport als Friedensbewegung glaubt, der kann nicht kriegstreibenden Nationen erlauben, an Weltspielen teilzunehmen.“
Allerdings dürfen die Russen und Belarussen nicht als Vertreter ihres Landes starten, eine Teilnahme ist nur unter neutraler Flagge möglich. Dies sei „Augenwischerei“, so Beucher. Den NPKs wurden für zwei weitere Jahre die Mitgliedsrechte entzogen. Dies ergab eine zweite Abstimmung in der Russland-Frage, bei der sich 90 Nationen für dieses Modell aussprachen. Dem gegenüber standen 56 Stimmen für einen Start unter der Landesfahne sowie sechs Enthaltungen. Die Ergebnisse bezüglich Belarus waren ähnlich. Es dürfen allerdings nur Individualsportler starten, Mannschaften sind ausgeschlossen.
Fingerzeig für das IOC
Der Beschluss taugt sicher als Fingerzeig für das Internationale Olympische Komitee (IOC), das in der Frage auf Zeit spielt. IOC-Boss Thomas Bach dürfte das Stimmungsbild zugunsten Russlands sehr genau zur Kenntnis genommen haben. Denn mit seiner Organisation hatte er den internationalen Fachverbänden im Winter die Wiederzulassung von russischen Einzelsportlern offiziell empfohlen. Seitdem erwarten viele Experten, dass Russland dadurch trotz seines Angriffskrieges in der Ukraine der Weg nach Paris geebnet werden soll.
Die Entscheidung für die Paralympics dürfte diesbezüglich gehörig Rückenwind geben. Denn die Para-Verbände hatten sich zuvor deutlich klarer gegen die Kriegstreiber gestellt. Das IPC hatte bis zuletzt darauf verzichtet, Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus zu Wettkämpfen zuzulassen, auch unter neutraler Flagge. Das war das Ergebnis der Vollversammlung in Berlin im vergangenen November. In Manama entschieden sich die NPKs nun anders.
Russland wird den Rückenwind nutzen und nun sicher noch intensiver für eine Olympia-Teilnahme werben. „Zu gegebener Zeit“, so Bach, solle dann auch diesbezüglich eine Entscheidung fallen.