Olympia

Ten Raa vor ihren zweiten Olympischen Spielen: „Vollgas attackieren“

Am Sonntag beginnen für Gwyneth ten Raa die Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d‘Ampezzo. Um 10.00 Uhr startet der Riesenslalom, am Mittwoch folgt dann der Slalom. Für die beiden Rennen gibt die 20-Jährige eine klare Marschrichtung vor.

Gwyneth ten Raa, 16, bei den Olympischen Winterspielen Peking 2022 im Eisschnelllauf in Aktion

Mit 16 Jahren fuhr Gwyneth ten Raa bereits bei den Olympischen Winterspielen von Peking Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Spätestens seit der Eröffnungsfeier am 6. Februar dominieren die Olympischen Spiele die Schlagzeilen: Medaillenentscheidungen, politische Diskussionen, schwere Stürze und große Emotionen bestimmen das sportliche Tagesgeschehen. Auch wenn Gwyneth ten Raa erst am Mittwoch in Cortina d’Ampezzo angekommen ist, hat sie den olympischen Trubel verfolgt – natürlich.

„Ich habe mir vor allem die Alpin-Wettbewerbe angesehen“, sagt Ten Raa. „Wenn man das sieht, dann denkt man sich selbst: Okay, ich bin selbst in ein paar Tagen dran, ich muss mich gut vorbereiten.“ Allzu viele Gedanken hat sie an ihren ersten Auftritt im Riesenslalom am Sonntag bislang dennoch nicht verschwenden können. Am vergangenen Wochenende war sie noch beim Europacup in Oberjoch im Einsatz. Dort belegte sie im Riesenslalom am Samstag Rang 39 (81,36 FIS-Punkte) und am Sonntag Platz 33 (73,32 FIS-Punkte).

Historische Europacup-Punkte

„Ich habe mich bis letztes Wochenende voll auf den Europacup konzentriert“, sagte die COSL-Elitesportlerin am Montag. „Ich merke aber jetzt, dass ich mir mehr Gedanken über Olympia mache. Es fängt jetzt richtig an.“ Am Mittwoch reiste die Delegation nach Cortina d’Ampezzo, Ten Raa bezog ihr Zimmer im Olympischen Dorf. Mit der Ankunft wächst auch die Anspannung. „Mir sagen Trainer und andere Sportler oft, dass man mir meine Aufregung nicht ansieht. Aber ich mache mir schon viele Gedanken. Ich glaube, dass man das von außen nicht so sieht.“

Insgesamt sei die Vorbereitung auf das Highlight der Saison jedoch „ziemlich gut verlaufen. Physisch und mental bin ich gut drauf. Nach Neujahr bin ich in ein kleines Loch gefallen und konnte bei den Rennen nicht mehr viel zeigen. Aber in einer Saison gibt es immer ein Auf und ein Ab. Vielleicht lag es auch daran, dass Olympia immer näher kam. Man erwartet viel und macht sich selber Druck.“

Dabei hat Ten Raa in dieser Saison bereits Historisches erreicht. Als erste luxemburgische Skirennläuferin sammelte sie Punkte im Europacup, der zweithöchsten Rennserie im alpinen Skisport. Im schweizerischen Zinal belegte sie im Riesenslalom Platz 28 und sicherte sich damit drei Europacup-Punkte. Später gewann sie ein FIS-Rennen in Davos sowie das Juniorinnen-Rennen der italienischen Landesmeisterschaften in Sestrière.

Platzierung schwer einzuschätzen

„Körperlich fühle ich mich wirklich gut. Ich war nach dem Training auf der Piste noch oft im Kraftraum. Das geht zwar nicht in allen Hotels oder bei allen Reisen, aber wenn ich weiß, dass es ein Studio gibt, dann arbeite ich auch an der Kraft.“

Vor Saisonbeginn hatte die 20-Jährige noch mit Starts im Weltcup geliebäugelt. Dazu kam es jedoch nicht. „Gwyneth fährt sehr gut“, sagt ihr Vater Roger, der sie begleitet. „Vor allem im Riesenslalom. Aber sie hatte in ihren Rennen ab und zu noch kleine Fehler drin, da verlierst du auch im Europacup viel Zeit. Wir haben uns dann auf den Europacup fokussiert, weil es da gut lief. Es hat besser in unseren Plan gepasst und wir konnten die Zeit zwischen den Europacup-Rennen nutzen, um zu trainieren. Wenn wir in die ersten 20 des Europacups gefahren wären, wären wir auch noch einen Weltcup gefahren.“

Im Überblick

Die Einsätze der Luxemburger bei den Olympischen Winterspielen 2026:
Samstag, 14. Februar:
10.00 Uhr: Ski alpin, Riesenslalom Herren (1. Durchgang) mit Matthieu Osch in Bormio
13.30 Uhr: Ski alpin, Riesenslalom Herren (2. Durchgang)
Sonntag, 15. Februar:
10.00 Uhr: Ski alpin, Riesenslalom Damen (1. Durchgang) mit Gwyneth ten Raa in Cortina d‘Ampezzo
13.30 Uhr: Ski alpin, Riesenslalom Damen (2. Durchgang)
Montag, 16. Februar:
10.00 Uhr: Ski alpin, Slalom Herren (1. Durchgang) mit Matthieu Osch in Bormio
13.30 Uhr: Ski alpin, Slalom Herren (2. Durchgang)
Mittwoch, 18. Februar:
10.00 Uhr: Ski alpin, Slalom Damen (1. Durchgang) mit Gwyneth ten Raa in Cortina d‘Ampezzo
13.30 Uhr: Ski alpin, Slalom Damen (2. Durchgang)

Am Sonntag steht für Ten Raa der Riesenslalom auf dem Programm, am Mittwoch folgt der Slalom. Mit ihren Olympischen Spielen 2022 in Peking hat sie die ganz große Bühne bereits kennengelernt. Vor vier Jahren schied sie allerdings sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom im ersten Durchgang aus. Ein konkretes Ziel formuliert die 20-Jährige dennoch nur vorsichtig. „Es ist schwierig zu sagen, weil es auch auf meine Startnummer ankommt. Ob ich es in die Top 30 schaffen kann oder nicht, ist schwer einzuschätzen. Mal schauen, was die Startliste ergibt.“

Keine Sicherheitsfahrt

Anders als im Weltcup, wo nur die besten 30 des ersten Laufs im zweiten Durchgang starten dürfen, sind bei Olympia alle Fahrerinnen startberechtigt, die im ersten Lauf das Ziel erreichen. Auf Sicherheit zu fahren, kommt für Ten Raa dennoch nicht infrage. „Ich werde Vollgas attackieren“, sagt sie. „Ich will alles geben und nicht auf Sicherheit fahren. Ich finde, man sollte bei solchen Rennen etwas riskieren, um das Beste herauszuholen.“

Gwyneth ten Raa trainierte bereits am Freitag in Cortina d‘Ampezzo

Gwyneth ten Raa trainierte bereits am Freitag in Cortina d‘Ampezzo Foto: Privat

Vor den Trainingseinheiten in Italien hatte Ten Raa noch in Oberjoch auf einer anspruchsvollen, eisigen Piste gemeinsam mit der deutschen Mannschaft trainiert.

„Auf Eis musst du Vollgas geben“, weiß ihr Vater. „Aber insgesamt ist sie wirklich gut vorbereitet. Wir haben noch mal das Material richtig scharf gemacht und sehen dann, was dabei herauskommt.“

Am Donnerstag legte Ten Raa einen Ruhetag ein, ehe am Freitag und Samstag noch einmal lockere Trainingseinheiten auf dem Programm stehen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

„Der zweite Lauf war eine Steigerung“

Luxemburger Matthieu Osch wird im Olympia-Riesenslalom 46.