Tour de France

Starke Konkurrenz für Pogacar: Alter Rivale, junger Franzose und eine Doppelspitze

Wenn Tadej Pogacar am Start ist, kann es eigentlich nur einen Favoriten geben. Auch bei der am Samstag in Barcelona beginnenden Tour de France steht der slowenische Weltmeister im Mittelpunkt. Auf seinem Weg zum historischen fünften Tour-Titel trifft Pogacar allerdings auf starke Rivalen. Wir stellen die aussichtsreichen Mitbewerber im Kampf um das Gelbe Trikot – oder zumindest um das Podest – vor.

Jonas Vingegaard beim Radrennen als größter Konkurrent von Tadej Pogačar im professionellen Radsport

Geht es um den größten Konkurrenten Tadej Pogacars, fällt vor allem der Name Jonas Vingegaard Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat

Tadej Pogacar (27/Slowenien/UAE Team Emirates-XRG), 7. Tour-Start – beste Platzierung: 1. (2020, 2021, 2024, 2025): Der zweifelsohne beste Radprofi der Gegenwart und vielleicht beste Fahrer der Geschichte kann mit seinem fünften Gesamtsieg zu den Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufschließen – nur Merckx holte Titel Nummer fünf (kurz) vor seinem 30. Geburtstag. Pogacar fuhr erneut ein Traumfrühjahr, dominierte zuletzt auch die Tour de Suisse. Und nachdem er sich bei der Tour 2025 geradezu langweilte, freut er sich nun auf stärkere Konkurrenz. Die wird „Pogi“ wohl erhalten – und dennoch im Normalfall triumphieren.

Jonas Vingegaard (29/Dänemark/Visma-Lease a Bike), 6. Tour-Start – beste Platzierung: 1. (2022, 2023): Im Jahr 2026 war bislang der stärkste Vingegaard der Geschichte zu sehen, bei seinen drei Rundfahrten – Paris-Nice, Katalonien, Giro d’Italia – siegte er überlegen. Wenn er den harten Giro gut weggesteckt hat, ist er wohl der Einzige, der Pogacar am Berg auf Augenhöhe begegnen kann. Und dann beweisen kann, dass er die Tour auch gegen einen Pogacar in Topform gewinnen kann – denn bei Vingegaards beiden Siegen war es der Slowene nicht.

Florian Lipowitz (25/Deutschland/Red Bull-Bora-hansgrohe), 2. Tour-Start – beste Platzierung: 3. (2025): Er habe nichts gegen nächste Schritte, sagte Lipowitz’ Teamchef Ralph Denk kurz vor Tourstart. Würde bedeuten: Nach dem sensationellen Platz drei im Vorjahr greift „Lipo“ jetzt Platz zwei an. Doch weit schwieriger als der Sprung auf das Podest, so lehrt die Tour-Geschichte, ist der Sprung auf eine höhere Podeststufe – zumal der Deutsche stärker als im Vorjahr unter Beobachtung steht. Das Vermögen, Rang drei zu wiederholen, hat Lipowitz aber sicherlich, wie seine Vorleistungen zeigten. Der „neue“ Lipowitz ist auch deutlich lockerer geworden. Pogacar und Vingegaard könnten aber (noch) eine Nummer zu groß sein.

Remco Evenepoel (26/Belgien/Red Bull-Bora-hansgrohe), 3. Tour-Start – beste Platzierung: 3. (2024): Kann Remco ein Tour-Gewinner sein? Mit Perspektive: ja, glaubt der Olympiasieger selbst. Es wird sehr schwierig, sagen die meisten anderen. Der sündhaft teuren Neuerwerbung des Red-Bull-Teams fehlt die Bergklasse auf allerhöchstem Niveau. Und wahrscheinlich reicht es damit nun noch nicht einmal zur teaminternen Nummer eins. Zeigt sich der schwierige Star aber als Teamplayer, kann er dennoch eine ganz zentrale Rolle spielen.

Paul Seixas (19/Frankreich/Decathlon-CMA CGM), 1. Tour-Start: „41 years of hurt, Jacques Goddet still gleaming“, so könnten die französischen Radsport-Fans singen. Seit Bernard Hinault hat kein Fahrer aus dem Erfinderland der Tour das wichtigste Rennen der Welt gewonnen, was einer nationalen Katastrophe gleichkommt. Seit 1985 sind sie alle gescheitert, mehr oder weniger tragisch: Fignon, Virenque, Pinot, Bardet und all die anderen. Nun ist der Erlöser in Sicht, kommt in Form von Seixas daher, dem größten Talent, das die „Grande Nation“ seit Jahrzehnten besaß. Der Teenager bringt alles mit, was es für einen Toursieg braucht. Dieses Jahr ist die Chance noch nicht so groß, wie sie es einmal sein wird. Der Druck allerdings ebenfalls noch nicht.

Isaac del Toro (22/Mexiko/UAE Team Emirates-XRG), 1. Tour-Start: Als Helfer in die Tour gegangen und die Tour gewonnen - das gab es durchaus schon: 1997 war Jan Ullrich stärker als Kapitän Bjarne Riis, Egan Bernal 2019 stärker als Geraint Thomas. Dass der höchstbegabte del Toro nun auf regulärem Weg besser sein kann als Tadej Pogacar, ist zwar einigermaßen illusorisch. Sollte dem Maestro aber irgendetwas zustoßen, hätte UAE eine perfekte Alternative.

Juan Ayuso (23/Spanien/Lidl-Trek), 2. Tour-Start – beste Platzierung: aufgegeben (2024): Die Rolle des Kronprinzen hinter König Pogacar reichte Ayuso nicht mehr, beim deutschen Lidl-Team darf er nun den Kapitän geben. Den Beweis, ein absoluter Spitzenrundfahrer sein zu können, ist Ayuso nach nur einer beendeten Grand Tour in knapp drei Jahren (68. bei der Vuelta 2025) aber noch schuldig.

Kevin Vauquelin (25/Frankreich/Netcompany Ineos), 3. Tour-Start – beste Platzierung: 7. (2025): Die „Onley-Fans“ mussten tapfer sein: Ihr Oscar verpasst nach seinem schweren Sturz bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes die Frankreich-Rundfahrt. Doch auch mit dem Vorjahresvierten, der Florian Lipowitz damals ein hartes Duell ums Podest lieferte, wäre es für sein britisches Team schwer gewesen, an alte Erfolge anzuknüpfen. Das einstige Sky-Team, das von 2012 bis 2019 in acht Jahren siebenmal den Toursieger stellte, schickt nun Vauquelin ins Gesamtklassement-Getümmel. Für das Podest fehlen dem Kämpfer aber die Qualitäten im Hochgebirge.

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