DKV Urban Trail

Shefi Xhaferaj und der Spaß an den harten Rennen

Ein Trail ohne Shefi Xhaferaj ist in Luxemburg kaum vorstellbar. Seit Jahren gehört die 43-Jährige zu den prägenden Figuren der Szene, vor allem auf den extremen Distanzen, und hat dabei immer ein Lächeln im Gesicht.

Shefi Xhaferaj beim Urban Trail Siegerlauf über 34 Kilometer im letzten Jahr, Ausdauerlauf in der Stadt

Im letzten Jahr siegte Shefi Xhaferaj beim Urban Trail über die längste Distanz von 34 Kilometern Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Ein Trail ohne Shefi Xhaferaj – in Luxemburg fast schon undenkbar. Seit Jahren ist die 43-Jährige Stammgast bei den extremen Rennen und freut sich auch schon auf ihre nächste Herausforderung, den DKV Urban Trail am Sonntag im Herzen der Hauptstadt. Dass sie dort die herausforderndste Distanz von 34 Kilometern in Angriff nehmen wird, ist keine Überraschung. Denn Xhaferaj bevorzugt die wirklich harten Strecken. So jubelte sie nicht nur im letzten Jahr im Ziel in der „Cité judiciaire“, sondern gewann auch bereits in den Jahren 2022 und 2023 die „GranDucale“.

„Die Atmosphäre ist grandios, und es ist immer schönes Wetter“, meint sie mit einem Lachen, als sie auf den Urban Trail angesprochen wird. „Ich genieße das Rennen wirklich, vor allem die Landschaft – man sieht wirklich schöne Ecken.“ Kein Wunder also, dass der Hauptstadt-Trail inzwischen eine große Popularität genießt, was laut Xhaferaj dann aber manchmal zu komplizierteren Situationen führt. „Es staut sich zu Zeiten schon in den Treppen, und dann gibt es Leute, die einem nicht glauben, dass man gerade die erste Frau des Rennens ist und gerne vorbeigelassen werden möchte – und es dann auch nicht tun.“

Doch die 43-Jährige ist sich bewusst, dass auch die Veranstalter da nicht allzu viel tun können. „Es sind diese engen Treppen, die das Rennen ja auch ausmachen und ihm diesen Charme verleihen.“

115 Kilometer, 4.500 Höhenmeter

Ultra-Strecken-Läuferin feiert im Ziel mit Belohnung nach anspruchsvollem Ultra-Marathon

Im Ziel gönnt sich die Ultrastrecken-Spezialistin auch schon mal gerne eine Belohnung Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

In diesem Jahr freut sich die Läuferin noch mehr auf den inzwischen schon traditionellen April-Termin, denn Xhaferaj hat eine längere Verletzungspause hinter sich. Nach dem Uewersauer-Trail im November, bei dem auch die nationalen Meisterschaften über die lange Traildistanz stattfanden, konnte sie aufgrund eines Muskelrisses zunächst nur zuschauen. „Es waren 25 Zentimeter, ich musste einen Monat lang einen Gips tragen und habe wirklich gelitten“, meint sie rückblickend. Und wer Xhaferaj kennt, weiß, dass es ihr keineswegs leichtfällt, still zu sitzen und sich nur noch per Krücken fortzubewegen. „Seit zwei Monaten kann ich wieder trainieren, und es geht mir wirklich schon viel besser.“

Am letzten Wochenende belegte sie bei der Premiere des Uelzechtdall-Trail in Lorentzweiler dann auch schon wieder den zweiten Platz und hat auch nach dem Urban Trail bereits einige Rennen auf dem Programm, bei denen sie auch schon mal ihre absolute Komfortzone verlassen wird – so wie etwa beim Hauptstadtmarathon am 16. Mai, bei dem sie in der Vergangenheit bereits als beste Luxemburgerin ins Ziel lief. „Ich habe noch nie spezifisch auf einen Marathon hin trainiert, doch in den nächsten Wochen werde ich versuchen, etwas an der Schnelligkeit zu arbeiten.“

Eine Woche danach geht es dann aber schon wieder zurück auf gewohntes und geliebtes Terrain, denn dann möchte Xhaferaj beim „Ultra Trail Tour de Nancy“ das 115-Kilometer-Rennen in Angriff nehmen, bei dem 4.500 Höhenmeter zu bewältigen sind.

Ohne Druck

Vor neun Jahren hat sie mit dem intensiven Laufsport begonnen, seit knapp fünf Jahren nimmt sie die extremen Distanzen in Angriff und erholt sich nach solchen Rennen auch mit ihren 43 Jahren noch immer schnell, wie sie betont. „Ich weiß nicht, ob es die Gene sind. Ich esse auch eigentlich alles und verstecke auch nicht, dass ich gerne mal im Ziel ein Bier trinke. Das ist ein echter Genuss“, meint sie lachend.

Ihre Komfortzone sind und bleiben jedenfalls die Ultra-Rennen. „Es ist das Mentale, das mich hier einfach reizt“, betont die CAPA-Athletin. Über sich selbst hinauszuwachsen, die eigenen Grenzen zu testen – das liegt ihr am besten. Mehr als zwölf Stunden unterwegs, die meiste Zeit allein – was geht einem dort überhaupt durch den Kopf? – „Der erste Gedanke ist mein Bier im Ziel“, meint sie lachend. „Sonst denkt man an alles: Kinder, Schule, Examen, Einladungen, ob man schon geantwortet hat.“ Auch lange Telefonate mit ihrer Schwester oder Tochter hat die gebürtige Albanerin, die sich als echter Familienmensch bezeichnet, während Rennen schon geführt, wie sie schmunzelnd erzählt.

Anders als bei den Ultra-Rennen, bei denen man ausreichend Wasser, Proviant, Salztabletten oder auch Ersatzakkus für die Taschenlampe dabei haben muss, ist der Urban Trail für sie dann eher ein Kinderspiel. „Zwei Flaschen Wasser und ein Gel, das war’s.“ Unter drei Stunden hat Shefi Xhaferaj den 34-Kilometer-Parcours bereits geschafft und ist gespannt, ob ihr das auch am Sonntag wieder gelingen wird.

Die Freude am Laufen ist bei der Ultra-Spezialistin auch nach all den Jahren nicht verloren gegangen. Dass sie die Rennen genießt, glaubt man ihr sofort, und so ist Gewinnen für die Läuferin, die derzeit mitten in der Ausbildung zur „Aide-soignante“ steckt, nicht mehr das Wichtigste. „Wenn du um 5 Uhr aufstehst, um 15 Uhr zurück bist und dann trainierst, läuft es manchmal einfach nicht so, wie man hofft. Doch das gehört auch dazu.“

Ihre gute Laune lässt sich Shefi Xhaferaj, die immer mit einem breiten Lächeln auf den Strecken zu sehen ist, jedenfalls so leicht nicht verderben. „Den Druck, den ich mir früher gemacht habe, mache ich mir nicht mehr. Ich laufe, wie ich mich fühle: Wenn ich schnell laufen kann, dann mache ich es, wenn nicht, dann eben etwas langsamer. Und es macht mir auch Spaß, einfach einmal mit Freundinnen zu laufen.“

Den Druck, den ich mir früher gemacht habe, mache ich mir nicht mehr. Ich laufe, wie ich mich fühle

Shefi Xhaferaj

Im Überblick

15. DKV Urban Trail

Am Samstag:

10.00-12.00: Nordic Walking (7, 14, 18 oder 27 Kilometer)

Am Sonntag:

9.45: MiniTrail 900 m (6-8 Jahre)

10.00: MiniTrail 1.800 m (9-12 Jahre)

10.30: La GranDucale (34 km)

11.00: Le Trail des Forts (27 km)

11.40-11.50 Dans les pas de Mélusine (18 km, Start in zwei Gruppen)

12.00-12.20: Les Traces de Vauban (14 km, Start in drei Gruppen)

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