Fußball-WM

Samba-Party in Texas: Brasilien ringt Japan nieder

Brasilien träumt nach einem ersten K.-o.-Kraftakt weiter vom sechsten WM-Stern.

Kaishu Sano klärt den Ball vor Lucas Paquetá im Fußballspiel Japan gegen Brasilien

Der Japaner Kaishu Sano (2.v.r.) klärt den Ball vor dem Brasilianer Lucas Paquetá Foto: Karen Warren/FR172172 AP/AP/dpa

Vinicius Junior heizte als wilder Animateur die gelbgrüne Last-Minute-Party an, Neymar riss sich im Jubelsturm sein pinkes Leibchen herunter. Das WM-Stadion von Houston wurde zum gigantischen Sambodrom, als Brasilien seinen WM-Traum mit einem Kraftakt am Leben erhalten hatte. Nur Carlo Ancelotti – der putzte seine Brille, als wäre nichts geschehen.

Es war ein knüppelhartes Stück Arbeit für die Seleção und ihren Star-Trainer – aber letztlich zog der Rekordweltmeister mit einem 2:1 (0:1) gegen lange unbeugsame Japaner verdient ins Achtelfinale ein. Ein ganz spätes Joker-Tor von Gabriel Martinelli (90.+5.) führte Brasilien zum Sieg des Willens und in ein Duell mit Norwegen oder der Elfenbeinküste.

Erstes Länderspieltor für Sano

„Wir haben nach dem Gegentor nicht die Geduld verloren, einfach weitergespielt“, sagte Ancelotti. „In der zweiten Halbzeit haben wir mehr fürs Spiel gemacht, das hat sich am Ende ausgezahlt.“ Neymar? Den hätte er „in der Verlängerung eingewechselt“, aber zu dieser kam es nicht.

Japans Torwart Zion Suzuki und der brasilianische Innenverteidiger Gabriel Magalhaes

Japans Torwart Zion Suzuki und der brasilianische Innenverteidiger Gabriel Magalhaes Foto: Alex Slitz/Getty Images via AFP

Ein Bundesliga-Profi brachte den Favoriten aber vor 68.777 Zuschauern ganz schön ins Zittern. Der Mainzer Kaishu Sano erzielte für Japan nach einem Sololauf sein erstes Länderspieltor (29.), bei der Seleção ging die Angst um. Erst Casemiro (56.) beruhigte mit seinem Kopfballtor die Nerven – und der in der 66. Minute eingewechselte Martinelli erledigte den Rest.

Ancelotti hatte zum ersten Mal auf dieselbe Elf wie im Spiel zuvor gesetzt, Neymar nahm nach seinem emotionalen Joker-Comeback gegen Schottland (3:0) wieder auf der Bank Platz. „Auf geht’s, Brasilien, alle gemeinsam!“, schrieb der große Ronaldinho, der gemeinsam mit den 2002er-Weltmeistern Ronaldo und Cafú auf der Tribüne mitfieberte.

Keine Überraschung

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden ungeschlagenen Teams in der Gruppenphase hatte Japan im Oktober 2025 in einem Testspiel nach 0:2-Rückstand 3:2 gewonnen. Und auch wenn die brasilianische Mannschaft damals eine ganz andere war, könne der viermalige Asienmeister längst „jede Weltklassemannschaft schlagen“, sagte Mats Hummels bei MagentaTV. Er tippte auf den Überraschungssieg.

Damit schien er nicht so schlecht zu liegen. Beim stimmungsvollen „Heimspiel“ begann Brasilien zwar dominant, hatte durch Bruno Guimarães (2.) und den ehemaligen Bundesligaprofi Matheus Cunha (14.) die ersten Gelegenheiten. Sano hatte zudem Glück, als er Cunha im Sechzehner von den Beinen holte und der italienische Schiedsrichter Maurizio Mariani nicht auf Elfmeter und Gelb-Rot entschied (23.).

Casemiro erzielte den Ausgleichstreffer

Casemiro erzielte den Ausgleichstreffer Foto: Lars Baron/Getty Images via AFP

Sechs Minuten später fing der Mainzer jedoch einen schlimmen Fehlpass von Danilo an der Mittellinie ab, enteilte Casemiro und schob aus 20 Metern aus vollem Lauf eiskalt ein. Brasilien war schockiert – und nahm erst nach dem Seitenwechsel Fahrt auf. Guimarães (52.) und Casemiro (54.) scheiterten zunächst noch am glänzend aufgelegten japanischen Keeper Zion Suzuki, ehe Casemiro mit seinem wuchtigen Kopfball den Bann brach. Wieder nur zwei Minuten später hatte Vinicius die Führung nach tollem Solo auf dem Fuß, Suzuki und der Pfosten standen jedoch im Weg.

Japan wurde in den Schwitzkasten genommen und hatte nur noch wenige Offensivaktionen. Brasilien drückte und nach japanischen Ballgewinnen waren die Wege weit.

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