WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Redakteur Stefan Kunzmann wirft einen Blick in die Mottenkiste der Fußballgeschichte

Die Zeiten, in denen fußballerische Außenseiter belächelt wurden, sind endgültig vorbei. Das hat die kapverdische Mannschaft gegen Spanien gezeigt. Ein Blick in die Mottenkiste der Fußballgeschichte.

Redakteur Stefan Kunzmann wirft einen Blick in die Mottenkiste der Fußballgeschichte

Die aufgeblähte WM hat dazu geführt, dass ein alter Begriff aus der Mottenkiste des Fußballs seine Urständ feiert: der des Fußballzwergs. Als solche werden Länder bezeichnet, die bisher in der Fußballwelt keine Rolle gespielt haben und durch die Vergrößerung des Teilnehmerfeldes im Konzert der „Großen“ mitspielen dürfen. Um kleine Länder hingegen kann es sich nicht handeln, sonst würde ein traditionsreiches Fußballland wie Uruguay, das immerhin zweimal Weltmeister, zweimal Olympiasieger und 15-mal Südamerikameister wurde, auch dazu zählen. Also hat es eher etwas mit Erfolglosigkeit zu tun. Immerhin spielte „Fußballzwerg“ Curaçao schon vor etwa 70 Jahren für die Qualifikation um die Fußball-WM. Sogar bereits in den 20er-Jahren war Curaçao schon mit von der Partie. Derweil fand das erste Spiel des kapverdischen Nationalteams 1979 statt, also knapp vier Jahre nach der Unabhängigkeit des Inselstaates. Zum ersten Aufeinandertreffen mit einer Mannschaft außerhalb Afrikas kam es 2002 – gegen Luxemburg.

Am Tag nach der 1:7-Niederlage von Curaçao gegen den „Riesen“ Deutschland zeigten die kapverdischen „Blauen Haie“ mit ihrem 0:0 gegen Spanien, wie einem Großen beizukommen ist: neben einem guten Torhüter mit einer stabilen Abwehr. Das weckt Erinnerungen an den guten, alten Catenaccio: Was ab den 50er-Jahren vor allem in Italien populär wurde, mit einem Libero, zwei Vorstoppern, einem Außenverteidiger und einem defensiven Mittelfeldspieler zu spielen, stammte eigentlich von dem Österreicher Karl Rappan. Dieser hatte es bei seinen Trainerstationen in der Schweiz als „Schweizer Riegel“ bekannt gemacht. Verfeinert hat es der Argentinier Helenio Herrera in den 60ern bei Inter Mailand. Ihm ging es weniger darum, dass seine Elf mehr Tore schoss als der Gegner, als dass sie weniger Tore kassierte. Die Idee von einem attraktiven Offensivspiel tat er als Geschwätz ab. Manche nannten Herrera einen „Totengräber des Fußballs“. Doch der Erfolg gab ihm Recht: mit drei Meisterschaften und je zweimal den Gewinn des Europapokals der Landesmeister und des Weltpokals.

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