WM-Kolumne „Hasta La Visa“

Redakteur Marco Goetz fehlt bei dieser WM Italien

Weil Italien diesmal fehlt, schlägt mein Fußballherz für Portugal. Eine Erinnerung an die EM 2004 zeigt, dass große Fußballabende manchmal schon mit der Speisekarte beginnen.

Redakteur Marco Goetz fehlt bei dieser WM Italien

Wenn Italien bei einer WM fehlt, fehlt mir etwas. Normalerweise wäre die Sache klar: Squadra Azzurra, certo. Diesmal musste eine andere Mannschaft her. Ganz neutral lässt sich so ein Turnier schließlich kaum verfolgen.

Meine Wahl fiel auf Portugal. Nicht nur als Ersatz, sondern auch aus Überzeugung. Ich habe portugiesische Freunde. Sie freuen sich über jedes Tor. Und dann freue ich mich einfach mit. Etwas Gemeinsames zum Jubeln zu haben, ist schließlich nicht das Schlechteste.

Mit Portugal verbinde ich bis heute die EM 2004. Vor dem Eröffnungsspiel standen wir vor einer entscheidenden Frage: Portugiesisch oder Griechisch essen? Wir entschieden uns für Moussaka und Retsina. Das Ergebnis: Griechenland gewann überraschend mit 2:1.

Drei Wochen später standen sich dieselben Mannschaften im Finale wieder gegenüber – ein Novum. Also zurück zum Griechen. Der Wirt hatte für den Fall eines griechischen Europameistertitels eine Party angekündigt. Das Ergebnis: 1:0 für Griechenland. Es wurde eine richtig gute Nacht. Manchmal beginnen große Fußballgefühle eben schon mit einer Speisekarte.

Diese Weltmeisterschaft begann für Portugal eher verhalten. Beim 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo blieb das Hupkonzert in Luxemburg weitgehend aus. Vielleicht sind die portugiesischstämmigen Einwohner Luxemburgs gelassener geworden. Vielleicht war es einfach zu heiß. Oder zu spät. Oder zu früh. Bei dieser Weltmeisterschaft weiß man das ja nie so genau.

Dann kam das überzeugende 5:0 gegen Usbekistan, gefolgt von einem nüchternen 0:0 gegen Kolumbien. Portugal ist verdient weitergekommen, allerdings eher im gepflegten Trab als im Galopp. Und Cristiano Ronaldo? Der spielt längst nicht mehr nur gegen den Gegner, sondern vor allem gegen die Zeit.

Heute wartet Kroatien. Meine deutschen Kollegen dürfen sich gern zu meinen italienischen Freunden auf die Couch setzen und lernen, wie man eine K.-o.-Runde übersteht – oder vielleicht auch nicht. Falls Portugal ausscheidet, muss ich mir allerdings bis zum WM-Finale schon wieder eine neue Fußballheimat suchen.

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