Fußball

Original und Fälschung: Wie Russland Schachtar Donezk kopiert

Während Schachtar Donezk in Europa um Titel spielt, läuft in Russland ein Klub mit gleichem Namen auf. Auch andere Ukraine-Vereine werden im Krieg geklont.

Fan des Originals mit klassischem Design und authentischem Stil, der Leidenschaft für das Original zeigt

Ein Fan des Originals Foto: AFP

Orange-schwarze Trikots, gekreuzte Hämmer im Wappen, der Name Schachtar Donezk: Was nach Conference-League-Halbfinale klingt, wird derzeit auch in Russlands vierter Liga geboten. Denn während der Original-Klub aus der Ukraine am Donnerstag (21.00 Uhr) gegen Crystal Palace um ein europäisches Endspiel kämpft, existiert parallel ein Klon. Und nicht nur das: Auch andere Vereine aus den besetzten Gebieten werden vom Kriegsgegner kopiert.

Ukraines Fußball-Verband hatte schon im Oktober bei der UEFA protestiert. Das neue Schachtar verwende „Name und Identität des echten Schachtar ohne legitimes Recht“, hieß es in dem Schreiben. Russland verfolge einen „Versuch, die Besatzung zu legitimieren und die Identität des ukrainischen Fußballs auszulöschen.“ Als die Liga im März startete, war die Kopie trotz des Protestes dabei.

Schachtar ist kein Einzelfall. In der russischen Division B, Gruppe 1 spielt auch „Sorja Luhansk“, eine weitere Kopie eines ukrainischen Erstligisten. Auch der FK Sewastopol, Nachfolger des gleichnamigen und inzwischen aufgelösten ukrainischen Klubs von der besetzten Halbinsel Krim, tritt dort an.

Gespielt wird im Fall von Schachtar nicht in Donezk. Der neue Klub trägt seine Heimspiele in der russischen Stadt Taganrog aus, etwa 120 Kilometer südöstlich. „Sobald es die Umstände zulassen“ wolle der Verein aber in die vom Krieg beschädigte Donbass-Arena umziehen, sagt Klubpräsident Igor Petrow.

Jener Petrow war einmal ein Fußball-Held der Ukraine. Als die Gelb-Blauen am 7. September 1994 das erste Pflichtspiel nach der Unabhängigkeit bestritten, war er Kapitän. Mit Kriegsbeginn wechselte er die Seiten, obwohl er lange das Trikot des ukrainischen Schachtar getragen hatte. „Ich freue mich, dass mein Heimatverein wieder im russischen Fußball spielt“, sagt er heute.

Etwa 500 Zuschauer kommen in Taganrog zu den Heimspielen, auch eine aktive Fanszene gibt es. Trikots, Gesänge und Fahnen erinnern an das „echte“ Schachtar. Als Gründungsjahr gibt der Verein 1936 an, auf der Homepage wird der Triumph im sowjetischen Pokal 1961 als Erfolg aufgeführt. Auffällig: Die Zeit der ukrainischen Unabhängigkeit und damit auch der UEFA-Pokal-Triumph 2009 wird dort ausgespart. Unter der Überschrift „Modernes Schachtar“ heißt es, der Klub sei „überzeugt, dass der Frieden nach Donezk zurückkehren wird“.

Auch das echte Schachtar hofft auf Frieden – und eine Rückkehr in die Donbass-Arena. Seine Liga-Heimspiele trägt der 15-malige Meister der Ukraine derzeit mehr als 1000 Kilometer entfernt in Lwiw aus, im Europapokal ist nach einem Jahr im Hamburger Volksparkstadion, in der Arena auf Schalke aktuell das polnische Krakau die Heimat – so wie im Hinspiel gegen Crystal Palace, das mit 1:3 verloren ging.

Ob irgendwann einmal das Original oder die Kopie in der EM-Arena in Donezk spielen wird, wird die Geschichte zeigen. Aktuell ist die Stadt eher russisch geprägt, gezahlt wird dort mit Rubel, auch die russische Sprache hat die ukrainische verdrängt. Zuletzt gab es sogar kostenlose Busse für Fußball-Fans zu einem Heimspiel im Exil – nach Taganrog, nicht nach Lwiw.

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