Basketball

Mit welchen Ideen Liz Schmitz und die FLBB Trainer in Luxemburg fördern wollen

Bevor am Sonntagnachmittag 2.000 Zuschauer den zweiten Teil der Pokalhalbfinalspiele in der Coque verfolgten, trafen sich einige Stunden zuvor bereits 45 Trainer der FLBB und FLF zur ersten Auflage des „Coaches, Conversations & Coffee“, um Ideen und Erfahrungen auszutauschen und über den Rand ihrer eigenen Sportart hinaus zu schauen.

Liz Schmitz und FLBB organisieren erstes „Coaches, Conversations & Coffee“ Basketball-Event mit FLF am Sonntag

Gemeinsam mit der FLF organisierten Liz Schmitz (l.) und der Basketballverband FLBB am Sonntag das erste „Coaches, Conversations & Coffee“ Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Es ist eine der Ideen, die Liz Schmitz in ihrer Funktion als „Chargée de formation et de développement“ beim Basketballverband entwickelt hat, um neue Wege bei der Trainerausbildung in Luxemburg zu gehen. Mit dem Tageblatt unterhielt sie sich über das Trainerwesen in Luxemburg, Herausforderungen und Zukunftsprojekte.

Tageblatt: Sie kümmern sich bei der FLBB als „Chargée de formation et de développement“ um den Bereich der Trainerausbildungen. Welche Aufgaben umfasst das genau?

Liz Schmitz: Da meine Stelle als 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben ist, steht der Bereich „Chargé de formation“ aktuell noch mehr im Vordergrund. Das umfasst sämtliche Trainerausbildungen, vom früheren C-, B- und A-Niveau bis hin zum Kinder-Coach. Die „Formation continue“ stellt den zweiten Bereich dar. Einerseits müssen die Trainer ab 2027 eine gewisse Anzahl an Weiterbildungen machen, damit die Lizenz ihre Gültigkeit behält. Wir sind aber sowieso der Meinung, dass Trainer das nicht nur machen sollten, um ihre Lizenz zu behalten, sondern weil sie daraus einen großen Mehrwert ziehen können. Am Anfang haben wir hier ziemlich viel gemacht, ein bisschen nach dem Gießkannenprinzip, um herauszufinden, was die Leute wollen, was sie mögen und was ihnen wichtig ist. Dieses Jahr legen wir aber beispielsweise etwas mehr Wert auf Qualität statt Quantität.

In den letzten Jahren hat die FLBB viele solcher Weiterbildungen mit bekannten internationalen Trainern wie Ganon Baker oder dem deutschen 3x3-Olympiatrainer Samir Suliman angeboten. Wie kriegt man solche Leute überhaupt nach Luxemburg?

Das ist dem gesamten Büro zu verdanken – insbesondere Ken (Diederich) –, denn wir verfügen über ein Netzwerk von Bekannten, bei denen wir dann auch ein wenig Werbung machen, damit sie nach Luxemburg kommen. Ich denke auch, dass wir uns in der Vergangenheit im Ausland so vermarktet haben, dass wir nicht mehr nur da draußen sind, sondern auch unsere Netzwerke pflegen und versuchen, Leute zu all diesen internationalen Wettbewerben oder Schulungen zu schicken. Die liefern uns dann auch einen bestimmten Bericht, was gut und was für Luxemburg vielleicht weniger interessant ist.

Gibt es einen Experten, von dem Sie persönlich beeindruckt waren?

Man kann von jedem lernen. Letztes Jahr war das sicherlich bei Ganon Baker der Fall, den wir auch zu einem Camp mitgenommen haben. Das war auch für die Kinder etwas ganz anderes. Er kommt mit einem NBA-Hintergrund, spricht über Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, was schon beeindruckend ist. Wir hatten aber auch viele Trainer, die unsere Situation und Probleme genaustens kennen. Das ist wichtig für uns und den Basketball, den wir entwickeln und fördern wollen.

Wo sehen Sie denn aktuell die Bereiche, in denen am meisten hier in Luxemburg angesetzt werden muss?

Was wir heute im Training viel mehr schätzen als vielleicht früher, ist der Aspekt, gemeinsam voranzukommen. Auch wenn ich jetzt Team A und du Team B trainierst, können wir gemeinsam bessere Coaches werden. Wenn du mir sagst, was ich deiner Meinung nach besser machen könnte und ich dir sage, was du besser machen kannst, können wir auch unsere Athleten besser machen. Das ist etwas, worauf wir uns in letzter Zeit sehr konzentriert haben, nämlich, diese Gemeinschaft zu stärken.

Und dann liegt das Problem meiner Meinung nach auch darin, dass der Beruf des Trainers nicht genug Anerkennung findet. Das gilt sowohl von außen als auch von innen. Die Gesellschaft schätzt ihn nicht genug, aber auch, weil wir uns selbst nicht gut genug vermarkten, wir uns zu oft unter Wert verkaufen. Die Amerikaner sind da ziemlich gut drin, dass sie alles, was sie tun, auch in eine Vitrine stellen. Ein weiterer Punkt ist dann auch, dass wir nicht genug professionelle Trainer haben. Wir haben einen neuen Damennationaltrainer gesucht, und da hat sich nicht ein Luxemburger für diesen Posten gemeldet. Das kann einfach nicht die Realität sein.

Wir haben einen neuen Damennationaltrainer gesucht, und da hat sich nicht ein Luxemburger für diesen Posten gemeldet. Das kann einfach nicht die Realität sein.

Liz Schmitz

Aber auch das Thema Frauen im Trainerberuf liegt Ihnen sehr am Herzen ...

Wir müssen Frauen im Coaching unbedingt noch mehr fördern. Dafür sorgen, dass wir mehr Frauen hineinbekommen und vor allem auch drin behalten, und dass sie nicht nur den Stempel von der Jugendmannschaft oder den Kleinen bekommen. Der Bereich Familie spielt meiner Meinung nach hier noch eine große Rolle. Es ist immer noch zu oft ein „Entweder ... oder“. Oft wird vergessen, dass man, wenn man eine Familie hat, auch noch weitere Kompetenzen entwickelt, die einen im Trainerbereich nach vorne bringen können. So wie ein besseres Multitasking oder mehr Empathie.

Welche Möglichkeiten sehen Sie denn, um diese Situation zu verbessern?

Ich habe mir schon die Frage gestellt, ob ich nicht vielleicht eine Trainerausbildung nur für Frauen machen soll. Schauen, ob es vielleicht möglich ist, eine Form von Kinderbetreuung vor Ort anzubieten, sodass es kein „Entweder ... oder“ gibt. In meinem Kopf sind ganz viele Gedanken, warum es noch immer so wenige Frauen in diesem Bereich gibt. Ganz viele Frauen sind im Jugendbereich in ihren Vereinen unterwegs, machen das auch großartig. Ihnen fehlt aber die Zeit für die Ausbildung. Man muss einfach schauen, was diese Frauen brauchen und wie wir auf sie zugehen können.

Viele machen das auch wegen ihrer eigenen Kinder. Ziel muss es dann sein, sie langfristig zu behalten und sie nicht zu verlieren, wenn ihre Kinder erst mal ausgezogen sind. Das, was sie gelernt haben, darf den Klubs nicht verloren gehen. Auch ehemalige Spielerinnen, die international unterwegs waren und viel Wissen mitbringen, gehen dem Basketball noch zu oft verloren. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir viele junge Spielerinnen mit 19 oder 20 Jahren verlieren, einfach weil sie sich nicht damit identifizieren können. Weil Frauen im Umfeld nicht präsent sind, und da gehört der Trainer auch dazu.

Was sind denn noch weitere große Ziele für die Zukunft?

Es ist ganz klar, dass unser Ziel – und ich denke, das sehen wir alle im Verband genauso – mittelfristig darin besteht, unsere Vereine zu unterstützen, wenn sie hauptberufliche Jugendtrainer einstellen wollen, und dafür Lösungen zu finden, damit diese auch eine höhere Qualität haben. Damit wir auch Luxemburger als Trainer für die Jugendmannschaften einstellen können.

Auch die Zusammenarbeit zwischen den Sportarten sollte meiner Meinung nach weiter vorangebracht werden. Weil die Problematiken oft die gleichen sind und man sich von Leuten aus einer anderen Sportart vielleicht eher etwas sagen lässt. Auch in den Jugendkategorien sollte man zusehen, junge Ahtleten vielfältiger auszubilden, die Vereine in einer Gemeinde animieren, mehr zusammenzuarbeiten. Und dann sollte sich auch Gedanken darüber gemacht werden, einen Posten zu schaffen für Trainerweiterentwicklung. Was tut z.B. jemand wie Ken, wenn er an seine Grenzen kommt? An wen wendet er sich? Ich denke, es bräuchte eine sportübergreifende Ansprechperson, die helfen kann. Die praktische Expertise finden diese Leute ohne Probleme in ihrem Netzwerk, aber was ist mit Sachen wie sozio-emotionalen Schwierigkeiten?

Manuel Cardoni hält Vortrag beim Coaches, Conversations & Coffee Event für FLBB- und FLF-Trainer am Sonntag

Beim „Coaches, Conversations & Coffee“ am Sonntag hielt Manuel Cardoni einen Vortrag für FLBB- und FLF-Trainer Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Zur Person

Liz Schmitz ist im luxemburgischen Basketball bestens bekannt. Die langjährige Nationalspielerin, die mit den FLBB-Damen 2013 bei den JPEE in Luxemburg das viel umjubelte Gold holte, gewann in ihrer Zeit bei der Amicale Steinsel sieben Titel. Zuvor lief sie in Luxemburg für Contern auf, in ihrer Studentenzeit auch in der ersten belgischen Liga. Bei der FLBB ist sie nicht nur als „Chargée de formation et de développement“ tätig, sondern seit Herbst 2025 auch als Assistant-Coach bei den FLBB-Damen. Die 37-Jährige ist Mutter von vier Kindern.

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