Olympia

Mit Mut und Tempo: Ten Raa wird 30. im Riesenslalom von Cortina d’Ampezzo

Gwyneth ten Raa hat beim olympischen Riesenslalom am Sonntag mit Platz 30 überzeugt. Die 20-Jährige zeigte in beiden Läufen eine starke Leistung und sicherte sich damit ein Top-30-Ergebnis. Die Goldmedaille ging an die Italienerin Federica Brignone.

Gwyneth ten Raa erreicht als 30. das Ziel beim Skiwettbewerb in Cortina d’Ampezzo

Gwyneth ten Raa kam in Cortina d‘Ampezzo als 30. ins Ziel Foto: ATP/Jean-Claude Ernst

Die Atmosphäre am Sonntag in Cortina d’Ampezzo hatte etwas Majestätisches. Strahlender Sonnenschein, eine legendäre Piste der Skiszene – und am Ende lautstark jubelnde Italiener. Doch auch aus luxemburgischer Sicht trug Gwyneth ten Raa ihren Teil zu diesem besonderen Tag bei.

Ten Raa startete am Sonntag mit der Nummer 40 ins Rennen – und überquerte das Ziel nach 1:06,60 Minuten als 34., 3,37 Sekunden hinter der Laufschnellsten, Federica Brignone aus Italien. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Lauf“, sagte Ten Raa. „Und auch, wie ich gefahren bin. Es war nicht meine beste Leistung, ich hatte ein paar Fehler drin, die viel gekostet haben. Aber ich bin zufrieden. Ich war sehr nervös, aber als ich auf die Piste ging, war die Nervosität weg und ich habe mich auf mein Skifahren konzentriert.“

Volles Risiko

0,62 Sekunden fehlten ihr, um in die Top 30 des ersten Laufs zu rutschen – und damit als Erste im zweiten Durchgang zu starten. Bei Olympia starten im zweiten Lauf die 30 Besten des ersten Laufs in umgekehrter Reihenfolge: zuerst Platz 30, dann 29 bis hin zu Platz 1. Anschließend folgen die restlichen Fahrerinnen ab Platz 31 bis zum letzten Rang. „Top 30 wäre super, aber das habe ich leider nicht geschafft.“

Gwyneth ten Raa umgeben von Familie und Freunden, die sie liebevoll unterstützen und begleiten

Gwyneth ten Raa wurde von Familie und Freunden unterstützt Luxpress/ATP: Jean-Claude Ernst

Insgesamt hatte es die Strecke vor allem technisch in sich. „Es gab ganz viele Übergänge, man musste immer aufpassen. Aber wenn man alles im Kopf hat und man alles richtig annimmt, dann ist es sehr schön zu fahren. Auch der Sprung am Ende ist sehr technisch, aber das hat man vorausgesehen. Ich hatte das im Kopf, weil ich mir die anderen vorher angesehen und das mitgenommen habe.“ Für den zweiten Durchgang blieb die 20-Jährige ihrer Philosophie treu: „Ich gehe voll Risiko. Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren. Ich werde alles geben.“

Schwieriger Kurs in Lauf zwei

Im zweiten Durchgang herrschten weiterhin optimale Bedingungen, doch der Kurs wurde anspruchsvoller. Nach den ersten 30 Starterinnen jubelten die Italiener über die Goldmedaille von Federica Brignone. Der zweite Sieg für Brignone, die sich im vergangenen April bei den italienischen Meisterschaften das linke Bein zertrümmert hatte, war ein Triumph: Üppige 0,62 Sekunden trennten sie von Platz zwei. Diesen belegten zeitgleich Sara Hector aus Schweden, die Olympiasiegerin von 2022, und Thea Louise Stjernesund aus Norwegen. Äußerst kurios: Nach dem ersten Durchgang hatten Hector, Stjernesund und die für Albanien startende Italienerin Lara Colturi zeitgleich auf Rang drei hinter Brignone und der Deutschen Lena Dürr gelegen.

Gwyneth ten Raa zeigt starke Leistung bei beiden Läufen im Wettkampf

Gwyneth ten Raa zeigte in beiden Läufen eine starke Leistung Foto: ATP/Jean-Claude Ernst

Kurz nach dem Jubeltaumel der Italiener musste Ten Raa ihren zweiten Lauf absolvieren. „Ich habe oben das ganze Team von Brignone jubeln gehört. Und auch die Tribüne hat man bis oben hin jubeln hören.“ Ten Raa ließ sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen und fuhr als 29. mit 5,95 Sekunden Rückstand auf die Olympiasiegerin über den Zielstrich. Kurz darauf wurde sie noch von einer Argentinierin überholt, sodass am Ende Rang 30 zu Buche stand. „Ich bin sehr, sehr zufrieden“, sagte sie am Ende des Tages. „Der zweite Kurs war viel schwerer, er hat viel mehr gedreht. Es war schwierig, den Ski richtig freizugeben, und deswegen musste man technisch sauber arbeiten bis zum Schluss.“

Slalom am Mittwoch

Auch die Wartezeit zwischen den beiden Läufen brachte die 20-Jährige nicht aus dem Konzept. „Ich war sehr fokussiert. Ich habe mich konzentriert und wusste, dass der erste Lauf gut war – ich wollte den zweiten aber auch gut hinbekommen, damit ich am Ende ein gutes Resultat habe. Ich war weniger nervös, weil ich mein Ziel vor Augen hatte und wusste, wo ich stand.“

Im Überblick

Olympia, Ski alpin, Frauen, Riesenslalom in Cortina d’Ampezzo (76 Starterinnen):
Gold: Federica Brignone (Italien) 2:13,50 Minuten
Silber: Sara Hector (Schweden) 0,62 Sekunden zurück
Silber: Thea Louise Stjernesund (Norwegen) 0,62

4. Lara Della Mea (Italien) 0,67, 5. Julia Scheib (Österreich) 0,69, 6. Mina Fürst Holtmann (Norwegen) 0,74, 7. Maryna Gasienica-Daniel (Polen) 0,75, 8. Alice Robinson (Neuseeland) 0,80, 9. Lena Dürr (Deutschland) 0,81, 10. Sofia Goggia (Italien) 0,87, ... 30. Gwyneth ten Raa (Luxemburg) 5,95

Nachdem sie 2022 in Peking sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom ausgeschieden war, steht für Ten Raa nun ihr erstes Olympia-Ergebnis – und das gleich in den Top 30. „Hier ist es schon ganz anders als in China, dort war niemand von der Familie da, auch wegen Corona. Die Atmosphäre hier ist ganz anders. Die Familie ist hier, man kennt den Schnee.“

Am Mittwoch hat Ten Raa ihren nächsten Auftritt im Slalom. „Meine Startnummer wird etwas höher sein“, sagt sie. „Ich werde aber versuchen, im ersten Lauf in die Top 30 zu fahren. Das macht es viel einfacher im zweiten Lauf. Im Training sah mein Slalom gut aus. Ich habe zwar nicht viele Rennen gemacht, aber das macht nichts aus.“

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