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Mission Top 30 des Weltcups: Das plant Trainer Yves De Roche mit Gwyneth ten Raa

Yves de Roche trainiert Gwyneth ten Raa seit 2024 wieder intensiv. Bereits in der U14 entdeckte der Schweizer das luxemburgische Talent und begleitet ihre Entwicklung seither mit geschultem Blick. Nun will er ihr bewusst „künstliche Hürden“ in den Weg stellen, um sie Schritt für Schritt an ihr Leistungsmaximum heranzuführen. Der erfahrene Skilehrer zeigt sich ambitioniert. Sein Ziel ist es, sie dauerhaft auf höchstem Niveau zu etablieren.

Gwyneth ten Raa und Schweizer Yves de Roche bei intensiver Zusammenarbeit 2024, Geschäftspartner im kreativen Austausch

Gwyneth ten Raa und der Schweizer Yves de Roche arbeiten seit 2024 wieder intensiver zusammen Foto: privat

Es ist ein harter Moment für das gesamte Team, als Gwyneth ten Raa am Mittwoch im olympischen Slalom von Cortina d’Ampezzo nach nur wenigen Stangen ausscheidet. „Ich weiß, dass ich sie mindestens eine Stunde in Ruhe lassen muss“, sagt ihr Trainer Yves de Roche. „Vorher mit ihr zu reden, würde nichts bringen – erst recht nicht bei Großanlässen. Wir Trainer bekommen direkt TV-Bilder und werten unsere Kameraufnahmen aus. Ich versuche sie dann, am Positiven aufzubauen.“

Nach etwas mehr als einer Stunde tritt De Roche an, um mit seinem Schützling zu sprechen. „Aber die Enttäuschung ist nicht nur bei ihr, sondern auch bei mir sehr groß. Ich brauche auch meine Zeit, um mit der Situation zurechtzukommen.“ Doch De Roche kennt seine Athletin so gut und weiß, dass sie „Niederlagen schnell wegsteckt. Ich gebe ihr ihre Zeit – und dann rede ich mit ihr“.

Intensive Arbeit seit 2024

Immerhin kennt der zertifizierte Schweizer Skilehrer Ten Raa schon seit der U14. Damals trainierte sie in der Racing Academy Kleine Scheidegg, wo der erste Kontakt zwischen den beiden entstand. Für die Luxemburgerin ging es von dort weiter ins regionale Leistungszentrum, dann zum Regionalverband. „Da hatte sie andere Trainer, aber wir haben immer wieder versucht, zusammen zu trainieren.“ Ten Raa wagte anschließend den Schritt zum italienischen Ladies International Team (LIT), bei dem es eine Saison lang gut funktionierte, danach jedoch nicht mehr.

„Roger (ihr Vater) und Gwyneth haben mich Anfang 2024 gefragt, ob ich sie trainieren könnte – und ich habe sofort Ja gesagt.“ De Roche ist als Schweizer sehr ambitioniert. „Ich denke, dass meine Mentalität als Trainer aus der Schweiz eine andere ist als die von anderen. Ich bin mit diesem Beruf aufgewachsen. Und ich sehe die Fortschritte von Gwyneth. Sie waren und sind immer noch stetig da.“

Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in ihrem Fahrstil, sondern auch in ihren Ergebnissen: Ten Raa hat mit 20 Jahren nun ihre zweiten Olympischen Spiele beendet, wurde im Riesenslalom von Cortina d’Ampezzo 30.. Sie hat im Europacup ihre ersten Punkte eingefahren – doch das Luxemburger-Schweizer-Duo will mehr. Die nächsten Schritte sind Weltcup-Teilnahmen – sowohl im Slalom und Riesenslalom als dann in Zukunft auch im Super-G. „Langfristig kann sie eine Top-30- oder Top-20-Athletin im Weltcup im Riesenslalom werden“, sagt De Roche.

Viel Hoffnung im Super-G

Viel Hoffnung setzt er eben auch in den Super-G. Ten Raa ist bereits einige Rennen in dieser Disziplin gefahren, auch im Europacup. „Ich glaube, dass sie es im Super-G sehr weit bringen kann, wenn sie im Kopf dabei ist – noch weiter als im Riesenslalom. Sie kann das Gelände sehr gut lesen, sie hat einen schleichenden Stil auf der Strecke. Und deswegen wird sie im Super-G sehr schnell vorankommen.“ Schwierigkeiten hat Ten Raa allerdings noch bei Sprüngen, die zu den Geschwindigkeitsdisziplinen dazugehören. „Das hat sie nie gelernt, aber daran werden wir arbeiten. Das Problem ist, dass Super-G und Abfahrt immer auch eine Frage der Absperrungen und der Pistensicherheit sind. Diese Disziplinen zu trainieren ist viel aufwendiger als Slalom oder Riesenslalom.“

Yves de Roche erlebte in Italien seine ersten olympischen Spiele

Yves de Roche erlebte in Italien seine ersten olympischen Spiele Foto: privat

In den kommenden Monaten und Saisons will De Roche Ten Raa an ihr Leistungsmaximum heranführen. Dafür will – und muss – er sie auch in „unangenehme Situationen bringen“, wie er selbst sagt. „In einem Schweizer oder französischen Team sind um die zehn Mädchen. Die müssen in jedem Training Bestleistungen abrufen, damit sie zu den Rennen mitgenommen werden. Das ist bei Gwyneth nicht der Fall. In Luxemburg gibt es keinen Selektionsstress. Deswegen können wir zwar ohne Druck und Schritt für Schritt arbeiten, aber gerade das ist auch manchmal gefährlich. Der Druck fehlt. Und deswegen möchte ich ihr künstliche Hürden in den Weg stellen – um sie zu fordern.“

„Es gibt bei ihr nur eines – all in“

Vereinfachen würde das Training der Umstand, dass Ten Raa in den vergangenen beiden Jahren kommunikativer geworden ist. „Sie hat charakterlich einen großen Sprung gemacht. Man musste ihr anfangs vieles aus der Nase ziehen. Seit etwa einem Jahr sagt sie nun auch, wenn ihr etwas nicht passt. Darüber können wir sehr gut sprechen, und das vereinfacht die Trainer-Athlet-Beziehung. Was bei ihr aber von Anfang an der Fall war und immer noch so ist: Es gibt bei ihr nur eines – all in. Sie will siegen. Und das ist es, was sie so stark macht.“

De Roche spricht trotz des Ausfalls im Slalom von gelungenen Olympischen Spielen. Für den in Lauterbrunnen lebenden Schweizer Trainer waren es die ersten Winterspiele. „Für mich war das eine neue Erfahrung“, sagt er. „Gwyneth und ich sind im Winter meistens alleine unterwegs. Hier kümmern sich plötzlich viele Menschen um Sachen, damit wir das nicht mehr tun müssen.“ Mit den Delegierten vom COSL wurde dem Team um Ten Raa viel organisatorische Arbeit abgenommen. „Das hat definitiv unseren Tagesrhythmus vereinfacht“, sagt der Schweizer.

Von einer Erfolgsgeschichte des Duos will er nicht sprechen – noch nicht. Dafür sind seine Ziele zu hoch gesteckt. „Nun ja, wie gesagt: Es geht stetig vorwärts. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Ich will sie im Weltcup im Riesenslalom in dem Top-30-Bereich etablieren. Sollte uns das gelingen, können wir noch einmal über eine Erfolgsgeschichte sprechen.“

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