Radsport
„Mas-Mission“ endlich vollendet: Der Dauer-Zweite gewinnt die Vuelta
Tadej Pogacar fiel als Gewinner der Spanien-Rundfahrt aus, der so oft knapp geschlagene Mallorquiner Enric Mas feiert seinen ersten großen Sieg.
Am Ziel seiner Träume: Enric Mas gewinnt die Vuelta 2026 Foto: AFP/Jorge Guerrero
Enric Mas startete quasi an der Wurst- und Käsetheke in die schönste Etappe seines Radsport-Lebens. Das letzte Teilstück der Spanien-Rundfahrt begann am Sonntag in der riesigen Supermarkt-Filiale des Vuelta-Hauptsponsors in Granada. Es war die letzte Merkwürdigkeit eines sonderbaren Rennens, das nach dem brutalen Aus von Tadej Pogacar einen unerwarteten, aber hochverdienten Sieger fand.
„Das ist etwas ganz Besonderes, ich werde mich immer an diese Vuelta erinnern“, sagte Mas am Sonntagabend im Ziel in Granada, am Ziel seiner Träume, das er mit seiner komplett in Rot-Weiß statt dem gewohnten Dunkelblau gekleideten Movistar-Mannschaft entspannt erreichte – vor den letzten 10 km war das Rennen hinauf zur weltberühmten Alhambra neutralisiert worden. „Es war ein langer Weg für mich. Jetzt bin ich einfach glücklich.“
Freie Fahrt nach Pogacar-Aus
Gut, natürlich wird der Sieg mit einem Sternchen gelesen werden müssen, Mas gewann die 81. Spanien-Rundfahrt quasi in Vertretung Pogacars. Als der Slowene während der achten Etappe mit gebrochenen Knochen auf der Landstraße lag, betrug sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Mas schon fast vier Minuten – und die wirklich schweren Bergetappen kamen danach erst.
Nun kann Mas wirklich nichts für „Pogis“ Pech. Und hatte zudem selbst davon schon einiges. So oft fuhr der Mann aus dem nordostmallorquinischen Städtchen Artà knapp an einem großen Sieg vorbei, war dreimal Zweiter der Vuelta – hinter Simon Yates (2018), Primoz Roglic (2021) und Remco Evenepoel (2022) – und einmal Dritter.
Gereift sorgte Mas mit 31 Jahren für doppelte spanische Freude: Er ist erster Heimsieger der Vuelta seit Alberto Contador 2014. Und dafür verantwortlich, dass sein Landsmann Roberto Heras Co-Rekordgewinner bleibt. Red-Bull-Kapitän Roglic landete diesmal hinter Mas auf Platz zwei und verpasste damit den historischen fünften Vuelta-Gesamtsieg.
Galls zweites Grand-Tour-Podium 2026
Nach dem Pogacar-Drama war Mas bei der berglastigen Vuelta der stärkste Kletterer – auch wenn er nur eine Etappe gewann. Der Österreicher Felix Gall, letztlich Gesamtdritter nach Platz zwei beim Giro und damit als einziger Profi in zwei der drei großen Rundfahrten des Jahres auf dem Podest, setzte ihn zwar unter Druck, war aber im Gesamtpaket zu schwach.
Als einziger Luxemburger beendete Mats Wenzel (Kern Pharma) die Vuelta. Alex Kirsch (Cofidis) und Landesmeister Arthur Kluckers (Tudor) hatten das Rennen vorzeitig aufgeben müssen. Wenzel zeigte sich bei seiner ersten Grand Tour immer wieder offensiv, vor allem die 3. Etappe dürfte ihm in Erinnerung bleiben: Wenzel war bis zum Schlussanstieg an der Spitze, dann wurde die Etappe wegen widriger Bedingungen abgebrochen. Seine beste Platzierung erlangte der 23-Jährige auf der 15. Etappe als Zwölfter, in der Endabrechnung wird er mit 3:50:54 Stunden Rückstand 103.
Nun hat Enric also seine Mas-Mission abgeschlossen. Ein Jahr, nachdem er wegen einer Venenthrombose quasi Sportverbot hatte. Nach Jahren, in denen ihm die Befähigung, ein Champion zu werden, regelmäßig abgesprochen wurde. Nach eigentlich unlustigen Jahren. Dennoch, sagte Mas, habe er den Radsport immer genossen, immer Freude gehabt: „Und diese Vuelta war nun ein Riesenspaß.“
Im Überblick
81. Spanien-Rundfahrt, 20. Etappe: La Calahorra - Collado del Alguacil (187 km):
1. Mikel Landa (Spanien/Soudal Quick-Step) 4:58:01 Stunden, 2. Tobias Halland Johannessen (Norwegen/Uno-X Mobility) 0:47 Minuten zurück, 3. Ramses Debruyne (Belgien/Alpecin-Premier Tech) 1:27, 4. Pau Miquel (Spanien/Bahrain Victorious) 3:00, 5. Urko Berrade (Spanien/Equipo Kern Pharma) 4:12, 6. Jan Hirt (Tschechien/NSN Cycling) 4:18, 7. Jörgen Nordhagen (Norwegen/Visma-Lease a Bike) 4:35, 8. Sepp Kuss (USA/Visma-Lease a Bike) gleiche Zeit, 9. Walter Calzoni (Italien/Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team) 4:48, 10. Lorenzo Fortunato (Italien/XDS Astana) 4:53, ... 122. Mats Wenzel (Luxemburg/Kern Pharma) 45:04
21. (letzte) Etappe: Granada - Granada (112 km):
1. Tobias Halland Johannessen (Norwegn/Uno-X Mobility) 2:54:08 Stunden, 2. Alessandro Romele (Italien/XDS Astana), 3. Ramses Debruyne (Belgien/Alpecin-Premier Tech), 4. Matthew Brennan (Großbritannien/Visma-Lease a Bike), 5. Bastien Tronchon (Frankreich/Groupama-FDJ United), 6. Pello Bilbao (Spanien/Bahrain-Victorious), 7. Finn Fisher-Black (Neuseeland/Red Bull-Bora-hansgrohe), 8. Axel Laurance (Frankreich/Netcompany Ineos), 9. Pau Martí (Spanien/NSN Cycling), 10. Marco Brenner (Augsburg/Tudor Pro Cycling) alle gleiche Zeit, ... 117. Wenzel 1:49
Endstand in der Gesamtwertung nach 21 Etappen:
1. Enric Mas (Spanien/Movistar) 73:52:55 Stunden, 2. Primoz Roglic (Slowenien/Red Bull Bora-hansgrohe) 2:15, 3. Felix Gall (Österreich/Decathlon-CMA CGM) 2:44, 4. Richard Carapaz (Ecuador/EF Education-EasyPost) 6:54, 5. Sepp Kuss (USA/Visma-Lease a Bike) 8:45, 6. Oscar Onley (Großbritannien/Netcompany Ineos) 9:28, 7. Jakob Omrzel (Slowenien/Bahrain-Victorious) 10:38, 8. Clément Berthet (Frankreich/Groupama-FDJ United) 11:41, 9. Cristián Rodríguez (Spanien/XDS Astana) 11:59, 10. Harold Tejada (Kolumbien/XDS Astana) 12:51, ... 103. Wenzel 3:50:54