Formel 1

„Lasse mich nicht zum Schweigen bringen“: Ferrari-Zoff spitzt sich zu

Lewis Hamilton legt im Streit mit Teamkollege Charles Leclerc nochmal nach, vor dem Großen Preis von Brasilien brodelt es weiter mächtig bei Ferrari.

Lewis Hamilton übte harsche Kritik an seinem Teamkollegen Charles Leclerc

Lewis Hamilton übte harsche Kritik an seinem Teamkollegen Charles Leclerc Foto: AFP/Alfredo Estrella

Lewis Hamilton könnte in Sao Paulo seinen Fokus auf die schönen Dinge legen. Beim Großen Preis von Brasilien (Sonntag, 18.00 Uhr MEZ/RTL Zwee) bestreitet der Rekordweltmeister das 400. Formel-1-Rennen seiner Karriere, ausgerechnet am Ort seines ersten WM-Titels vor nunmehr 18 Jahren erreicht er diesen Meilenstein. Doch der siebenmalige Champion hat derzeit ganz andere Sorgen: Noch immer überwiegt der Ärger mit Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc. Und so läutete Hamilton sein historisches Wochenende mit der nächsten verbalen Attacke gegen den Monegassen ein.

„Natürlich war ich frustriert, und ich bin immer noch frustriert“, sagte Hamilton angesichts des verpassten Sieges in Mexiko. Dort hatten sich die beiden Scuderia-Stars mit einem unnötigen Zweikampf ins Hintertreffen gebracht – und Max Verstappen den Erfolg auf dem Silbertablett serviert. Auf die Frage, ob sich Leclerc auf der Strecke härter mit ihm als mit anderen Fahrern duellieren würde, antwortete Hamilton in aller Deutlichkeit. „Ja“, sagte der 41‑Jährige, „ich sehe, was ihr seht.“

Als Beispiel nannte Hamilton den diesjährigen Grand Prix in Singapur. Leclerc sei gegen Verstappen „in Kurve eins ganz innen“ gewesen, „hatte die Führung übernommen und ist dann vom Gas gegangen. Das war definitiv anders.“ Laut Hamilton habe Leclerc dies aber auch schon mit seinen früheren Teamkollegen Sebastian Vettel und Carlos Sainz so gehandhabt.

„Eiszeit“

„Ich denke, es ist eine Mentalitätsfrage. Es ist wie alles oder nichts, entweder ich gewinne oder keiner von uns, und so sollte es nicht sein“, hatte der Brite bereits in Mexiko gemotzt und so Öl ins Feuer gegossen. Natürlich gebe es Momente, „in denen man Dinge sagt, die man hinterher vielleicht bereut“, ergänzte Hamilton nun in Brasilien: „Aber ich bereue nichts, und ich werde mich niemals dafür entschuldigen, authentisch und ehrlich zu sein.“ Er lasse sich „nicht zum Schweigen bringen. Ich habe mich noch nie zum Schweigen bringen lassen.“

Im Kampf um die Vormachtstellung beim Traditionsrennstall geht Hamilton voll auf Konfrontationskurs. Er glaube nicht, „dass sich alles in einer einzigen Besprechung klären und regeln lässt“, sagte Hamilton bei Sky. „Aber es ist wichtig. Was wir jetzt aufbauen, wird uns für das nächste Jahr in die richtige Position bringen.“ In gewisser Weise sei er deshalb „froh, dass wir diese Erfahrung gemacht haben“, weil das Team „daraus lernen“ und „nur noch stärker werden“ könne.

Laut dem Fachmagazin The Race ordnete Ferrari-Teamchef Fred Vasseur für Freitag ein Krisengespräch mit den beiden Streithähnen an. Vorher blieb dafür keine Zeit, schließlich war Leclerc nach der Geburt von Töchterchen Bianca erst verspätet nach Brasilien gereist. „Freds Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir alle am gleichen Strang ziehen“, so Hamilton. „Natürlich werden wir hart, aber fair kämpfen. Und dafür sorgen, dass wir das beste Ergebnis für das Team erzielen.“

In der derzeitigen „Eiszeit“ (Gazzetta dello Sport) bei Ferrari scheint das aber kaum möglich. (SID)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren