Wintersport
Kleine Länder, große Geschichten: Von Girardelli bis nach Jamaika
Luxemburg feierte Marc Girardelli, Liechtenstein hält einen besonderen Rekord der Olympischen Spiele und in Jamaika ist die Begeisterung für Bob-Rennen noch etliche Jahre nach den „Cool Runnings“ ungebrochen: drei besondere Olympia-Geschichten.
Marc Girardelli (l.) wurde sechsmal Sportler des Jahres in Luxemburg Foto: AFP-Archiv
Marc Girardelli: Wie Luxemburg Skigeschichte schrieb
„Als ich zwölf Jahre alt war, entschieden sich meine Eltern, einen Wechsel des Verbands von Österreich nach Luxemburg vorzunehmen (...). Zufällig war bei einem internationalen Kinderrennen im schweizerischen Engadin auch die Luxemburger Delegation unter der Leitung des damaligen FLS-Präsidenten Aimé Knepper am Start. Wir unterhielten uns mit ihm und die Entscheidung, das Land zu wechseln, war eine sehr einfache und schnelle.“ (Auszug aus „Sportgeschichten“ von Georges Klepper) So begann damals, 1976, die bislang erfolgreichste Geschichte des Luxemburger Skisports.
Da Marc Girardelli in den frühen 80ern aber keine der beiden Bedingungen erfüllte, um einen Luxemburger Pass zu erlangen (Mindestalter von 25 Jahren sowie zehn Jahre in Luxemburg gelebt zu haben), verpasste er die Weltmeisterschaft 1982 in Schladming und die Olympischen Winterspiele in Sarajevo (1984). Ab 1985 erlaubte ihm der internationale Skiverband, bei der Weltmeisterschaft für Luxemburg zu starten. Die Gesetzesänderung von 1987 – auch „da der Wille, ihm die Staatsbürgerschaft zu verschaffen, auf Regierungsniveau mittlerweile allgegenwärtig war“ – machte den Weg frei: Girardelli holte für den Luxemburger Verband zweimal Silber bei Olympia (Super-G und Riesenslalom 1992 in Albertville), viermal Gold bei einer WM sowie fünf Kristallkugeln als Gewinner des Weltcups in den alpinen Skidisziplinen.
Steckbrief
Marc Girardelli
Geboren am 18. Juli 1963 in Lustenau (Österreich), die luxemburgische Staatsangehörigkeit erhielt er 1987
Disziplinen: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom, Kombination
Größte Erfolge: Zweimal Silber bei Olympia, viermal Weltmeister, fünf Weltcupsiege
Cool Runnings: Jamaika verzaubert Hollywood auf dem Eis
2022 startete Jamaika zum neunten Mal bei Bob-Rennen der Olympischen Winterspiele Foto: Michael Kappeler/dpa
Die jamaikanische Bob-Mannschaft schaffte es 1988 nicht nur zu den Olympischen Winterspielen in Calgary, sondern mit ihrer hollywoodreifen Geschichte in den 90ern auch auf die Leinwand: Disney produzierte den Spielfilm „Cool Runnings“, der lose auf den echten Gegebenheiten beruht. Zwei Amerikaner, die geschäftlich vor Ort waren, sahen bei einem Seifenkistenrennen zu – und so entstand die Idee, eine Bobmannschaft zu gründen. Ein Satz aus dem Film prägte sich ein: „Das geht über eure Vorstellungskraft, Jamaika hat eine Bob-Mannschaft.“
Selbst wenn die sportliche Leistung der Teams aus der Karibik damals nicht von riesigem Erfolg gekrönt war, spiegelte Jamaikas Teilnahme den Olympischen Geist, „Dabeisein ist alles“, wider. Die Helden des Viererbobs von damals hießen Dudley Stokes, Devon Harris, Michael White und Samuel Clayton. Inzwischen startet die Nation zum zehnten Mal bei Winterspielen.
In Cortina treten 2026 gleich drei Bob-Teams aus Jamaika an: Im Frauen-Monobob (Mica Moore) sowie im Zweier- und Viererbob der Männer. Die Zeiten, in denen man das jamaikanische Viererbob-Quartett als absolute Underdogs abstempeln konnte, sind vorbei: Auf der offiziellen Seite des Ausrichters ist zu lesen: „Die Saison 2025/26 markiert einen historischen Höhepunkt: Pilot Shane Pitter und die Anschieber Andrae Dacres, Junior Harris und Tyquendo Tracey feierten im November in Whistler den ersten Sieg für Jamaika überhaupt beim North American Cup. Seitdem standen sie siebenmal auf dem Podium.“ Ernst wird es in Cortina ab dem 21. Februar.
Jamaikas Olympia-Programm 2026
Frauen-Monobob: Sonntag, 15. Februar ab 10.00 Uhr, mögliches Finale am Montag ab 21.00 Uhr
Männer-Zweierbob: Montag, 16. Februar ab 10.00 Uhr, mögliches Finale am Dienstag ab 21.00 Uhr
Männer-Viererbob: Samstag, 21. Februar ab 10.00 Uhr, mögliches Finale am Sonntag ab 12.15 Uhr
Liechtenstein: Eine Wintersport-Dynastie
Die Delegation aus Liechtenstein bei der Eröffnungsfeier in Cortina Foto: Jean-Christophe Bott/dpa
Man stelle sich vor: Eine Nation mit rund 40.000 Einwohnern zählt zu den erfolgreichsten der Geschichte der Olympischen Winterspiele. Oder noch beeindruckender: Liechtenstein gewann seine zehn Medaillen alle im alpinen Skisport. Das Fürstentum hat die höchste Medaillenzahl im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl.
1980 machten die Wenzels die Spiele in Lake Placid zum absoluten Familienfest: Johanna „Hanni“ Wenzel holte zweimal Gold (Riesenslalom, Slalom) und einmal Silber (Abfahrt), ihr Bruder Andreas Silber im Riesenslalom. Die heute 69-Jährige kam übrigens in Straubing zur Welt, zog aber mit ihren Eltern sehr früh nach Liechtenstein und verweigerte im Laufe der Karriere einen möglichen Verbandswechsel nach Deutschland. Die Dynastie hat bereits die nächste Generation erreicht: „Hannis“ Tochter Tina Weirather gewann 2018 eine weitere Bronzemedaille für Liechtenstein im Super-G in Pyeongchang. Sie beendete ihre Karriere vor sechs Jahren ... und wurde vor zwei Jahren selbst Mutter. Vielleicht steht also der nächste Liechtensteiner Star bereits auf Skiern.
„Fast vor der Haustür“
Die Freude war groß, gleich acht Athleten für die Spiele „fast vor der Haustür“ nominieren zu können. Liechtenstein tritt in Milano/Cortina unter dem Motto „Kleines Land, großes Herz“ an. Im Bob heißt der Pilot des Schlittens Martin Kranz. Zum Team gehören Lorenz Lenherr, Mauro Bühler, David Tschofen und Ozan Bektas. Im Ski alpin qualifizierten sich Madelaine Beck und Marco Pfiffner. Einziger Langläufer ist Robin Frommelt.