Cyclocross-WM
Jempy Drucker: „Niemand hat Marie auf der Liste für ein Top-5-Ergebnis“
Nationaltrainer Jempy Drucker setzt bei der Cyclocross-WM in Hulst auf das „Vertrauen in Marie (Schreiber)“. Entscheidend sei jedoch, dass die 22-Jährige dieses Vertrauen auch selbst in sich trägt. Im Interview spricht Drucker über das Rennen der Damen-Elite, die Rolle der Mixed-Staffel und die besonderen Anforderungen des Parcours in Hulst.
Nationaltrainer Jempy Drucker ist stolz, dass die FSCL in jeder Alterskategorie mindestens einen Starter ins Rennen schickt Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Tageblatt: Jempy Drucker, wie gehen Sie diese WM in Hulst an?
Jempy Drucker: Wir haben ein schönes Aufgebot. Ich glaube, dass es lange her ist, dass wir in allen Kategorien mindestens einen Fahrer haben. Und die Kriterien haben sich nicht geändert. Das zeigt doch, dass wir auf einem guten Weg sind.
Was denken Sie von der Strecke?
Es ist die Strecke, die wir im letzten Jahr im Weltcup gesehen haben, aber es gibt Änderungen. Start und Ziel sind gleich geblieben. Es gibt Unterschiede, mit Anstiegen und Abfahrten, die diesmal in umgekehrter Richtung befahren werden. Es sind spektakuläre Anstiege und Abfahrten dabei. Außerdem gibt es Brücken, um die Wasserläufe zu überqueren, die sich auf der Strecke befinden.
Gehen Sie von einem tiefen Untergrund aus?
Man weiß noch nicht genau, wie der Untergrund sein wird. Wir befinden uns nah am Wasser, aber der Untergrund ist drainiert. Es kann schlammige Abschnitte geben, aber auch sehr trockene Passagen. Für die kommenden Tage ist Regen mit Schauern angekündigt. Man wird sehen, wie sich die Strecke entwickeln wird.
Du wirst in Diegem nicht aus Zufall Zweite
Jempy Drucker
über Marie Schreiber
Was, denken Sie, kann Marie Schreiber erreichen?
Sie hat gute Erinnerungen, das hilft ihr schon mal. Aber wie gesagt, es ist ein anderer Parcours und wir sind auch in einer anderen Saison. Sie wird aktuell schlecht belohnt für ihre Form. Sie kann mehr zeigen. Sie hat es in Diegem gezeigt: Du wirst nicht aus Zufall Zweite mit zehn Sekunden Rückstand auf Puck Pieterse. Ich kenne den Parcours in Diegem (lacht). Der ist sehr hart. Ich denke, sie ist in einer guten Form, aber sie hat den Schlüssel noch nicht gefunden.
Kann sie ihn am Sonntag finden?
Das hoffen wir, aber sie ist nicht die große Favoritin. Das sind Lucina Brand, Puck Pieterse oder Ceylin del Carmen Alvarado. Der niederländische Block ist wirklich stark. Danach kommen auch Amandine Fouquenet oder Krystina Zemanova. Dann muss man sagen, eine WM ist immer speziell. Das hat man die letzten Jahre gesehen.
Was ist ergebnistechnisch drin?
Ich sage einfach mal ein 8. Platz, weil es ihr bestes Resultat in dieser Saison im Weltcup ist (Benidorm). Ich hoffe, sie macht ein Rennen ohne Probleme, ohne Sturz und mit einem guten Start. Dann sehen wir, wo ihre Limits am Tag X sind. Ich habe Vertrauen in sie, aber sie muss auch Vertrauen in sich selbst haben. Sie befindet sich in einer Außenseiterrolle. Niemand hat sie auf der Liste für ein Top-5-Ergebnis. Alles ist möglich.
Loïc hat im Cyclocross noch ein großes Entwicklungspotzenzial
Jempy Drucker
über Loïc Bettendorff
Im Elite-Rennen der Männer startet Loïc Bettendorff. Was ist für ihn drin?
Es ist stark, was er am Sonntag in Hoogerheide gezeigt hat (31. beim letzten Lauf des Weltcups). Ihm fehlt noch etwas internationale Erfahrung. Ich hoffe, dass ihm diese Saison die Augen öffnet, denn er hat im Cyclocross noch ein großes Entwicklungspotenzial. Es ist seine erste internationale Saison, und an einem guten Tag fährt er nicht weit vom Top-30-Bereich entfernt. Das ist interessant für die Zukunft.
Zum ersten Mal schickt die FSCL außerdem eine Staffel an den Start. Wie kam es dazu?
Die Fahrer waren sehr enthusiastisch für die Staffel. Als wir die Selektion gesehen haben, haben wir gemerkt, dass wir eine Staffel an den Start schicken können. Wir mussten die Fahrer überzeugen, aber das ging schnell. Ich meine, dass es eine gute Disziplin für die Homogenität der Mannschaft ist. Du kannst außerdem ohne viel Druck in die WM starten. Der positivste Faktor ist für mich aber, dass du den Parcours schon unter Wettbewerbsbedingungen kennenlernst. Du machst eine Runde „a bloc“. Das ist was anders als nur eine Streckenbesichtigung. Du siehst, wo es schwierig wird, wo du einen Unterschied machen kannst und wo du dich erholen kannst. Dann ist es nur eine Runde von acht Minuten. Das ändert nichts an einem Rennen am Samstag.
Wie sieht die Reihenfolge der Radsportler bei der Staffel aus?
Wir können die Reihenfolge frei wählen. Es ist möglich, dass ich June (Nothum) als Erste aufstelle, und es ist möglich, dass sie zum Beispiel neben (Mathieu) Van der Poel steht (er lacht) (van der Poel ist bei der Mixed-Staffel nicht am Start, für die Niederländer startet als Männer-Elite-Radsportler Tibor del Grosso). Wir werden die Startreihenfolge am Donnerstagabend festlegen. Wir haben noch keine Erfahrungswerte. Ich habe letztes Wochenende in Hoogerheide mit anderen Nationaltrainern darüber gesprochen, um zu sehen, wie sie es organisieren. Der erste Radsportler fährt um 13.30 Uhr los, aber der Vierte kann gegen 14 Uhr los: Wie machst du das mit dem Aufwärmen und allem drum herum? Die großen Nationen – Belgien, die Niederlande, Frankreich, Italien – werden da sein. Sie haben mehr Erfahrung als wir. Ich habe kein konkretes Ergebnis im Kopf. Wir entdecken diesen Wettbewerb und werden uns gut vorbereiten.