Fußball
Italien holt Mancini als Nationaltrainer zurück
Nach der verpassten Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2026 befindet sich Italiens Fußball im Umbruch. Als neuer Mann an der Seitenlinie soll nun Roberto Mancini die Nation zu alter Stärke zurückführen.
Roberto Mancini soll Italien zu alter Stärke zurückführen Foto: dpa/Mike Egerton
Die Suche nach einem neuen Fußball-Nationaltrainer für Italien steht nach langem Hin und Her vor dem Ende. Nach übereinstimmenden Medienberichten kehrt Ex-Trainer Roberto Mancini zurück, der die Squadra Azzurra 2021 zur Europameisterschaft geführt hatte. Dies teilte der Präsident des Fußballverbands, Giovanni Malagò, in einer Sitzung in Rom mit, wie Italiens große Sportzeitung La Gazzetta dello Sport und andere Medien berichteten. Neuer Technischer Direktor des Verbands und damit auch der A-Auswahl soll demnach der frühere Trainer von AS Rom, Claudio Ranieri, werden.
Der Posten des Commissario Tecnico (wie der Nationaltrainer in Italien offiziell heißt) war bereits seit Anfang April vakant. Damals musste der bisherige Coach Gennaro Gattuso zurücktreten, weil der viermalige Weltmeister zum dritten Mal nacheinander in der WM-Qualifikation gescheitert war. Die intensive Suche nach einem Nachfolger begann dann vor einigen Wochen. In den vergangenen Tagen entwickelte sich die Angelegenheit jedoch zum Chaos.
Pirlo scheitert an Russland-Kontakten
Zunächst sagte vergangene Woche der Überraschungs-Wunschkandidat ab, der frühere Barcelona-, Bayern- und Manchester-City-Trainer Pep Guardiola. Als Zweitlösung war dann Andrea Pirlo im Gespräch, der Italien 2006 in Deutschland als Spielmacher zum WM-Titel geführt hatte. Ihm wurden jedoch zu enge Kontakte nach Russland zum Verhängnis: Pirlo trainiert derzeit in Dubai den United FC, der einem russischen Milliardär gehört. Zudem macht er Werbung für einen russischen Wettanbieter und war mitten im Ukraine-Krieg zu Autogrammstunden in Moskau.
Nach Berichten verschiedener Zeitungen legte Verbandspräsident Malagò deshalb gegen Pirlo sein Veto ein. Auch aus der italienischen Politik hatte es massive Kritik an einer solchen Verpflichtung gegeben. Daraufhin erklärten wiederum der erst vor zwei Wochen verpflichtete Technische Direktor Paolo Maldini und dessen Berater Leonardo – beides ehemalige Weltklassespieler – ihren Rücktritt von ihren Verbandsämtern. Die beiden hätten Pirlo trotz allem wohl gern verpflichtet. Im Gespräch war ein Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 mit einem Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro, zuzüglich Erfolgsprämien.
Mit Mancini zurück zu alter Größe?
Jetzt soll offensichtlich Mancini die Squadra Azzurra zurück zu alter Größe führen – auch ein persönlicher Freund des Verbandspräsidenten. Der 61-Jährige war bereits Nationaltrainer von 2018 bis 2023. Sein Ruf in der Heimat leidet allerdings bis heute darunter, dass er sich vor drei Jahren trotz eines bestehenden Vertrages urplötzlich als Nationaltrainer nach Saudi-Arabien verabschiedete – angeblich mit einem Vierjahresvertrag für 25 Millionen Euro pro Saison. Er blieb jedoch nur etwas mehr als ein Jahr. Dann wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein Al-Sadd.
Als Spieler stand Mancini in den 1980er- und 1990er-Jahren bei Sampdoria Genua im Sturm auf dem Platz. Viermal gewann er den italienischen Pokal, einmal die Meisterschaft. Später spielte er bei Lazio Rom und in England bei Leicester City. Als Vereinscoach holte er mit Inter Mailand und Manchester City nationale Meisterschaften. Die nächsten Spiele für Italien sind Ende September in der Nations League gegen Belgien sowie die Türkei und dann gegen Frankreich.
Ranieri soll Technischer Direktor werden
Als Technischen Direktor soll Mancini den Berichten zufolge im Verband den 74 Jahre alten Ranieri zur Seite bekommen, der nach mehr als einem Dutzend Stationen im In- und Ausland zuletzt bis vergangenes Jahr die AS Rom trainierte. Zwischenzeitlich war für den Posten auch ein Europameister von 2006 im Gespräch, Giorgio Chiellini. Der 41-Jährige erklärte jedoch, er sei mit seiner Arbeit als Manager bei Juventus Turin glücklich.