Fußball

Infantinos Kampf um die Macht: FIFA-Boss sucht und findet Verbündete

Gianni Infantino wirbt unnachgiebig um Sympathien und Rückhalt. Der Druck auf ihn kommt weiter vor allem aus einer Richtung.

Von deutlicher Wertschätzung bis Rücktrittsforderungen war in dieser Woche alles dabei

Von deutlicher Wertschätzung bis Rücktrittsforderungen war in dieser Woche alles dabei Foto: AFP

Gianni Infantino überträgt das antike Machtprinzip „Teile und herrsche“ in diesen Tagen ins Social-Media-Zeitalter. Der angeschlagene FIFA-Präsident informiert bei Instagram einem Liveticker gleich über jegliche belegbare Unterstützung eines Fußballverbandes oder Funktionärs. Die Botschaft: Seht her, wo ich überall (weiterhin) Vertrauen genieße!

„Nicht notwendig, immer einer Meinung zu sein“

Nach der Rückendeckung durch eine nicht näher definierte Gruppe von FIFA-Köpfen scheint sich der Weltverbandsboss im Kampf um den Machterhalt unter den 211 Mitgliedsverbänden Kredit zurückzuholen – um bis zur Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr doch noch einmal die Mehrheit hinter sich zu bringen?

In Kolumbien, wo der Global Player aus der Schweiz am Freitag der Amtseinführung des ultrarechten Präsidenten Abelardo de la Espriella beiwohnte, erfuhr er eine knappe Woche nach dem geräuschvollen Aus seiner Investorenpläne jedenfalls deutlichste Wertschätzung.

Alejandro Dominguez, Präsident des südamerikanischen Kontinentalverbandes Conmebol, betonte in Cali die Verdienste Infantinos und warb zugleich für einen konstruktiven Umgang innerhalb des internationalen Fußballs. Man könne „die großartige Arbeit von Infantino nicht ignorieren“, sagte der Paraguayer und blickte in die (gemeinsame) Zukunft: „Wir müssen weiterhin durch Dialog für den Fußball arbeiten.“ Dabei sei es „gar nicht notwendig, immer einer Meinung zu sein“.

CAF steht weiter hinter Infantino

Mit seinen Äußerungen stellte sich der Conmebol-Boss also klar hinter den FIFA-Präsidenten, der nach seinem gescheiterten Projekt des Verkaufs von WM-Anteilen Fehler zugegeben und um Entschuldigung gebeten hatte. Anders als bei der europäischen UEFA zeigte das in Südamerika offenbar Wirkung. Auch die Verbände aus Argentinien und Paraguay, Venezuela und Ecuador schlossen sich der Linie des Kontinentalverbandes ausdrücklich an. Der afrikanische Verband CAF mit seinen 54 Mitgliedern steht ohnehin wie ein Monolith an der Seite Infantinos.

Generell ist festzuhalten: Viele, die von dem vermeintlichen Alleingang des FIFA-Bosses aufgeschreckt bis angewidert waren, sind schnell weich geworden.

Abfindung für eine Geliebte?

Ausgerechnet in Infantinos europäischer Heimat ist der Widerstand dagegen ungebrochen. Der Kontinentalverband UEFA – dessen Generalsekretär Infantino sieben Jahre lang bis zu seiner FIFA-Krönung im Jahr 2016 war – mit seinen 55 Mitgliedern hält an einem möglichen Boykott der Weltmeisterschaft fest. Das Druckmittel: Sechs der acht WM-Viertelfinalisten von 2026 kamen aus Europa, drei der vier Halbfinalisten – und letztlich auch der Weltmeister. Was also ist der FIFA-Bestseller Männer-WM ohne Europa wert?

Norwegens Fußballverband NFF um Präsidentin Lise Klaveness forderte am Freitag explizit den Rücktritt Infantinos, dem der renommierte Telegraph nun unterstellte, er habe 2011 als UEFA-Mitarbeiter für eine angebliche Geliebte eine überaus großzügige Abfindung ausgehandelt.

Während ein FIFA-Sprecher gegenüber der renommierten englischen Zeitung jegliche Vorwürfe dementierte, räumte die UEFA auf SID-Anfrage ein, sich der Vorwürfe bewusst zu sein und eine Abfindung gezahlt zu haben. „Die Zahlung erfolgte im Einklang mit den damals geltenden Bestimmungen für ausscheidende Mitarbeiter“, hieß es weiter, die Bestimmungen seien aber „seit 2016 verschärft“ worden.

Keine Antwort

In jenem Jahr stieg Infantino, mittlerweile 56, bei der FIFA zur mächtigsten Person im Fußball auf. Er erweiterte seine Macht kontinuierlich, erschien zwischenzeitlich unangreifbar – bis zu seinem „Ikarus-Moment“. Ob die Privatisierungspläne jemals aufgearbeitet werden – auch um mögliche juristische Verbindlichkeiten und Verantwortlichkeiten aufzudecken? Diese Frage wird noch zu beantworten sein.

Bis auf Weiteres präsentiert sich Infantino in seiner Lieblingsrolle als Botschafter eines vereinenden Spiels. „Es ist eine Freude, heute hier zu sein“, sagte er am Freitag in Kolumbien: „Fußball ist Freude, Fußball ist Glück, Fußball ist Einheit.“

Die Frage eines Journalisten, ob er die Probleme innerhalb der FIFA für beendet halte, beantwortete Infantino nicht.

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