Tour de Luxembourg
Große Namen, neue Etappen und Andy Schlecks Doppelrolle: Das ist die 86. Ausgabe
Am Mittwoch fällt der Startschuss zur 86. Ausgabe der Tour de Luxembourg. Am Freitag haben die Organisatoren um Präsident Andy Schleck das Rennen vorgestellt – und dabei erneut für reichlich Gesprächsstoff gesorgt: Die Strecke, die Favoriten, Schlecks Doppelrolle oder die Luxemburger am Start.
Am kommenden Mittwoch fällt der Startschuss zur 86. Ausgabe der Tour de Luxembourg Foto: Editpress/Gerry Schmit
Andy Schlecks doppelte Rolle
Ende des vergangenen Jahres wurde Andy Schleck als stellvertretender Geschäftsführer des WorldTour-Teams Lidl-Trek vorgestellt. Am 1. August trat er dann die Nachfolge von Luca Guercilena an und ist seither CEO des Teams. Doch kollidiert diese Aufgabe nicht mit seinem Amt als Präsident der Tour de Luxembourg? „Als Lidl-Trek mich gefragt hat, um bei ihnen anzufangen, habe ich ihnen gesagt: Ich kann mit vielem aufhören, aber nicht mit einer Beschäftigung: der Tour de Luxembourg. Sie haben das akzeptiert und waren sogar froh; immerhin ist Lidl auch Sponsor bei der Tour de Luxembourg. Ich muss kommende Woche aufpassen, was ich anziehe, aber es wird ganz sicher mein Skoda-Tour-de-Luxembourg-Shirt sein.“ Weil sein Team in diesem Jahr selbst in Luxemburg an den Start geht, ist Schleck wegen Befangenheit kein Rennleiter mehr. Ansonsten hat sich für den 41-Jährigen wenig verändert. „Ich bin immer noch bei allen Diskussionen und Versammlungen dabei, alles ist wie sonst auch. Ohne das Team dahinter würde das alles aber wie immer nicht funktionieren.“
Wie Andy Schleck die Zeit bei Lidl-Trek bis jetzt erlebt
„Es ist viel mehr Arbeit, als ich erwartet habe“, schmunzelt der Tour-de-France-Sieger von 2010. „Aber das ist doch immer so. Für uns war es ein kompliziertes Jahr und auch für mich. Mit dem Abgang von Luca wurde ich im August CEO. Ich muss viel hin- und herreisen, Sponsoren in den USA besuchen, aber gleichzeitig muss ich mich auch nach Radsportlern für das nächste Jahr umsehen und im Team Präsenz zeigen.“ Schleck gibt dabei auch private Einblicke. „Am meisten gelitten hat unter dem Job meine Familie. Ohne meine Frau wäre das alles nicht möglich, was ich tue.“
Die Etappen
701,3 Kilometer werden in den fünf Tagen bewältigt. Andy Schleck ist dabei vor allem eines wichtig: Die Rundfahrt soll wie in den Jahren zuvor möglichst lange offen bleiben. „Das ist uns immer gut gelungen. In diesem Jahr denke ich, dass es ehrlicherweise die beste Strecke der letzten Jahre ist.“ Die 1. Etappe ist dabei ein „Copy-Paste“ der vergangenen Jahre. Dabei geht es auch wieder den „Niklosbierg“, den längsten Anstieg des Landes, sowie die Côte de Bourscheid und die Côte d’Eschdorf hinauf. Am zweiten Tag werden zwischen Differdingen/Niederkorn und Junglinster die Sprinter zum Zuge kommen. Die 3. Etappe hingegen ist ganz neu und führt von Wiltz durchs Ösling nach Diekirch. Ein Comeback gibt dann Ettelbrück, das seit 1947 die Tour de Luxembourg nicht mehr begrüßen durfte. In Ettelbrück gibt es ein 20,4 Kilometer langes Einzelzeitfahren, ehe es am letzten Tag auch noch Änderungen in der Gesamtwertung geben kann, wenn es dreimal den „Pabeierbierg“ hinaufgeht.

Tour de Luxembourg-Präsident Andy Schleck (Zweiter von links) bei der Vorstellung am Freitag Foto: Hugo Barthélemy
Die Favoriten
Mathieu van der Poel (Alpecin-Fenix) ist nicht nur das Aushängeschild der diesjährigen Luxemburg-Rundfahrt, sondern auch einer der großen Favoriten. „Ich kenne Mathieus Charakter“, sagt Andy Schleck. „Er kommt, um zu gewinnen.“ Der Weltmeister von 2023 hatte bei seiner ersten Luxemburg-Rundfahrt 2024 die erste Etappe gewonnen und das Gelbe Trikot erst am letzten Tag verloren. Doch auch UAE hat mit dem Spanier Igor Arrieta, der in diesem Jahr eine Giro-Etappe gewann, ein starkes Team aufgeboten. „Ich weiß nicht, welche Beziehung UAE mit Luxemburg hat“, schmunzelt Andy Schleck. „Aber sie kommen jedes Jahr mit starken Radsportlern hierher, die hier gewinnen wollen.“ Mit dabei hat UAE in diesem Jahr auch Nils Politt, der kürzlich die letzte Etappe der Tour of Britain (2. Pro) gewann. Auch der Giro-Gesamtsieger von 2020, Tao Geoghegan Hart, ist genau wie sein Mannschaftskollege Sören Kragh Andersen (beide Lidl-Trek), zweifacher Tour-Etappensieger, am Start. Nicht zu vergessen der Mailand-Sanremo-Sieger von 2021, Jasper Stuyven (Soudal Quick-Step) sowie Davide Piganzoli (Visma-Lease a Bike), der in diesem Jahr Achter beim Giro und 14. bei der Tour wurde.

Mathieu van der Poel war bereits 2024 Teil der Tour de Luxembourg Foto: Editpress/Gerry Schmit
Die Luxemburger
Insgesamt sind acht Luxemburger am Start – und Andy Schleck traut vor allem Mathieu Kockelmann einiges zu. „Auch wenn ich nicht Luxemburger wäre – und vor allem wenn Mathieu Van der Poel nicht dabei wäre – würde ich sagen, dass Mathieu Kockelmann der große Favorit auf der 2. Etappe ist. Ein Sprint ist aber immer schwierig. Es ist nicht wie eine Bergetappe, bei der der beste Bergfahrer gewinnt. Im Sprint kommt immer viel zusammen, aber Mathieu Kockelmann ist die luxemburgische Hoffnung.“ Neben Kockelmann wurden Mats Berns, Loïc Bettendorff, Larry Valvasori, Noé Ury und Luc Wirtgen für die Nationalmannschaft nominiert. Vom Kontinental-Team Lotto Kern-Haus Outlet Montabaur sind außerdem Arno Wallenborn und Alexandre Kess am Start. Ihr Teamkollege Mil Morang hingegen konzentriert sich auf die WM in Kanada.
Im Überblick
Die Etappen der Tour de Luxembourg 2026:
Mittwoch, 16. September: 1. Etappe: Luxemburg-Knuedler – Luxemburg-Fëschmaart (157,5 km)
Donnerstag, 17. September: 2. Etappe: Differdingen – Junglinster (166,8 km)
Freitag, 18. September: 3. Etappe: Wiltz – Diekirch (179,6 km)
Samstag, 19. September: 4. Etappe: Einzelzeitfahren in Ettelbrück (20,4 km)
Sonntag, 20. September: 5. Etappe: Mersch – Luxemburg-Limpertsberg (177,0 km)
Die luxemburgischen Fahrer:
Arno Wallenborn, Alexandre Kess (beide Lotto Kern-Haus Outlet Montabaur), Mathieu Kockelmann, Mats Berns, Loïc Bettendorff, Larry Valvasori, Noé Ury, Luc Wirtgen (alle Nationalmannschaft)
Die fehlenden Luxemburger
Mit Bob Jungels (Netcompany Ineos), Alex Kirsch (Cofidis), Kevin Geniets (Groupama-FDJ) und Landesmeister Arthur Kluckers (Tudor) fehlen gleich mehrere große luxemburgische Namen. Ihre Teams sind nicht in Luxemburg am Start, für die Nationalmannschaft gab es keine Freigabe. „Ich bin nicht derjenige, der die Rennprogramme der Fahrer macht“, sagt Andy Schleck. „Aber wir haben bei den Teams natürlich angefragt, dass sie herkommen. Wenn es nach mir ginge, hätten wir alle Luxemburger hier. Man muss aber verstehen, dass Alex (Kirsch) ein sehr wichtiger Fahrer für Cofidis ist. Sie haben sich entschieden, dass er Rennen in Italien fahren soll, um Punkte für das Team einzufahren. Bob (Jungels) hat kürzlich sein Karriereende angekündigt und will bis Jahresende dem Team treu bleiben.“ Kluckers hingegen konzentriert sich nach seinem Aus bei der Vuelta auf das Zeitfahren der WM, das am selben Tag wie die letzte Etappe der Tour de Luxembourg ausgetragen wird.
Die Pläne für ein Damen-Rennen
Bereits im vergangenen Jahr ließ Andy Schleck erstmals aufhorchen, als er von einem möglichen Rennen für Frauen sprach. Die Pläne seien inzwischen konkreter geworden, etwas zu vermelden gibt es laut dem 41-Jährigen aber noch nicht. „Wir machen große Fortschritte. Wir werden auch in den nächsten Wochen viele Besprechungen haben.“ Schleck visiert dabei bereits eine erste Austragung im kommenden Jahr an. In welchem Format – Etappenrennen oder Eintagesrennen – ist allerdings noch offen. Tageblatt-Informationen zufolge möchte die Tour de Luxembourg mit dem SaF Zéisseng zusammenarbeiten, der die beiden Eintagesrennen beim Festival Elsy Jacobs organisiert.
Veränderte Uhrzeiten
Anders als in den vergangenen Jahren werden die Etappen der Tour de Luxembourg in diesem Jahr später beginnen und somit auch später enden. Der Startschuss für die erste Etappe fällt beispielsweise um 14.45 Uhr, die Ankunft wird gegen 18.30 Uhr erwartet. Auch die zweite und dritte Etappe sollen gegen 18.30 Uhr enden. Das Zeitfahren endet um 18.25 Uhr, nur die letzte Etappe wird bereits gegen 16.30 Uhr beendet sein. Grund dafür sind die TV-Slots, von denen sich die Organisatoren mehr Zuschauer versprechen. „Wir hoffen, dass mehr Zuschauer nach Feierabend einerseits einschalten, andererseits haben so aber auch mehr Zuschauer die Möglichkeit, noch an die Strecke zu kommen“, sagt Andy Schleck.