Weltmeisterschaft
Deutsche Basketballerinnen im Rausch: „Delulu“ Richtung Titel
Die deutschen Basketballerinnen spielen erstmals überhaupt um eine WM-Medaille. Nach dem Sensationssieg gegen Belgien scheint alles möglich.
Deutschland hat bereits eine Überraschung geschafft Foto: AFP
Leonie Fiebich war nach dem Basketball-Wunder von Berlin „ready für ein Bierchen und bisschen feiern“, Nyara Sabally träumte von „Eisbad und Döner“ und Lehrerin Alexandra Wilke durfte sogar Schule schwänzen. Einige der deutschen Medaillenjägerinnen gönnten sich zur Belohnung für den historischen Halbfinaleinzug bei der Heim-WM schon im Mannschaftsbus ein wohlverdientes Kaltgetränk. Die ganz große Party soll aber am Sonntag folgen. Ist nach dem Sensations-Coup gegen Belgien auch Gold möglich?
„Wir sind nicht zu unterschätzen, sind kein Underdog mehr. Alle haben uns jetzt im Visier. Mit uns ist nicht zu spaßen“, sagte Schlüsselspielerin Fiebich: „Jetzt muss man anfangen, ein bisschen ‚delusional‘ (dt. wahnhaft/d. Red.) zu sein, den Schwung mitzunehmen. Erstmals könnten Basketballerinnen aus der Bundesrepublik eine WM-Medaille gewinnen. Zwingen Fiebich und Co. am Samstag (16.30 Uhr) auch Frankreich in die Knie, geht es einen Tag später tatsächlich um den Titel. Im zweiten Halbfinale trifft Topfavorit USA auf Spanien.
Bundestrainer Olaf Lange fand sich am Donnerstag nach dem rauschhaften 93:74 (42:35) im Viertelfinale gegen den belgischen Europameister irgendwo zwischen Demut und Euphorie wieder, von seiner Frau und Australien-Headcoach Sandy Brondello gab es im Bauch der Arena eine dicke Umarmung. „Ich bleibe immer da, wo ich gerade bin, ich denke nicht so viel nach. Ich glaube, dass wir auf jeden Fall Medaillenchancen haben“, sagte Lange. Zum ersten Mal seit EM-Bronze 1997 greifen die DBB-Frauen nach Edelmetall bei einem großen Turnier.
Mit den bestens eingespielten Französinnen um WNBA-Star Gabby Williams, die Deutschland 2024 im olympischen Viertelfinale besiegt hatten, wartet nun der nächste Hammergegner – neben den USA wahrscheinlich der große Gold-Favorit. Die Deutschen, die am Samstag auf die Unterstützung der über 12.000 Fans in der ausverkauften Halle bauen können, geben sich jedoch selbstbewusst. Ihr Team, sagte Nyara Sabally bei MagentaTV, würde Frankreich noch etwas schulden, „weil wir auch schon oft gegen die verloren haben. Deswegen ist es richtig cool, auf so einer Bühne auf sie zu treffen und schlagen zu können.“
Und dann wäre Silber bereits sicher. Zwar war eine Medaille im Vorfeld auch das Turnierziel gewesen, aber Rückschläge wie die verletzungsbedingte Absage von Ausnahmespielerin Satou Sabally oder die krachende Auftaktpleite gegen Spanien (53:83) drückten die Stimmung. All die Dämpfer waren nach dem überwältigenden Auftritt gegen die Belgierinnen um Topstar Emma Meesseman aber vergessen. War dies der bislang größte Sieg in der Geschichte des deutschen Frauen-Basketballs? „Bis hierhin würde ich sagen: Ja“, sagte Wilke, die in den letzten Minuten des Belgien-Spiels Gänsehaut gehabt habe.
Die gebürtige Berlinerin vom deutschen Meister Rutronik Stars Keltern bringt der deutsche Erfolgslauf derweil durchaus in Terminschwierigkeiten. Eigentlich hätte die 29-Jährige, die nebenbei noch Mathe und Sport an einem Karlsruher Gymnasium unterrichtet, am Freitag schon eine Konferenz für das neue Schuljahr gehabt.
„Aber das ist okay, darf ich verpassen“, sagte Wilke. Und wenn sie Frankreich besiegen? Natürlich gibt es auch dafür einen Plan. „Mir wurde auch schon gesagt“, so Wilke, „wenn wir im Finale stehen, weil Montag würde eigentlich die Schule wieder losgehen, dann sprechen wir auch nochmal über Montag.“
Doch schon jetzt hat Basketball-Deutschland, seit den WM- und EM-Titeln der Männer erfolgsverwöhnt, wieder Grund zum Feiern.