Formel 1

„Grazie a tutti“: Hamilton siegt im Ferrari – Antonelli raus

Lewis Hamilton raste über die Ziellinie, fasste sich mit beiden Händen an den Helm und schüttelte den Kopf – dank einer herausragenden Vorstellung hat der Rekordweltmeister den Grand Prix von Katalonien gewonnen und damit endlich den ersehnten ersten Sieg im Ferrari gefeiert. „Grazie a tutti“, rief er in den Funk und wandte sich an sein Team: „Danke, dass ihr mir geholfen habt, diesen Traum zu erreichen!“

Lewis Hamilton feiert ersten Formel-1-Sieg im Ferrari-Rennanzug auf der Siegertribüne

Lewis Hamilton durfte zum ersten Mal in Ferrari-Kleidung einen Formel-1-Sieg bejubeln Foto: AFP/Lluis Gene

Fast zwei Jahre musste Lewis Hamilton auf diesen Moment warten. In Barcelona fuhr der Brite ein perfektes Rennen und feierte eine emotionale Premiere.

Tief gerührt ging Lewis Hamilton nach seiner ersten Formel-1-Triumphfahrt im Ferrari kurz in die Knie, dann ließ er sich von fast jedem im Zielraum herzen. Nach einer Geduldsprobe von 686 Tagen hat der Rekordweltmeister in Barcelona wieder einen Grand Prix gewonnen, erstmals gelang ihm das für die Scuderia. „Es gibt einfach nichts Besseres“, schwärmte der 41-Jährige nach seinem 106. Rennsieg in der Königsklasse. „Die waren alle besonders, aber dieser hier ist etwas Außerordentliches“, sagte der Brite.

Mit etwas Hilfe von einem virtuellen Safety-Car verwies Hamilton seinen früheren Mercedes-Stallgefährten George Russell auf Platz zwei. Dritter wurde Weltmeister Lando Norris im McLaren – so standen drei Briten auf dem Podium. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli schied nach zuletzt fünf Siegen in Serie wegen eines technischen Defekts kurz vor Schluss aus. Im siebten WM-Lauf der Saison fuhr damit erstmals kein Silberpfeil als Erster ins Ziel.

„Eine unmögliche Reise“

Hamilton profitierte von einer gewagten Boxenstopp-Strategie und durfte sich zum ersten Mal seit dem 28. Juli 2024 wieder als Grand-Prix-Gewinner bejubeln lassen. „Ich kann euch nicht genug danken“, funkte er an die Box. Nach einer enttäuschenden Premieren-Saison bei Ferrari ist der siebenmalige Champion wieder voll da.

„Ich habe letztes Jahr einen Traum begonnen. Es sah nach einer unmöglichen Reise aus. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, wie es wäre, in diesem Auto zu gewinnen“, sagte Hamilton. In der Gesamtwertung festigte er seinen zweiten Platz, 41 Zähler liegt er noch hinter dem Italiener Antonelli. „Ich bin jetzt einfach glücklich“, sagte Hamilton.

Russell im 100. Mercedes-Rennen zunächst vorn

Erstmals in dieser Saison hatte der 19 Jahre alte Überflieger Antonelli die erste Startreihe für einen Grand Prix verpasst. In der packenden Qualifikation musste er sich mit Platz drei begnügen. Für Russell sollte die Pole-Position für seinen 100. Grand Prix im Mercedes der lange ersehnte Schub sein, nachdem er zuletzt immer mehr von seinem jungen Teamrivalen abgehängt worden war.

Russell verteidigte die Führung durch die ersten Kurven. Hamilton hatte sich anders als die Mercedes-Fahrer für einen weicheren und damit vermeintlich zunächst schnelleren Reifensatz entschieden, kam aber zunächst nicht an Russell vorbei.

Eine Woche nach dem am Ende etwas chaotischen Rennen in Monaco hofften die Teams diesmal auf störungsfreie Boxenstopps. In Monte Carlo hatte es für eine Reihe von Fahrern Zeitstrafen wegen zu hohen Tempos in der Boxengasse gegeben. Anscheinend gab es jedoch technische Fehler bei der Messung, sodass Alpine-Pilot Pierre Gasly nach einem Protest mit fünf Tagen Verspätung noch der dritte Platz zuerkannt wurde.

Dieses Mal hatte der Franzose mit den vorderen Plätzen nichts zu tun. Russell verteidigte auch nach den ersten Reifenwechseln seine Führung vor Hamilton, dem mit Startplatz zwei das beste Qualifikationsergebnis seit seinem Wechsel von Mercedes zu Ferrari im Vorjahr gelungen war. Dahinter folgten Antonelli und Weltmeister Lando Norris im McLaren jeweils in Schlagdistanz.

Safety-Car hilft Hamilton

Zunehmend entwickelte sich das Rennen zum Strategie-Schachspiel. Hamilton holte sich in der 28. Runde zum zweiten Mal frische Reifen, fuhr auf einer Drei-Stopp-Taktik und wollte am Ende attackieren. Vorn schloss Antonelli zu Russell auf, kam aber nicht vorbei. Am Funk warnten die Mercedes-Ingenieure ihre Fahrer vor unbedachten Manövern. Schon in Kanada hatten sich beide ein teils knallhartes Duell um die Spitze geliefert, ehe Russell ausschied.

Nach dem zweiten Boxenstopp der Mercedes-Piloten neigte sich das Geschehen dann plötzlich zugunsten von Hamilton. Altmeister Fernando Alonso musste seinen Aston Martin bei seinem vielleicht letzten Barcelona-Gastspiel mit einem Defekt abstellen. Das Feld wurde von einem virtuellen Safety-Car eingebremst. Hamilton nutzte die Chance, um noch einmal an die Garage zu fahren – und blieb danach Erster.

„Du bist ganz vorn“, meldete die Box an den 41-Jährigen. „Guter Job, Jungs“, dankte dieser. Auch eine Ermittlung wegen eines möglichen Vergehens unter gelber Warnflagge blieb für den Rekordchampion folgenlos. Mit frischen Reifen und einem dieses Mal superschnellen Ferrari eilte Hamilton auf und davon.

Die Mercedes-Piloten konnten nicht mehr folgen. Antonelli zwängte sich wenige Runden vor Schluss noch an Russell vorbei, blieb aber wenig später stehen.

Im Überblick

Großer Preis von Katalonien, 7. von 22 Läufen zur Formel-1-WM 2026, 66 Runden = 307,236 km: 1. Lewis Hamilton (Großbritannien) Ferrari 1:32:28,105 Stunden (199,356 km/h im Schnitt), 2. George Russell (Großbritannien) Mercedes 19,561 Sekunden zurück, 3. Lando Norris (Großbritannien) McLaren 23,719, 4. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull 40,497, 5. Oscar Piastri (Australien) McLaren 58,661, eine Runde zurück: 6. Isack Hadjar (Frankreich) Red Bull, 7. Pierre Gasly (Frankreich) Alpine, 8. Franco Colapinto (Argentinien) Alpine, 9. Liam Lawson (Neuseeland) Racing Bulls, 10. Arvid Lindblad (Großbritannien) Racing Bulls, zwei Runden zurück: 11. Gabriel Bortoleto (Brasilien) Audi, 12. Carlos Sainz (Spanien) Williams, 13. Esteban Ocon (Frankreich) Haas, drei Runden zurück: 14. Sergio Perez (Mexiko) Cadillac
Ausgeschieden: Lance Stroll (Kanada) Aston Martin (5./Defekt), Valtteri Bottas (Finnland) Cadillac (15. Runde/Defekt), Nico Hülkenberg (Deutschland) Audi (29./Defekt), Fernando Alonso (Spanien) Aston Martin (37./Defekt), Alexander Albon (Thailand) Williams (55./Defekt), Oliver Bearman (Großbritannien) Haas (60./Defekt), Kimi Antonelli (Italien) Mercedes (61./Defekt), Charles Leclerc (Monaco) Ferrari (62./Defekt)
Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton 1:20,122 Minuten (44. Runde)
Fahrerwertung: 1. Kimi Antonelli 156; 2. Lewis Hamilton 115; 3. George Russell 106; 4. Charles Leclerc 75; 5. Lando Norris 73; 6. Oscar Piastri 68; 7. Max Verstappen 55; 8. Pierre Gasly 41; 9. Isack Hadjar 34; 10. Liam Lawson 26; 11. Franco Colapinto 19; 12. Oliver Bearman 18; 13. Arvid Lindblad 12; 14. Carlos Sainz 6; 15. Alexander Albon 5; 16. Esteban Ocon 3; 17. Gabriel Bortoleto 2; 18. Fernando Alonso 1
Teamwertung: 1. Mercedes 262 Punkte, 2. Ferrari 190, 3. McLaren-Mercedes 141, 4. Red Bull 89, 5. Alpine-Mercedes 60, 6. Racing Bulls-Red Bull 38, 7. Haas-Ferrari 21, 8. Williams-Mercedes 11, 9. Audi 2, 10. Aston Martin- Honda 1 (SID)

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