Tour de France

Gigantenduell mit Vingegaard: Pogacar jagt die magische „Fünf“

Tadej Pogacar will bei der Tour de France in den Kreis der Rekordsieger aufsteigen. Kann Jonas Vingegaard den historischen fünften Titel verhindern?

Tadej Pogacar startet selbstbewusst in die Tour de France 2024, bereit für den Sieg im Radrennen

Tadej Pogacar beginnt die Tour de France mit „großem Selbstvertrauen“ Foto: AFP/Jeff Pachoud

Das schiere Mittelmeer-Idyll kennt Tadej Pogacar nur zu gut aus seiner Wahlheimat Monaco. Und so genoss der Superstar des Radsports am Donnerstag in Barcelona vor gewohnter Kulisse und in entspannter Vorfreude die letzten ruhigen Momente vor dem Start der Tour de France. „Ich fühle mich toll“, teilte der Slowene knapp mit. Umgewöhnen muss sich „Pogi“ in den kommenden drei Wochen aber voraussichtlich sehr wohl: Der Weg zu seinem historischen fünften Tour-Titel könnte hart wie nie werden – und der Grund dafür trägt den Namen Jonas Vingegaard.

„Ich habe großes Selbstvertrauen. Alle stehen hinter unserem Plan und sind überzeugt, dass wir die Tour de France gewinnen können“, sagt der dänische Herausforderer. Und aus dem Mund des sonst so zurückhaltenden Vingegaard darf man das getrost als Kampfansage an seinen großen Widersacher interpretieren. Nach seinem überzeugenden Titel beim Giro d’Italia ist er hungrig auf eine Überraschung.

Ein Duell für die Geschichtsbücher

Auf der 3.333 Kilometer langen Tortur kommt es zur nächsten Auflage des großen Radsport-Duells unserer Zeit. Bartali gegen Coppi, Poulidor gegen Anquetil, LeMond gegen Fignon, Armstrong gegen Ullrich, Contador gegen Andy Schleck – all diese Zweikämpfe haben die reiche Tour-Geschichte geprägt, doch keines dieser Duos war je so dominant wie Pogacar und Vingegaard.

Fünfmal traten die beiden seit 2021 gemeinsam bei der Frankreich-Rundfahrt an, fünfmal teilten sie die ersten beiden Plätze unter sich auf. 2021, 2024 und 2025 siegte Pogacar, der bereits 2020 in der Vor-Vingegaard-Ära triumphiert hatte. 2022 und 2023 ließ jedoch der Däne dem Slowenen keine Chance.

Nun also folgt Duell Nummer sechs, vorausgesetzt, alles läuft, wie es die meisten Experten erwarten. Dass der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz oder das französische Wunderkind Paul Seixas ernsthaft in den Titelkampf eingreifen können, glauben (noch) die wenigsten.

Vingegaard in den vergangenen Jahren ohne Chance

Zur Wahrheit dieses Duells gehört auch, dass Vingegaard in den vergangenen beiden Jahren (teils angeschlagen) quasi chancenlos war. 2024 fehlten ihm in der Gesamtwertung mehr als sechs, 2025 mehr als vier Minuten auf den Slowenen.

Diesmal hat Pogacar ein bisschen mehr zu verlieren, wobei das den stets lebensfrohen Slowenen kaum hemmen wird. Er könnte schließlich mal wieder ein Kapitel Radsportgeschichte schreiben. Erst vier Fahrern ist es gelungen, die wichtigste Rundfahrt der Welt fünfmal zu gewinnen: Jacques Anquetil, Bernard Hinault, Miguel Indurain und dem ewigen Eddy Merckx. Doping-Sünder Lance Armstrong wurden seine sieben Titel bekanntermaßen aberkannt.

Pogacar könnte mit seinen 27 Jahren nun der jüngste Fahrer werden, der zu diesem illustren Zirkel aufschließt. Was der seit Jahren schwelenden Diskussion, ob der beste Radprofi dieser Zeit denn auch der beste der Geschichte ist, gewiss neue Nahrung verleihen würde.

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