Gruppe L
Ghana im Siegesrausch: „Wie Krieger gekämpft“
Trainer Carlos Queiroz lief erstaunlich rüstig für seine 73 Jahre zu den ekstatisch jubelnden Fans und heizte Ghanas WM-Party an, seine Spieler fielen Matchwinner Caleb Yirenkyi um den Hals, und Verteidiger Marvin Senaya und ein Betreuer liefen euphorisch mit der Flagge des westafrikanischen Landes über den Rasen. Man hätte glatt auf die Idee kommen können, die „Black Stars“ seien an diesem regnerischen Abend in Toronto Weltmeister geworden.
Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten Foto: AFP
„Ich denke, die Emotionen, als wir gefeiert haben, sagen alles“, sagte Starspieler Antoine Semenyo von Manchester City. Dabei zelebrierten die Ghanaer lediglich ein 1:0 (0:0) gegen Panama, doch der Last-Minute-Sieg zum Turnierauftakt hatte eine erlösende Wirkung. „Es war so tough und intensiv, dass sogar ich müde bin“, gab Queiroz, ein Veteran seines Fachs, der nun wirklich alles erlebt hat, unumwunden zu.
Der Treffer des erst 20 Jahre alten Yirenkyi in der fünften Minute der Nachspielzeit entschädigte für ein lange maues Spiel, in dessen erster Halbzeit Ghana überhaupt nicht stattgefunden hatte. Panama war klar die bessere Mannschaft gewesen, ehe sich Semenyo und Co. nach der Pause massiv steigerten. „Zuerst mussten wir leiden, wir haben wie Krieger gekämpft“, sagte Queiroz bei ITV: „Wir haben das Spiel mit Köpfchen gewonnen.“
Nun wartet England
Ghana darf nun weiter träumen, bei dieser Weltmeisterschaft möglicherweise erneut eine solche Erfolgsstory zu schreiben, wie es der Generation um Kevin-Prince Boateng 2010 in Südafrika mit dem Viertelfinaleinzug gelungen war - bis heute die beste WM-Leistung in der Geschichte des Landes. Mit drei Punkten liegt Queiroz‘ Team auf Kurs Richtung K.o.-Runde, doch um ganz sicher zu gehen, dürfte es in der Gruppe L gegen die Favoriten England und Kroatien zumindest einen Punkt brauchen.
Nächster Gegner sind am kommenden Dienstag (22.00 Uhr) in Boston die „Three Lions“. Ein besonderes Spiel für Semenyo. Der 26-Jährige wurde in London geboren und trifft auf seine Vereinskollegen Nico O‘Reilly, John Stones und James Trafford. „Das wird anders. Ich freue mich auf die Herausforderung. Jeder im Ghana-Team freut sich darauf. Wir wollen etwas beweisen“, sagte der Flügelspieler.