Tennis

„Frage der Höflichkeit“ bei den US Open: Nehmen Influencer zu viel Einfluss?

Zahlreiche Influencer bevölkern die Anlage der US Open. Einige von ihnen stören die Tennisprofis – und sorgen damit für Diskussionen.

Naomi Osaka zeigt sich von den vielen Influencern auf den Tribünen der US Open genervt

Naomi Osaka zeigt sich von den vielen Influencern auf den Tribünen der US Open genervt Foto: AFP/Chris Smith

Sie tanzen auf der Tribüne, sie posieren im Publikum, sie strahlen mit der New Yorker Spätsommer-Sonne um die Wette: Influencer sind rund um die US Open dieser Tage omnipräsent. Hunderte „Content Creator“ teilen ihre Eindrücke von der Anlage in Flushing Meadows mit Millionen von Internetnutzern auf der ganzen Welt. Und manch einen stören sie dabei gewaltig.

„Wenn man zu einer Sportveranstaltung kommt, muss man den Sport natürlich respektieren“, sagte Naomi Osaka im Verlauf der ersten Turnierwoche. Die viermalige Grand-Slam-Siegerin wollte sich von der allgemeinen Aufregung zwar nicht anstecken lassen, äußerte sich aber doch entschieden. Sie halte es „für eine Frage der Höflichkeit, sich über den Sport zu informieren, insbesondere über die Etikette“, sagte die Japanerin.

Osaka und Becker mit scharfer Kritik

Osaka ist, wenn auch unfreiwillig, zur Symbolfigur geworden für die Kritik am Verhalten mancher Influencer. Der Grund? Eine Szene bei ihrem Erstrundenmatch hatte viele Gemüter besonders erhitzt. Auf Videos ist zu sehen, wie ein knappes Dutzend Zuschauer in Richtung einer Kamera blickt und lautstark eine Art Tanz-Performance ausführt. Nicht etwa während einer Satzpause, nein, mitten in einem laufenden Spiel, das daraufhin kurz unterbrochen werden musste.

„Da wären ein paar Bälle von mir hoch geschossen worden. Da kannst du sicher sein“, tönte die deutsche Tennisikone Boris Becker scherzhaft bei Sporteurope.tv – um dann ernsthaft Kritik zu üben: „Die können nicht machen, was sie wollen. Sie stören die ganze Atmosphäre, den ganzen Spielrhythmus. Influencer hin, Influencer her“, mahnte der einstige Wimbledonsieger.

Um die 100 von ihnen sind in diesem Jahr US-Medienberichten zufolge offiziell als „Content Creator“ akkreditiert – im Vorjahr waren es noch 54 gewesen. Hinzu kommen zahlreiche Privatpersonen, die mit regulären Tickets auf die Anlage kommen, um dann Fotos und Videos zu produzieren und zu posten – natürlich können auch sie für Probleme sorgen.

Veranstalter ändern kaum was

Osaka, das war ihr wichtig zu betonen, hat kein grundsätzliches Problem mit dieser Form der Turnier- und der Selbstvermarktung. Und auch die deutsche Tennisspielerin Eva Lys, selbst sehr aktiv in den sozialen Netzwerken, warb für eine differenzierte Betrachtung. „Die US Open machen das am besten von den Grand Slams, wenn es ums Thema Marketing geht“, sagte Lys. „Man bekommt die Masse fürs Tennis mittlerweile nur durch das ganze Influencen, weil viele Leute einfach die ganze Zeit am Handy sind.“

Der Tenor unter den Profis ist eigentlich relativ einheitlich: Neue Fans generieren über moderne Kommunikationskanäle? Jederzeit gerne – aber bitte nicht so wie während Osakas Match. Einige Influencer scheinen die in New York ja ohnehin schon aufgelockerte Tennis-Etikette einfach nicht zu kennen. Ein laufender Ballwechsel? Für manche kein Grund, auf ein Blitzlichtfoto oder das laute Sprechen vor einer Handykamera zu verzichten.

Der Einsatz von Blitzlicht und hellen Ringlichtern beim Erstellen von Inhalten steht unter den Profis besonders in der Kritik. Der Veranstalter reagierte inzwischen unter anderem mit einem Verbotshinweis auf den Videoleinwänden. An der grundsätzlichen Haltung wird sich aber wohl nichts ändern – zu lukrativ ist das Geschäft für beide Seiten.

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