Olympische Winterspiele

„Fit for the Future“: IOC-Arbeitsgruppe will Vergabeprozess der Spiele verändern

Der Vergabeprozess für die Olympischen Spiele könnte geändert werden, damit beschäftigt sich jedenfalls eine Arbeitsgruppe des IOC.

Eröffnung der Winterspiele 2026 in Mailand am Freitag mit festlicher Zeremonie und Winterthemen

Am Freitag werden die Winterspiele in Mailand offiziell eröffnet Foto: ATP/Qian Jun

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) möchte offenbar den Vergabeprozess künftiger Spiele verändern – was auch Einfluss auf die deutsche Bewerbung um Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 hätte. Wie Kolinda Grabar-Kitarovic, Vorsitzende der Future-Host-Commission, bei der 145. IOC-Vollversammlung in Mailand darlegte, solle der Prozess „transparenter“ und für die Bewerber „kosteneffizienter“ werden.

Beschlossen ist dies noch nicht. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte nach ihrem Amtsantritt im Juni 2025 unter dem Motto „Fit for the Future“ mehrere Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, konkrete Maßnahmen sollen nach derzeitigem Stand im Juni beschlossen werden.

Dennoch hat die IOC-Kommission um Grabar-Kitarovic festgehalten, dass der unter Coventrys Vorgänger Thomas Bach eingeführte Prozess, bei dem die IOC-Exekutive der Vollversammlung einen einzigen zuvor als Favorit ausgemachten Kandidaten zur Abstimmung stellt, Schwächen aufweise. Die Bewertung solle künftig „auf transparenten, im Voraus veröffentlichten Kriterien basieren“, sagte die ehemalige kroatische Staatspräsidentin Grabar-Kitarovic in ihrem Vortrag.

Sportprogramm wird überprüft

Die derzeitige Unterscheidung zwischen kontinuierlichem und zielgerichtetem Dialog könne „zu scharf“ sein, so die Kroatin: „Daher schlagen wir die Einführung einer Übergangsphase vor. Diese Übergangsphase würde eine Shortlist von Interessenten mit fortgeschrittenen Projekten für eine eingehendere Bewertung ermöglichen.“

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „waren sich einig, dass die Beteiligung der IOC-Mitglieder am gesamten Wahlprozess der Austragungsorte der Olympischen Spiele ausgebaut werden sollte“, so Grabar-Kitarovic.

Die Spiele sind bis einschließlich 2034 vergeben, die französischen Alpen (Winter/2030), Brisbane (Sommer/2032) und Salt Lake City (Winter/2034) waren für den zielgerichteten Dialog („targeted dialogue“) auserwählt worden und erhielten die Spiele jeweils mit großer Mehrheit durch die IOC-Vollversammlung zugesprochen. Zuvor war es oft zu Kampfabstimmungen zwischen mehreren Bewerbern gekommen, die es in eine Endauswahl geschafft hatten.

Die Anzahl der Bewerber für die nächsten Ausgaben der Sommerspiele ist durch das IOC nicht bestätigt, immer wieder aber sprach Bach während seiner Präsidentschaft für die Edition 2036 von einer „zweistelligen“ Zahl von Interessenten.

IOC prüft frühere Winterspiele wegen Klimawandels

Das Internationale Olympische Komitee prüft, ob künftige Winterspiele vor dem Hintergrund des Klimawandels bereits im Januar stattfinden könnten. „Vielleicht diskutieren wir auch darüber, die Olympischen Winterspiele etwas nach vorne zu verlegen“, wurde der Österreicher Karl Stoss, IOC-Mitglied und Leiter der Überprüfung des Sportprogramms, zwei Tage vor Beginn der Eröffnungsfeier bei den Winterspielen in Italien von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Eine Verlegung könne dann auch Auswirkungen auf den Termin der Paralympics haben. „Vielleicht finden die Paralympics im Februar statt und die anderen Spiele im Januar. Auch das ist Teil unserer Diskussionen“, äußerte Stoss.

Nach Expertenangaben bedroht der Klimawandel die Wintersport-Wettbewerbe in vielen Regionen. Allein im Olympia-Ort Cortina d’Ampezzo sei die Februar-Temperatur seit den ersten Winterspielen an diesem Ort im Jahr 1956 um 3,6 Grad gestiegen, hatte die gemeinnützige US-Organisation Climate Central in Princeton (New Jersey) in einem Überblick anlässlich der Spiele berichtet. Die Zahl der Frosttage habe dort zugleich um 19 Prozent abgenommen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) – der im September entscheiden will, ob er mit Berlin, München, Hamburg oder Köln-Rhein-Ruhr ins Rennen um die nächsten drei zu vergebenden Sommerspiele geht – ist seit Ende 2025 mit dem IOC im kontinuierlichen Dialog („continuous dialogue“) und damit offizieller Bewerber.

Nach der IOC-Session am Mittwoch treten die Mitglieder der Arbeitsgruppen zu weiteren Beratungen zusammen. Eine beschäftigt sich auch mit der Zukunft des olympischen Sportprogramms. Diesbezüglich hatte Coventry am Dienstag „unbequeme“ Diskussionen angekündigt, ohne konkret zu werden. Mehrere traditionelle Sportarten stehen auf dem Prüfstand, darunter die Nordische Kombination und der Moderne Fünfkampf. Spekuliert wird etwa, dass unter Coventry auch weniger klassische Wintersportarten wie Crosslauf oder Cyclocross ins Programm für Winterspiele rücken könnten. (SID)

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