Olympia
Ein besiegelter Olympia-Fluch: Shiffrin holt Gold im Slalom
Nach acht Jahren des Wartens hat die Königin des alpinen Skisports, Mikaela Shiffrin, ihre olympischen Enttäuschungen hinter sich gelassen: Die Amerikanerin gewann am Mittwoch bei den Olympischen Spielen 2026 in Cortina überlegen die Goldmedaille im Slalom. Mit 30 Jahren holte sie damit ihr drittes Olympia-Gold.
Erleichterung pur: Mikaela Shiffrin hat den Olympia-Fluch besiegelt Foto: AFP/Tiziana Fabi
Als Mikaela Shiffrin ihren Namen auf der Anzeigetafel grün markiert sah, mit der Bestzeit in beiden Durchgängen, blieb sie mehrere Sekunden regungslos stehen, ungläubig. Es wirkte, als müsse sie sich selbst erst davon überzeugen, dass sie tatsächlich Gold gewonnen hatte – 14 Jahre nach ihrem ersten Olympiasieg mit 18 Jahren. Als könne sie endlich wieder aufatmen, nachdem sie 2022 in China enttäuscht worden war und auch bei ihren ersten beiden Rennen in Cortina Probleme gehabt hatte.
Für diesen lange ersehnten Triumph boten die Dolomiten perfekte Bedingungen: strahlender Sonnenschein, kalte Temperaturen und harter Schnee, wie Shiffrin ihn liebt. Die Strecke „Olimpia delle Tofane“ wurde so zu einem roten Teppich in Richtung Olympia-Gold.
Schon nach dem ersten Lauf lag Shiffrin in Führung. Im zweiten Durchgang blieb sie nervenstark und gewann vor der Schweizer Weltmeisterin Camille Rast, die mit 1,50 Sekunden Rückstand Zweite wurde, und der Schwedin Anna Swenn-Larsson, die 1,71 Sekunden zurück auf Platz drei landete.
Die Deutsche Lena Dürr, nach dem ersten Lauf noch Zweite, schied aus, weil sie bereits an der ersten Stange einfädelte. Die Schweizerin Wendy Holdener, die bei früheren Olympischen Spielen im Slalom Silber (2018) und Bronze (2022) gewonnen hatte, verpasste dieses Mal als Vierte knapp das Podium – 1,93 Sekunden hinter Shiffrin.
Bei der Siegerehrung umarmte Shiffrin zunächst ihre Mutter Eileen. Als sie die Goldmedaille entgegennahm, schloss sie lange die Augen, küsste ihre Hand und legte sie auf den Schnee – vermutlich ein Zeichen an ihren Vater, der 2020 plötzlich verstorben war.
Sieben von acht Weltcup-Siegen im Slalom
„Heute bin ich einfach mein Rennen gefahren. Ich wollte zwei gute Läufe zeigen. Jedes Mal, wenn mir das gelingt, ist es auch für mich eine Überraschung. Es ist unglaublich stressig und gleichzeitig macht es so viel Spaß“, erklärte sie. „Meine Mutter zu sehen und an meinen Vater zu denken – das ist immer sehr emotional. Es sind viele Gefühle auf einmal“, sagte die nun dreifache Olympiasiegerin.
Mit diesem Sieg zog sie mit der Schweizerin Vreni Schneider gleich, die bislang als einzige zweimal Olympiasiegerin im Slalom geworden war (1994 und 1998). Shiffrin, die aus Vail in Colorado stammt, war als große Favoritin in das letzte alpine Rennen dieser Olympischen Spiele gegangen. In ihrer Paradedisziplin ist sie in diesem Winter nahezu unschlagbar: Sie gewann sieben von acht Weltcup-Slaloms und wurde einmal Zweite – hinter Camille Rast.
Ihre Olympischen Spiele 2026 hatten jedoch mit einer großen Enttäuschung begonnen: Im Team-Kombinationswettbewerb belegte sie zusammen mit der Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson nur Platz vier. Johnson hatte mit der besten Abfahrtszeit eine perfekte Ausgangslage geschaffen, doch Shiffrin zeigte im Slalom mit nur der 15. Laufzeit eine ihrer schwächsten Leistungen.
Im Riesenslalom wurde sie Elfte. In dieser Disziplin kämpft sie noch mit den mentalen Folgen einer schweren Bauchverletzung, die sie sich im November 2024 beim Rennen in Killington (USA) zugezogen hatte.
Der Titel in Cortina – der zweite für die USA – hilft ihr auch, die enttäuschenden Olympischen Spiele 2022 endgültig hinter sich zu lassen. Damals in China war sie in fünf Rennen gestartet und hatte keine Medaille gewonnen. Unter anderem schied sie im Slalom und Riesenslalom bereits im ersten Lauf aus.