OLympia
„Tut weh“: Olympia-Aus für Deutschlands Eishockey-Stars
Offensiv zu harmlos, defensiv überfordert: Der zarte Medaillentraum der Eishockey-Nationalmannschaft um Star Leon Draisaitl ist laut geplatzt.
Gegen die Slowaken musste sich die deutsche Star-Truppe doch klar geschlagen geben Foto: AFP/Alexander Nemenov
Der Medaillentraum war längst geplatzt, da erhob sich Leon Draisaitl langsam von der Bank, um ein letztes Mal über das Eis in Mailand zu gleiten. Tief enttäuscht holte er sich ein paar Schulterklopfer der siegreichen Slowaken ab, dann verschwand der Superstar aus der NHL mit seinen Teamkollegen in den Katakomben. Das 2:6 (0:1, 1:3, 1:2) im Viertelfinale war der deutsche Schlusspunkt unter ein olympisches Eishockey-Turnier, das mit so großen Hoffnungen begonnen hatte.
„Das waren heute einfach zu viele Fehler, ich weiß nicht, wie viele Konter wir zugelassen haben“, sagte Draisaitl und zog ein bitteres Fazit seiner Olympia-Premiere: „Wir haben nie wirklich zu unserem Spiel gefunden. Wir sind verdient ausgeschieden.“
Pavol Regenda (19., 41.), Milos Keleman, Oliver Okuliar (beide 25.), Dalibor Dvorsky (31.) und Tomas Tatar (56.) hatten für die flinken Slowaken getroffen, die Deutschland – wie schon 2022 in Peking (0:4 in der Viertelfinal-Qualifikation) – aus dem Turnier warfen. Lukas Reichel auf Vorlage von Draisaitl (35.) und Frederik Tiffels (51.) sorgten in Mailand für ein etwas erträglicheres Ergebnis.
Mit sieben NHL-Spielern
Das DEB-Team, 2018 sensationell Silbermedaillengewinner, brachte zu selten im Turnier seine nominelle Power mit sieben NHL-Spielern um den einstigen MVP Draisaitl aufs Eis. Defensiv fehlte dem Team von Bundestrainer Harold Kreis die Qualität in der Breite. Goalie Philipp Grubauer musste zu oft eingreifen. „Wir hatten eine Chance, die wir nicht genutzt haben. Sicher tut das weh“, sagte Draisaitl.
Vor der Reise nach Italien hatte er eine Medaille als Ziel ausgegeben. Umso tiefer saß der erste Frust – dabei hatten die Spiele für Draisaitl so denkwürdig begonnen. Seit seiner Ankunft stand Deutschlands bester Eishockey-Spieler der Geschichte im Fokus. Erst als deutscher Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier, dann als Kapitän und zentrale Figur auf dem Eis. Der Star der Edmonton Oilers rieb sich auf, kreierte Torchancen, doch ihm fehlte die Leichtigkeit – und dem Team der eine Moment, der eine positive Dynamik erzeugt.
Dabei hatte Deutschland Glück, als nach der Vorrunde die Karten neu gemischt wurden und das Turnier praktisch bei null begann: Frankreich wurde in der Viertelfinal-Qualifikation trotz eines Durchhängers im Mitteldrittel 5:1 geschlagen. „Das Halbfinale ist zum Greifen“, sagte Top-Verteidiger Moritz Seider anschließend über die Slowakei, die über weniger NHL-Breite verfügt als Kanada, die USA und Schweden, die es ebenfalls direkt in die Runde der besten Acht geschafft hatten. Doch auch diese Hürde war eindeutig zu hoch. „Es ist sehr bitter, dass wir das heute nicht hinbekommen haben“, sagte Seider.
Doppelschlag innerhalb von 33 Sekunden
Kreis wollte gegen die technisch und körperlich starken Slowaken um NHL-Star und Peking-MVP Juray Slafkovsky (Montréal Canadiens) eine stabile Defensive sehen. Auffälligster Spieler des DEB-Teams war zunächst aber Grubauer (Seattle Kraken), der allein in den ersten 20 Minuten stolze 17 Schüsse auf sein Tor bekam – während seine Vorderleute die wenigen guten Gelegenheiten ausließen.
Im zweiten Drittel begünstigten zwei leichte Abwehrfehler den slowakischen Doppelschlag binnen 33 Sekunden, die mehrheitlich slowakischen Fans in der Arena Santagiulia waren in Partylaune. Trotz des deutlichen Rückstands steckte Deutschland nicht auf, kam aber nicht mehr in Schlagdistanz.
Die Konstellation in dieser Mannschaft sei „historisch“, hatte Kreis (Vertrag bis 2027) vor dem Spiel festgestellt: „Es sind alles Kumpels. Diese Mannschaft wird so wohl nicht wieder zusammenspielen.“ Bei der WM im Mai – inmitten der NHL-Playoffs – wird das deutsche Team ein anderes Gesicht haben.