Curling

Ein Hype alle vier Jahre: Wie steht es um den „Darling“ des Wintersports in Luxemburg?

Alle vier Jahre, während der Olympischen Winterspiele, scheint sich für zwei Wochen plötzlich jeder für Curling zu interessieren. Doch trägt Olympia auch in einem kleinen Land wie Luxemburg nachhaltig dazu bei, das Interesse an dieser Sportart zu steigern? Über eine Disziplin, die weit mehr zu bieten hat als das, was alle vier Jahre im Rampenlicht steht.

Curling-Spieler mit Stein auf Eisbahn in Luxemburg, symbolisiert 48 aktive Curling-Lizenzen im Land

Im luxemburgischen Curling-Sport gibt es derzeit 48 Lizenzen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Alle vier Jahre werden wir zum Darling des Wintersports“, erklärt Karen Wauters. Die gebürtige Kanadierin ist Präsidentin des luxemburgischen Curlingverbandes und weiß genau, wie populär ihre Sportart im Zuge der Olympischen Spiele ist – ein kurzer Blick in die sozialen Medien genügt da schon.

In Luxemburg hingegen zählt Curling zu den kleinen Randsportarten und kommt gerade einmal auf 48 aktive Lizenzen. „Die Leute sind fasziniert davon. Rund um Olympia bekommen wir viele Anfragen von Menschen, die es ausprobieren möchten“, sagt die weiterhin aktive Spielerin. „Ich freue mich sehr darüber, wenn Menschen es testen und sich engagieren, denn der Erfolg einer Sportart hängt auch davon ab, dass sie verstanden wird und Interesse weckt. Aber wir würden uns wirklich wünschen, dass sie dabeibleiben.“

Vom großen Olympia-Hype profitiert der Curling-Sport in Luxemburg also kaum – zumindest nicht, was die Zahl der Athletinnen und Athleten betrifft.

Über die Schulen zum Curling

Der Fokus von Karen Wauters und ihren Kollegen liegt deshalb vor allem auf dem Nachwuchs. „Weil jede Sportart bei der Jugend anfangen muss, haben wir uns stark darauf konzentriert“, erklärt sie. Über das „Institut de formation de l’éducation nationale“ sollen insbesondere Lehrkräfte an den Sport herangeführt werden.

Zudem gehen die Curler selbst in die Schulen und bringen den Kindern ihre Sportart mit speziellen „Floor-Curling-Sets“ näher. Eine Eispiste ist dafür nicht mehr nötig: Die Steine sind mit kleinen Rädern ausgestattet und können problemlos auf normalem Hallenboden gespielt werden.

„Unsere Skip der Damennationalmannschaft, die im Mai zu den Europameisterschaften fährt, hat über ein solches Schulprogramm begonnen. Mit 22 Jahren ist sie eine der jüngeren Spielerinnen – leider aber auch eine der wenigen, bei denen dieser Weg funktioniert hat“, betont die Präsidentin. Die junge Spielerin Virginie Hansen erhielt inzwischen die Möglichkeit, sich ein Jugendprogramm in Schweden anzusehen. „Sie sollte Erfahrungen sammeln, wie man auch in Luxemburg eine starke Basis für nachhaltige Nachwuchsarbeit schaffen kann. Wir warten allerdings, bis sie ihr Studium abgeschlossen hat, damit sie sich intensiver darauf konzentrieren kann.“

Ich denke, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, versteht man die vielen Facetten, die er bietet – und auch, dass es eine inklusive Sportart ist

Karen Wauters

Präsidentin des luxemburgischen Curlingverbandes

Auch bei vielen anderen Aktivitäten, wie etwa dem COSL-Spillfest oder der „Nuit du sport“, sind die Curler anzutreffen, um ihre Disziplin dem breiten Publikum vorzustellen. „Ein junger Mann kam durch den Entdeckungstag der Universität zu uns. Und man merkt sofort, wenn Menschen den Sport lieben – man muss sie dann auch ‚packen‘. Solche Aktionen schaffen Aufmerksamkeit“, führt Wauters fort, die aber schnell auch auf ein generelles Problem des Wintersports in Luxemburg zu sprechen kommt: „Wir sind wenige, wir arbeiten alle ehrenamtlich, und es gibt so viel aufzubauen. Zuerst muss man Vernetzung und Bekanntheit schaffen.“

Ein Sport mit viel Inklusionspotenzial

Das Besondere am Curling ist jedoch, dass es ein Sport ist, den sowohl Jung als auch Alt ausüben können. Dass das „Floor Curling“ inzwischen offiziell als internationale Disziplin anerkannt ist, macht es noch attraktiver. „Ursprünglich war das eine Möglichkeit, Curling zu Kindern in Grundschulen zu bringen und sie auf den Sport aufmerksam zu machen – und von dort aus sie dann zum Eis weiterzuführen. Für uns ist es außerdem zu einem Weg geworden, mit der Gemeinschaft von Menschen mit Behinderung zu arbeiten.“ Inzwischen sieht man Floor Curling zudem in mehreren Active-Plus-Angeboten im ganzen Land, wie Wauters weiter erklärt, um auch Menschen über 60 oder 70 für sportliche Betätigung zu begeistern. „Kommunikation, Stärke, Gleichgewicht, Strategie – es sind alles Eigenschaften, die durch das Curling gestärkt werden.“

Vor allem im Para-Sport besitzt die Disziplin viel Potenzial, wie Karen Wauters weiter berichtet. Denn seit 2006 steht Rollstuhlcurling auf dem Programm der Paralympics, so auch zwischen dem 6. und 15. März in Mailand und Cortina d’Ampezzo. „Eine unserer Teamkolleginnen wurde ausgewählt, dieses Jahr als Unterstützung für das Rollstuhlcurling bei den Paralympischen Spielen dabei zu sein. Das wird uns sehr helfen, weil sie viel Wissen mit zurückbringen kann – mehr Wissen darüber, wie man mit Rollstuhlcurling arbeitet, welche praktischen Herausforderungen und Einschränkungen es gibt, da sie es direkt auf dem Eis erlebt haben wird“, so Karen Wauters, die diese Disziplin auch in Luxemburg verstärkt voranbringen möchte.

Für sie steht eines fest: Curling ist die schönste Sportart – und das nicht nur alle vier Jahre. „Ich denke, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, versteht man die vielen Facetten, die er bietet – und auch, dass es eine inklusive Sportart ist. Er ist für alle Altersgruppen geeignet, für unterschiedliche Fähigkeiten und überwindet kulturelle Grenzen.“

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