Radsport

Ein Balanceakt in drei Bereichen: So meistert Noé Ury Straße, Gravel und Trainerjob

Noé Ury startet in dieser Saison für das Continental-Team Storck-MRW Bau. Mit der deutschen Mannschaft blickt er ambitioniert auf das Jahr. Neben den klassischen Straßenrennen möchte er aber auch im Gravel-Bereich erfolgreich sein. Neben seinen sportlichen Aufgaben übernimmt er zudem noch Aufgaben als Trainer.

Noé Ury beim Radrennen Tour de Luxembourg 2023 für das Schweizer Nationalteam im Rennradtrikot auf der Straße

Noé Ury fuhr im letzten Jahr bei der Tour de Luxembourg für das Nationalteam Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Als „beflügelnd“ beschreibt Noé Ury das Gefühl, das er nach Matthieu Kockelmanns Sieg am 18. September bei der Tour de Luxembourg in Mamer verspürte. Auch fast ein halbes Jahr später ist das noch der Moment, der Ury besonders in Erinnerung bleibt. „Es war für das Team und mich ein sehr schönes Saisonende. Das hat das Team zusammengeschweißt und jeden noch einmal motiviert“, sagt der 22-Jährige.

Vor allem für Ury selbst war dieses Saisonende mit dem Sieg im Trikot der Nationalmannschaft beflügelnd. Denn sein Jahr hatte er sich eigentlich ganz anders vorgestellt: Wegen eines Plica-Syndroms – einer schmerzhaften Reizung einer kleinen Gewebefalte im Knie – musste er operiert werden und startete deshalb erst im Mai richtig in die Saison. Lange lief er seiner Form hinterher, sorgte dann aber bei der Luxemburg-Rundfahrt für den perfekten Lead-out für Kockelmann.

„Ich denke, dass mein größtes Talent in der Helferrolle liegt“, sagt Ury. „Dieses Talent muss ich nutzen. Ich glaube, dass es genauso interessant ist, für einen potenziellen Etappensieger bei der Tour de Luxembourg zu fahren, wie bei einer 2.2-Rundfahrt in die Top Ten zu fahren.“ Ury weiß jedoch auch, dass es deutlich einfacher ist, sich für das Profidasein zu empfehlen, wenn persönliche Resultate dazukommen – denn das höchste Niveau bleibt weiterhin das Ziel des 22-Jährigen.

Mit zwei anderen Luxemburgern im Team

Den nächsten Schritt in Richtung Profisport will Ury beim deutschen Continental-Team Storck-MRW Bau machen. Nach einer Saison bei Lotto Kern-Haus Outlet Montabaur kehrt er zu dem Team zurück, für das er bereits 2024 fuhr. „Das ausschlaggebende Argument für den Teamwechsel war psychischer Natur. Das schwierige Jahr 2025 lag zwar nicht am Team, aber ich hatte das Gefühl, dass sich alles sehr hingezogen hat. Storck hat mich überzeugt und mir Freiheiten versprochen. Sie sind sogar meiner Bitte nachgekommen, zwei Luxemburger mit ins Team zu holen.“ Neben Ury vertreten in diesem Jahr also auch Mats Berns und Pol Breser die luxemburgischen Farben bei Storck-MRW Bau.

Beim deutschen Team will Ury auch wieder eine Rolle als „Capitaine de route“ einnehmen. Der Kader hat sich indes deutlich verstärkt: So sicherte sich die Mannschaft etwa die Dienste des Briten Matthew Walls, der vom WorldTour-Team Groupama-FDJ kommt. Der 27-Jährige fuhr seit 2021 auf höchstem Niveau – zunächst bei Bora-Hansgrohe, anschließend bei den Franzosen. „Er ist extrem stark“, sagt Ury. „Aber ein starker Sprinter ist bekanntlich nichts ohne einen guten Lead-out. Ich denke, dass ich das relativ gut kann. Da hat mir Jempy (Drucker, Nationaltrainer) auch immer viel Respekt gezollt.“

Ambitioniertes Team

Neben dem schnellen Walls hat das Team auch Edgar David Cadena verpflichtet, der auf Gesamtwertungen fahren soll. Im vergangenen Jahr gewann der 25-Jährige die anspruchsvolle Oberösterreich-Rundfahrt (2.2). Entsprechend ambitioniert geht die Mannschaft in die wichtigsten Rennen der Saison – dazu zählt auch die Tageblatt-Flèche du Sud (2.2), die am 13. Mai beginnt. „Für mich persönlich ist das das wichtigste Rennen des Jahres. Das ist ein absolutes Highlight, und darauf will ich mich gezielt vorbereiten. Für das Rennen hat das Team sogar einen Bus gekauft und wir fahren mit einer großen Mannschaft dorthin. Wir treten dort noch einmal ganz anders auf.“

Sein erstes Rennen im neuen Trikot will Ury am 4. April bei der Boucle de l’Artois bestreiten. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, möchte Ury aber auch selbst Ergebnisse einfahren – vorrangig wird er jedoch weiterhin seinen Teamkollegen helfen, vorne mitzumischen. „Es ist viel Geld ins Team gekommen. Deshalb wird stärker darauf geachtet, dass jeder seinen Job macht – und nicht jeder nur für sich fährt.“

Private-Coach für rund 20 Athleten

Neben seinem Engagement auf der Straße plant Ury, auch weiterhin Gravel-Rennen zu bestreiten. „Ich will Profi werden – egal, ob auf der Straße oder im Gravel. Aber wenn man sieht, wie sich der Gravel-Sport entwickelt, ist das schon sehr interessant.“ Mit Romain Bardet, Arnaud Démare oder Mads Würtz Schmidt haben bereits bekannte Straßenprofis den Wechsel zum Gravel vollzogen. Ury will in diesem Jahr beide Disziplinen unter einen Hut bringen und hat auch schon die Gravel-Weltmeisterschaft im Oktober in Australien im Blick.

Doch neben seinen sportlichen Aktivitäten hat sich Ury inzwischen auch selbstständig gemacht. Als privater Coach betreut er aktuell rund 20 Radsportler. „Ich lebe nicht vom Radsport“, sagt er. „Mit meiner Selbstständigkeit läuft es aber gut. Ich liebe den Radsport und sehe mich auch in Zukunft in dieser Welt – egal in welcher Position.“ Als Trainer kümmert sich Ury um Trainingspläne, Rennanalysen und Ernährungsberatung bis hin zur Verletzungsprävention. Sollte es mit dem Profi-Radsport also nicht klappen, steht der Alternativplan bereits fest.

Im Überblick

Die Luxemburger bei Continental-Teams:
Arno Wallenborn, Mil Morang, Alexandre Kess (alle Lotto Kern-Haus Outlet Montabaur/D), Loïc Bettendorff (Hrinkow Advarics/AUT), Mats Berns, Pol Breser, Noé Ury (Storck-MRW Bau/D), Arnaud Noirhomme (Color Code-Alu Center/B)

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