Luxemburg gegen Malta

Die Fans, der Kaffee und die Eckbälle – alle waren heiß

Ein direkt verwandelter Eckball, 300 lautstarke Fans – und ein spontaner Kaffee als neues Ritual: Das Luxemburger Team zeigt beim 2:0-Sieg gegen Malta, dass es auch ohne Glanz gewinnen kann.

Menschen feiern fröhlich bei einer Straßenparty in Luxemburg am Dienstag mit bunten Lichtern und festlicher Stimmung

Luxemburg will auch am Dienstag wieder feiern Foto: sportspress.lu/Roland Miny

Als der Ball von Mathias Olesen sich direkt vom Eckpunkt ins Tor senkte, war es für einen Moment still – diese Art von Stille, die nur entsteht, wenn selbst der Ausführende nicht wirklich mit diesem Ausgang gerechnet hat. „Ich war überrascht, dass der Ball direkt reingegangen ist“, gab Olesen nach dem Spiel zu. Es war der perfekte Abschluss eines Abends, an dem Luxemburg nicht wie üblich in Schönheit starb, sondern das Beste aus einem verworrenen Spiel herausholte.

Beim 2:0-Sieg im Hinspiel der Nations-League-Play-offs gegen Malta war die FLF-Auswahl effizient. Die Spieler, die auf dem Platz standen, konnten ihre Erfahrung aus den vergangenen Jahren nutzen, um diesmal als Sieger vom Platz zu gehen. „Es ist toll, dass wir auch mal Tore in unseren schwächeren Phasen machen“, sagte Olesen – ein Satz, der für diese neue Reife stehen könnte.

Spielerisch lief am Donnerstag längst nicht alles rund. Danel Sinani sprach offen von „zu vielen Ballverlusten“ und davon, dass man offensiv „nicht richtig drin“ gewesen sei. Umso wichtiger wurden die ruhenden Bälle – ein Bereich, den die Luxemburger vor diesem wichtigen Duell gezielt trainiert haben.

„Ein Eckball war zu fest, einer zu schwach – der dritte saß“, resümierte Sinani. Laut Laurent Jans sind genau diese Situationen – die heutzutage immer häufiger im modernen Fußball vorkommen – kaum zu verteidigen: „Man sieht, was passieren kann, wenn die Ecken mit richtig viel Power vor das Tor kommen. Das haben wir einstudiert und im Training waren sie schon so richtig scharf. Manchmal fällt dann der Ball selbst rein. Solche Situationen sind sehr schwer zu verteidigen. Der Torwart wird nicht mehr so sehr geschützt wie in der Vergangenheit. Diesmal haben wir diese Methode zu unseren Gunsten genutzt.“

Doch nicht nur die Eckbälle waren scharf, auch die Fans. Rund 300 mitgereiste Luxemburger Anhänger verwandelten das Auswärtsspiel fast in ein Heimspiel. „Wenn man so viele Fans dabei hat, geht man mit einem ganz anderen Gefühl aufs Spielfeld“, sagte Olesen. Nach seinem Tor drehte er sich sofort um, lief in Richtung Tribüne. Die Fans waren außer Rand und Band. Sie hatten lange auf einen Sieg in einem offiziellen Spiel gewartet. Fast zweieinhalb Jahre ist es her. Seitdem konnte nur in Testspielen gejubelt werden.

Das Bündnis mit den Fans begann bereits vor dem Spiel. Mathias Olesen, Laurent Jans, Lucas Fox und Florian Bohnert unternahmen am Vormittag vor dem Spiel einen kleinen Spaziergang. Sie suchten sich ein schattiges Plätzchen aus, tranken einen Kaffee zusammen und trafen dort bereits auf die ersten Fans. „Wenn das hilft, können wir das gerne jetzt immer machen“, sagte Jans mit einem Lächeln. Was als spontane Entscheidung begann, um eine lange Siesta vor dem 18-Uhr-Spiel zu vermeiden, könnte nun zum Ritual werden.

„Eine Last“

Das Koffein sorgte jedoch nicht nur für einen Energieschub, sondern auch für Ruhe. Luxemburg blieb auch dann cool, als Malta gefährliche Chancen über Standards hatte und das Spiel zu kippen drohte. „Wir haben einen kühlen Kopf bewahrt“, sagte Olesen. „Wir wollen die Null halten und gewinnen. Beide Ziele haben wir erreicht. Es war nicht unser bestes Spiel, aber in solchen Duellen gibt es keinen Schönheitspreis“, so Jans.

Die mangelnde „Schönheit“ lag auch am Spielstil des Gegners. wie der Profi vom belgischen Erstligaaufsteiger SK Beveren erklärt: „Es waren ganz andere Voraussetzung. In der vergangenen WM-Quali-Spielen hatten wir vor allem Gegner, die uns hoch gepresst haben. Wir konnten dies dann oft spielerisch sehr gut lösen. Malta stand tiefer als diese Mannschaften, sie haben uns spielen lassen. Es ist unter diesen Voraussetzungen schwerer, ins letzte Drittel zu kommen.

Die FLF-Auswahl hat nun fünf Tage, um sich zu erholen und neu anzugreifen. Ob das Rückspiel mit Anthony Moris im Tor stattfinden wird, war am Freitag noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Luxemburg wird am Dienstag (18 Uhr im Stade de Luxembourg) wohl mit mehr Leichtigkeit auf den Platz gehen. Das Ziel scheint jedoch klar. Die „Roten Löwen“ wollen ihren Fans auch beweisen, dass sie besser Fußball spielen können, als sie es am Donnerstag gezeigt haben. „Eine kleine Last ist uns von den Schultern gefallen. Aber es ist noch nicht vorbei. Am Dienstag hat Malta nichts zu verlieren und wird auf alles oder nichts spielen“, so der FLF-Kapitän.

Mit dem 2:0 aus dem Hinspiel und den Fans im Rücken scheint die Mannschaft auf diese Herausforderung vorbereitet zu sein.

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