WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Deutschland als WM-Ausrichter 2042? Warum Redakteur Sam Maquet Grüneisen diese Möglichkeit feiert

Die WM war einmal ein Turnier. Heute ist sie ein politisches Statement, welches den Fußball nach und nach in den Hintergrund rückt.

Deutschland als WM-Ausrichter 2042? Warum Redakteur Sam Maquet Grüneisen diese Möglichkeit feiert

2018 spielte die Welt in Russland, vier Jahre nach der Annexion der Krim. 2022 in Katar, wo der Bau der Stadien von Berichten über tausende tote Arbeitsmigranten überschattet wurde. 2026 findet die WM in den USA, Kanada und Mexiko statt – in einer Zeit, in der man nicht einmal sicher sagen kann, welche Schlagzeile Präsident Trump als Nächstes produziert.

Ein Blick in die Zukunft: Die WM 2030 verteilt sich auf drei Kontinente und sechs Länder – Spanien, Portugal, Marokko sowie einzelne Spiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay. Die FIFA verkauft das als globale Feier des Fußballs. Man könnte es auch als Größenwahn bezeichnen. Und während Menschenrechts- und Tierschutzorganisationen vor den Folgen solcher Mega-Events warnen, steht schon das nächste umstrittene Turnier fest.

2034 geht die Weltmeisterschaft nach Saudi-Arabien – Katar reloaded? Die Frage drängt sich auf, ob die FIFA überhaupt noch Gastgeber sucht, die sportlich überzeugen, oder vor allem solche, die möglichst viel Geld auf den Tisch legen.

Vor diesem Hintergrund wirkt eine deutsche Bewerbung für 2038 oder 2042 plötzlich fast wie ein politisches Programm. Auf dem CDU-Bundesparteitag im Februar wurde ein Antrag unterstützt, der eine deutsche Bewerbung für 2042 fordert – ausdrücklich auch als demokratisches Gegenmodell zu den umstrittenen Vergaben der vergangenen Jahre.

Natürlich wäre eine deutsche WM-Bewerbung mehr als nur Nostalgie. Ein Turnier könnte den Anstoß geben, Stadien zu modernisieren und den Fußball insgesamt weiterzuentwickeln. Vor allem aber könnte eine WM wieder das schaffen, was Großereignisse im besten Fall leisten: Menschen zusammenzubringen. Das „Sommermärchen“ 2006 ist bis heute positiv im kollektiven Gedächtnis geblieben, und auch die Europameisterschaft 2024 hat gezeigt, wie friedlich, offen und ausgelassen ein Fußballfest in Deutschland sein kann – weit über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus. Gerade in einer Zeit, in der politische und gesellschaftliche Gräben tiefer werden, wäre das kein zu unterschätzender Wert.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Deutschland WM kann. (Fast) niemand kann es besser. Die Frage ist vielmehr: Kann Deutschland der FIFA überhaupt noch eine WM bieten, die kleiner, vernünftiger und weniger politisch aufgeladen ist? Oder ist diese Zeit längst vorbei?

Vielleicht wäre genau das die stärkste Bewerbung: nicht die größte WM aller Zeiten zu versprechen, sondern die normalste.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren