Radsport

„Desaster“: Vingegaard geht beim Giro nach Sturzdrama die Konkurrenz aus

Heftige Stürze überschatten den Giro-Auftakt in Bulgarien. Topfavorit Jonas Vingegaard kommt unversehrt davon – und hat nun einige Konkurrenten weniger.

Adam Yates erschöpft nach Sturz erreicht Ziel, startet am nächsten Tag wegen Verletzung nicht mehr bei Radrennen

Schwer gezeichnet von seinem Sturz erreichte Adam Yates am Samstag das Ziel – einen Tag später ging er nicht mehr an den Start Foto: dpa/Fabio Ferrari

Schlammverschmiert und mit blutverkrustetem Gesicht stand Adam Yates auf der regennassen Straße und ließ sich eine Flasche reichen. Der britische Mitfavorit wusch sich hastig den gröbsten Schmutz von den Händen, schwang sich aufs Rad und machte sich tatsächlich noch einmal an die Verfolgung. Schwer gezeichnet vom heftigen Sturz auf der zweiten Etappe des Giro d’Italia - und ohne jede Hoffnung auf den Gesamtsieg.

Eine Nacht später kam dann das vorzeitige Aus des tapferen Profis. „Adam Yates leidet unter schweren Schürfwunden und einer Schnittwunde am linken Ohr“, erklärte der Teamarzt von UAE Emirates-XRG vor dem Start der dritten Etappe am Sonntag. Zudem zeige der 33-Jährige, der ohnehin mehr als 13 Minuten verloren hatte, „Symptome einer Gehirnerschütterung“.

Während Topfavorit Jonas Vingegaard rund 23 km vor dem Ziel gerade noch ausgewichen war, erwischte es Yates am Samstag als einen von 30 Fahrern auf der seifigen Straße in Richtung Veliko Tarnovo bei hoher Geschwindigkeit. Es war der zweite Massensturz in zwei Tagen, eine weitere schlimme Kettenreaktion, die den Giro-Auftakt in Bulgarien überschattete.

„Die Straßen waren sehr rutschig. Ich habe schon ein paar Kilometer vorher gesehen, dass das Feld nervös wird“, beschrieb Paul Magnier, der Sieger der ersten und dritten Etappe, die Situation. „Es war ein schneller Sturz, ich hoffe, alle sind in Ordnung.“ Magniers fast naive Hoffnung sollte sich nicht erfüllen.

Minutenlang hatten geschundene Körper und teure Rennräder ineinander verkeilt neben und unter einer Leitplanke gelegen, während Rettungsdienste im Chaos erste Hilfe leisteten. Besonders schwer erwischte es das Team des abwesenden Topstars Tadej Pogacar.

„Entmutigend“

Neben Kapitän Yates fielen auch die UAE-Fahrer Jay Vine (Gehirnerschütterung und Ellbogenbruch) und Marc Soler (Beckenbruch) dem Crash zum Opfer. Sie alle mussten das Rennen aufgeben, ehe die Italien-Rundfahrt überhaupt ihr Stammland erreicht hat. „Was für ein Desaster. Ich habe so hart gearbeitet, um für den Giro fit zu werden“, sagte Yates. Er und Soler sind eigentlich auch als wichtige Helfer für Pogacar in acht Wochen bei der Tour vorgesehen. „So in den Giro zu starten, ist wirklich entmutigend“, sagte UAE-Teamchef Mauro Gianetti.

Einziger Trost für die Verantwortlichen: Den Streckenplanern war diesmal kein Vorwurf zu machen, vielmehr waren es die äußeren Bedingungen, die den heftigen Sturz ermöglichten - und die aus Radsport-Perspektive unglückliche Positionierung der Leitplanke.

Immerhin das Aushängeschild der Rundfahrt blieb unversehrt. Jonas Vingegaard, in der Vergangenheit selbst Opfer verheerender Stürze, wird nach dem transferbedingt frühen Ruhetag am Montag in Italien seinen Angriff auf den ersten Giro-Titel intensivieren. Sein Favoritenstatus ist auf bittere Weise noch klarer geworden.

Yates, Zwillingsbruder des Vorjahressiegers Simon Yates, ist ebenso raus wie Mitfavorit Santiago Buitrago (Bahrain-Victorious). Der Kolumbianer konnte nach dem Sturz nicht weiterfahren und wurde später ebenfalls mit einer Gehirnerschütterung diagnostiziert. Andere Spitzenfahrer wie der Toursieger von 2019 Egan Bernal oder der Österreicher Felix Gall haben in den vergangenen Jahren nicht bewiesen, Vingegaard ebenbürtig zu sein.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Däne nur durch Sturzpech zu stoppen ist. Das aber ist - wie der Giro-Auftakt bewiesen hat - leider ein realistisches Szenario. (SID)

Im Überblick

1. Etappe: Nessebar - Burgas (147 km): 1. Paul Magnier (Frankreich/Soudal Quick-Step) 3:21:08 Stunden, 2. Tobias Lund Andresen (Dänemark/Decathlon-CMA CGM), 3. Ethan Vernon (Großbritannien/NSN Cycling), 4. Jonathan Milan (Italien/Lidl-Trek), 5. Madis Mihkels (Estland/EF Education-EasyPost) alle gleiche Zeit

2. Etappe: Burgas - Veliko Tarnovo (221 km): 1. Guillermo Thomas Silva (Uruguay/XDS Astana) 5:39:25 Stunden, 2. Florian Stork (Deutschland/Tudor Pro Cycling), 3. Giulio Ciccone (Italien/Lidl-Trek), 4. Christian Scaroni (Italien/XDS Astana), 5. Giulio Pellizzari (Italien/Red Bull Bora-hansgrohe) alle gleiche Zeit

3. Etappe: Plovdiv - Sofia (175 km): 1. Magnier 4:09:42 Stunden, 2. Milan, 3. Dylan Groenewegen (Niederlande/Unibet Rose Rockets), 4. Mihkels, 5. Matteo Malucelli (Italien/XDS Astana) alle gleiche Zeit

Stand in der Gesamtwertung nach 3 von 21 Etappen: 1. Silva 13:10:05 Stunden, 2. Stork 0:04 Minuten zurück, 3. Egan Bernal (Kolumbien/Netcompany Ineos) gleiche Zeit, 4. Thymen Arensman (Niederlande/Netcompany Ineos) 0:06, 5. Ciccone gleiche Zeit

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