Radsport

„Das war für meinen Großvater“: Mats Wenzel über seinen ersten Profisieg

Mats Wenzel hat am Sonntag in Spanien seinen ersten Profisieg gefeiert – und dieser Erfolg beim Clásica de Pascua (1.2) trägt für ihn eine ganz besondere Bedeutung. Einer der schönsten Momente im Leben seines kürzlich verstorbenen Großvaters spielte sich unweit des Zielortes ab, was diesen Sieg für Wenzel umso emotionaler macht.

Mats Wenzel beim Zieleinlauf des spanischen Eintagesrennens Clasica de Pascua, Sieger am Sonntag

Mats Wenzel gewann am Sonntag das spanische Eintagesrennen Clasica de Pascua Foto: X/Equipo Kern Pharma

Auf dem Papier ist es „nur“ der erste Profisieg – doch für Mats Wenzel ist der Erfolg beim spanischen Eintagesrennen Clásica de Pascua (1.2) etwas ganz Besonderes. „Mein Großvater ist vor etwa zwei Monaten verstorben“, erzählt er am Montag. „Eines der größten Erlebnisse in seinem Leben war der Jakobsweg. Der endet in Santiago de Compostela, das ist nicht weit vom Zielort entfernt. Schade, dass er diesen Sieg nicht mehr miterleben konnte, aber das war für ihn. Deswegen ist es für mich umso emotionaler.“

Die Minuten nach seinem ersten Profisieg genoss der 23-Jährige. „Es war kein so großes Rennen, aber trotzdem habe ich viele Nachrichten bekommen“, berichtet Wenzel. „Es war, als hätte ich Geburtstag. Aber ansonsten war der Ablauf wie bei jedem anderen Rennen. Die Erholung hat Priorität.“ Seine Spanischkenntnisse reichen dabei (noch) nicht ganz für Interviews in der Landessprache – der übertragende Sender stellte seine Fragen auf Englisch, auf dem Podium sprach Wenzel derweil Französisch.

Taktische Überlegenheit

Neben Burgos war sein Team Kern-Pharma am Sonntag eines von zwei ProTeams am Start – und stand damit automatisch im Fokus. „Wir wussten, dass es schwer werden würde, das Rennen zu kontrollieren. Deswegen wollten wir vom Chaos profitieren. Das Ziel war, dass zwei von uns in die Spitzengruppe gehen und dass Diego (Uriarte) und ich dann später nachspringen. Am Ende haben wir es beide direkt in die erste Gruppe geschafft, weil es am ersten Anstieg direkt schnell wurde. Wir waren taktisch überlegen gegenüber Burgos.“

Nach 166,4 Kilometern rund um Padrón setzte sich Wenzel schließlich im Sprint gegen Javier Cubillas (Movistar Academy) durch. Etwa 200 Meter vor dem Zielstrich eröffnete er den Sprint, während der Spanier an seinem Hinterrad blieb. Doch der Luxemburger hatte die schnelleren Beine – und krönte einen perfekten Tag. Dritter wurde der Spanier Jesús Herrada (Burgos) mit sechs Sekunden Rückstand. Zuvor hatte Uriarte für Wenzel gearbeitet. „Es war schwierig, weil wir sonst immer Außenseiter sind und diesmal die Favoritenrolle hatten. Damit umzugehen, war nicht leicht. Aber wir haben es gut gemacht.“

Erreichen eines neuen Meilensteins

Schon bei den Spielen der kleinen Staaten 2025 in Andorra jubelte Wenzel im Straßenrennen, auch bei den Landesmeisterschaften 2024 triumphierte er bei den Espoirs. Doch dieser Sonntag bedeutete mit seinem ersten Profisieg das Erreichen eines neuen Meilensteins. „Das ist der nächste Schritt in meiner Entwicklung. Das gibt mir auch Selbstvertrauen.“

Dieser Sieg kommt für Wenzel genau zum richtigen Zeitpunkt – weil seine Saison bislang für ihn nicht gut verlief. „Die Saison war bis dahin durchwachsen. Ich wollte bei der Katalonien-Rundfahrt eine gute Leistung zeigen (wurde 103. im Gesamtklassement, seine beste Platzierung auf einer Etappe war Rang 24), aber der Monat davor war nicht gut. Mein Großvater verstarb, dann war ich oft krank. Die Katalonien-Rundfahrt hat mir aber geholfen und jetzt ist die Form da. Ich will darauf aufbauen und in nächster Zeit noch größere Rennen gewinnen.“

Highlight in Liège

Die nächste Gelegenheit, zu gewinnen, lässt nicht lange auf sich warten: Bereits ab Dienstag steht Wenzel beim fünftägigen spanischen Etappenrennen O Gran Camiño (2.1) am Start. Das Rennen beginnt mit einem 15 Kilometer langen Einzelzeitfahren, bevor es zunächst hügelig und am Freitag sowie Samstag richtig bergig wird. „Wir wollen auf das Gesamtklassement fahren. Je nachdem, wie das Zeitfahren verläuft, können wir aber auch in Gruppen gehen.“

Nach dem Etappenrennen wartet schließlich ein ganz besonderes Highlight: Am 26. April startet Wenzel bei Liège-Bastogne-Liège – seinem ersten Monument. „Das ist schon ein Traumrennen von mir. Das Rennen ist in der Nähe von Luxemburg und viele Luxemburger haben es schon gewonnen. Da fühlt man sich noch mehr damit verbunden. Etappenrennen wie das, das ich jetzt in Spanien beginne, helfen meiner Form immer. Wenn ich gut aus dem Rennen herauskomme und nicht krank werde, kann ich für Liège vielleicht noch besser in Form sein.“ Nach dem Monument steht dann die Tageblatt-Flèche du Sud (2.1) ab dem 13. Mai an, bei der er mit der Nationalmannschaft antritt.

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