Champions League

„Das Königreich besteht weiter“: Paris feiert – und will mehr

Paris Saint-Germain verteidigt den Henkelpott – und träumt bereits vom Hattrick.

Champions League Trophäe glänzend aus Silber auf schwarzem Hintergrund, Symbol für europäischen Fußball-Erfolg

Die Champions League Trophäe Foto: Tom Weller/dpa

Als Europas Fußball-Könige kurz vor Mitternacht bei lauter Musik in ihr Budapester Nobelhotel stolzierten, hatte die Party für Paris Saint-Germain gerade erst begonnen. Nach dem erneuten Champions-League-Triumph tanzten die Pariser Elfer-Helden ausgelassen mit dem Henkelpott. „Die Saison so zu beenden, ist der ultimative Traum – zwei Titel in Folge“, sagte Mittelfeldmotor Vitinha nach dem nervenaufreibenden Finalsieg gegen den FC Arsenal: „Heute können wir sagen, dass wir die Besten in Europa sind.“

Daran zweifelt niemand mehr – PSG hat sich in den exklusivsten Kreis des europäischen Klubfußballs geschoben. Mit dem 4:3 im Elfmeterschießen gegen den englischen Meister (1:1 nach 90 und 120 Minuten) verteidigte Paris als erst zweiter Klub nach Rekordgewinner Real Madrid erfolgreich seinen Titel in der Champions League. „Das“, sagte Erfolgstrainer Luis Enrique, sei „noch größer“ als der erste Triumph im vergangenen Jahr gegen Inter Mailand (5:0) im Finale von München.

283 Festnahmen

Für Sonntagnachmittag war eine riesige blau-rote Fete unweit des Eiffelturms geplant. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron lud sogar in den Élysée-Palast ein. Inmitten des Jubels blieben einzig die Zusammenstöße in der französischen Hauptstadt am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag ein Wermutstropfen. 283 Personen wurden festgenommen, sieben Polizisten verletzt, teilte das Innenministerium mit.

Über die sportliche Bilanz des Endspiels gab es keine zwei Meinungen – schon gar nicht in Frankreich: Le Parisien erklärte PSG zur „Referenz des europäischen und weltweiten Fußballs“. Tatsächlich ist aus der Frage, ob der Klub jemals zu den besten Europas gehören könne, längst folgende geworden: Wie lange kann diese Mannschaft, die im Halbfinale den FC Bayern ausgeschaltet hatte (5:4, 1:1), ihre Dominanz fortsetzen?

„Zuerst werden wir das genießen, und danach werden wir hart arbeiten, denn wir wollen mehr“, sagte Angreifer Désiré Doué warnend: „Wir sind wirklich hungrig. Wir sind eine junge Mannschaft und wissen, dass wir sehr ehrgeizig sind. Deshalb müssen wir in der nächsten Saison wieder angreifen.“ Auch PSG-Urgestein Marquinhos träumt von einem Hattrick, wie er Real Madrid von 2016 bis 2018 gelang. „Ich glaube, wir können wieder gewinnen, mehr und mehr.“

Für derartige Ansagen war Trainer Enrique zu ausgelaugt. Er empfinde „Aufregung, Müdigkeit, alles“, sagte der Spanier, nachdem er völlig losgelöst und schweißgebadet über den Budapester Rasen gehüpft war. Ob er eine Trainerlegende sei, wurde der 56-Jährige gefragt: „Legende? Das interessiert mich nicht.“

„Bester Trainer der Welt“

Doch tatsächlich ist der Pariser Aufschwung vor allem auf ihn zurückzuführen. „Dieser Wille, immer mehr zu gewinnen – dafür ist Luis Enrique verantwortlich“, lobte Vitinha. Präsident Nasser Al-Khelaifi nannte ihn den „besten Trainer der Welt“. Die spanische Marca schrieb, Enrique habe PSG „auf den Olymp der Champions League“ geführt.

Der erneute Triumph war nicht so spektakulär wie jener im vergangenen Jahr. Nach Arsenals Führung durch Nationalspieler Kai Havertz (6.) war die beste Offensive des Wettbewerbs (45 Tore) lange gehemmt. Ein verwandelter Foulelfmeter von Weltfußballer Ousmane Dembélé (65.) half. Nach 120 Minuten behielt der Titelverteidiger vom Punkt aus die Nerven und gewann im Stile echter Champions – ohne zu glänzen.

Für die französische Sportzeitung L’Équipe ist Paris nach dem „Doppelpack für die Geschichtsbücher“ somit „legendär“. Nach zwei Titeln in Serie fehlen Gegenargumente – oder, wie es die italienische Gazzetta dello Sport formulierte: „Das Königreich besteht weiter.“

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