Fußball
Curaçao in Torlaune, Kane in Bestform, Portugal bangt: Was ist vor der WM sportlich passiert?
Argentinien siegt ohne Messi, Brasilien ohne Neymar, Curaçao ohne Mühe: Die Schlaglichter aus den WM-Quartieren.
Angeschlagener Superstar: Lionel Messi kuriert derzeit eine Zerrung im Oberschenkel aus Foto: AFP/Tim Warner
Messis Aussichten: Lionel Messi hatte beste Sicht. Von der Bank aus verfolgte der angeschlagene Superstar das 2:0 seiner Argentinier im vorletzten WM-Test gegen Honduras. Während Messi, der vor seiner sechsten WM-Teilnahme steht, seine Zerrung im linken Oberschenkel kurierte, tat der Titelverteidiger nicht mehr als nötig. Lautaro Martínez erzielte die Führung per Foulelfmeter (37.) und bereitete den zweiten Treffer durch Giuliano Simeone (54.) vor. Für die Albiceleste steht am Dienstag in Auburn im Bundesstaat Alabama gegen Island die Generalprobe an – vielleicht sogar mit Messi, der am Freitag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt war.
Neymars Wettlauf: Ziemlich unspektakulär, aber erfolgreich lief der letzte Test des Rekordweltmeisters Brasilien. Die Seleção besiegte zum Abschluss der Turnier-Vorbereitung den WM-Teilnehmer Ägypten mit 2:1 und denkt ab sofort nur noch an ihr Auftaktspiel gegen Marokko am Samstag. Und an Neymar. Dass Rechtsverteidiger Wesley, der bereits nach einer Viertelstunde unter Tränen mit Leistenproblemen ausgewechselt werden musste, womöglich nicht dabei ist? Schade. Noch viel mehr blicken die Fans des fünfmaligen Champions aber auf Neymar. Wird der Superstar, der seit Oktober 2023 nicht mehr für Brasilien gespielt hat, rechtzeitig fit? Gegen Ägypten kam Neymar nach seiner Wadenverletzung wie geplant nicht zum Einsatz. Eine Rückkehr des 34-Jährigen zum WM-Start ist möglich, wird aber zum Wettlauf gegen die Zeit.
Curaçaos Tor-Doping: Selfies mit den Fans, Autogramme für die Kids – und ein 4:0 gegen die Nachbarinsel Aruba in der Hauptstadt Willemstad: Deutschlands Auftaktgegner Curaçao hat trotz Stotterstarts eine gelungene WM-Generalprobe hingelegt. Joshua Brenet (53.), Jeremy Antonisse (68.), Liviano Comenencia (83.) und Juninho Bacuna (90.+1) trafen für die Nummer 82 der FIFA-Weltrangliste – und verhinderten nach torlosem Pausenstand eine Blamage gegen die Nummer 190 des Rankings. Der niederländische Erfolgscoach Dick Advocaat (78) hatte im ersten Durchgang nach dem 1:4 zuvor gegen Schottland fast die gesamte Startelf ausgetauscht. Die zunächst geschonten Stars sorgten dann aber noch für ein willkommenes Tor-Doping vor dem WM-Debüt.
Rot für Rafael Leão
Kanes Bestform: Thomas Tuchel war „nicht superglücklich“, die englische Presse gewohnt kritisch – doch Harry Kane, und das war wohl so etwas wie die Erkenntnis des Abends, befindet sich in Topform. „Ich bin in der besten Verfassung meiner Karriere“, sagte der Bayern-Profi nach seinem 79. Länderspieltor. Und doch lässt das 1:0 gegen WM-Teilnehmer Neuseeland in Tampa/Florida nur wenige Rückschlüsse auf die wirkliche Power der Engländer zu. Trainer Tuchel wechselte zur Pause das gesamte Team aus und kritisierte „zu viel Freestyle“. Während die BBC schreibt, dass „England und Tuchel jetzt ernst machen müssen“, verbreitete der deutsche Trainer vor der WM-Generalprobe am Mittwoch gegen Costa Rica am Ende aber doch Zuversicht: „Je besser der Gegner wird, desto besser werden wir.“
Portugals Rot-Sicht: Erst schubste er, dann schlug er zu – Portugal bangt wegen einer Tätlichkeit um Rafael Leão. Dem Flügelspieler der AC Mailand brannten im Testspiel gegen Chile (2:1) die Sicherungen durch, als er mit seinem Gegenspieler Ivan Morales in einer Rudelbildung aneinandergeriet und dafür kurz vor der Pause die Rote Karte sah. „Ich wollte lediglich meinen Teamkollegen schützen, niemals den Gegner verletzen“, schrieb Leão in den sozialen Medien. Für das letzte WM-Vorbereitungsspiel am Mittwoch gegen Nigeria ist Leão definitiv gesperrt. Ob die Strafe darüber hinausgeht und er den WM-Start verpasst, wird die FIFA-Disziplinarkommission, die einen großen Ermessensspielraum hat, entscheiden. Portugal startet mit einer Partie gegen die DR Kongo (17. Juni) in die WM.
Belgien dominiert: Im letzten Testspiel vor Turnierbeginn hat sich Belgien gegen Tunesien in Topform präsentiert. Im Duell der beiden WM-Teilnehmer in Brüssel gewannen die Roten Teufel nach einem offensiv starken Auftritt mit 5:0. Den Führungstreffer nach einer dominanten Anfangsphase Belgiens erzielte Arsenal-Star Leandro Trossard (29.). Charles De Ketelaere (53.), Kevin De Bruyne (65.), der eingewechselte Dodi Lukébakio (86.) sowie Nicolas Raskin (87.) legten in der zweiten Halbzeit nach. Tunesien hatte bis auf einen Pfostenschuss von Elias Achouri (58.) wenig zu melden.