Tennis

Chris Rodesch vor Down-Under-Premiere: „Ich glaube fest daran, dass ich es schaffen kann“

Für Chris Rodesch schließt sich der Kreis seiner Grand-Slam-Premieren. Ab Montag schlägt der Luxemburger in der Qualifikation der Australian Open auf und peilt den Einzug ins Hauptfeld an. Für 2026 nimmt der 24-Jährige die Top 100 der Weltrangliste ins Visier.

Chris Rodesch beim Tennismatch in Melbourne, kämpft um den Einzug in die Hauptrunde eines Grand-Slam-Turniers

Chris Rodesch will in Melbourne die Hauptrunde erreichen Foto: Editpress/Fernand Konnen

Die Australian Open sind für Chris Rodesch etwas Besonderes. Von allen vier Grand Slams verfolgte er das Turnier in Melbourne als Zuschauer immer am liebsten. „Das Niveau ist extrem hoch. Nach der Off-Season sind alle fit, mental frisch und brennen auf den ersten Grand-Slam-Titel des Jahres.“

Wenn nun in der Nacht von Sonntag auf Montag die Qualifikation des ersten Major-Turniers dieser Saison beginnt, wird der Luxemburger diese Atmosphäre erstmals selbst auf dem Platz erleben. „Ich freue mich sehr“, sagt der 24-Jährige, der damit nach Roland Garros, Wimbledon und den US Open seine Grand-Slam-Premieren komplettiert.

Bei seinen bisherigen drei Auftritten machte er sehr unterschiedliche Erfahrungen. Im Mai stand Rodesch bei den French Open erstmals auf der ganz großen Tennisbühne, schied jedoch bereits in der ersten Qualifikationsrunde aus. „Ich hatte mich sehr gut vorbereitet. Ich hatte bis dahin eine konstante Saison gespielt. Bei den French Open war ich aber ziemlich nervös. Es war mein erstes Grand Slam. Ich habe dazu vor dem französischen Publikum gegen einen Franzosen gespielt. Es war ein gutes Spiel, aber ich hatte danach einige 'regrets'“, blickt Rodesch zurück.

Nur wenige Wochen später präsentierte sich der 24-Jährige in London deutlich gefestigter. In Wimbledon spielte er sich durch die Qualifikation und erreichte sensationell das Hauptfeld. „Ich war viel weniger nervös. Es war ein ganz anderer Vibe, alles ruhiger, nicht so rowdy. Ich habe drei sehr gute Qualifikationsmatches gespielt“, erinnert sich Rodesch.

In der ersten Runde des Hauptfelds musste er sich anschließend zwar dem Chilenen Cristian Garin geschlagen geben, sammelte dabei aber wertvolle Erfahrungen. „Es war wieder eine ganz neue Situation. Man ist plötzlich auf der Hauptanlage in der gleichen Umkleide wie die ganzen Stars. Da wurde ich wieder etwas nervös, hatte es aber besser im Griff und habe eigentlich ein gutes Spiel gemacht.“

Ausgebremst nach starkem Start

Sportlich und rankingtechnisch markierte Wimbledon den Höhepunkt seiner Saison. Anfang 2025 hatte Rodesch seinen ersten Titel auf der Challenger-Tour gefeiert, der Einzug ins Hauptfeld von Wimbledon brachte ihn anschließend bis auf Rang 150 der Weltrangliste – die beste Platzierung seiner Karriere. Bereits Ende Juli hatte er damit schon alle Ziele erreicht, die er sich für das Jahr gesetzt hatte. Der nächste Schritt Richtung ATP Tour schien nur noch eine Frage der Zeit.

Doch die Saison nahm kurz darauf eine andere Wendung. Bei den Interklub-Meisterschaften in Luxemburg zog sich Rodesch eine hartnäckige Verletzung zu, die ihn für den Rest des Jahres ausbremste – auch bei seinem dritten Grand Slam. „Bei den US Open war ich von Beginn an nicht ganz fit und konnte nicht richtig kämpfen. Ich war mehr beim Physiotherapeuten als auf dem Platz.“ Das Aus in der ersten Qualifikationsrunde war die Folge. „Das war leider keine schöne erste Erfahrung.“

Nach den US Open legte Rodesch eine mehrwöchige Pause ein, um die Knieverletzung vollständig auszukurieren. Neben dem körperlichen Rückschlag war es auch mental eine schwierige Phase: Der FLT-Spieler verlor Weltranglistenpunkte aus dem Vorjahr und musste zusehen, wie andere Spieler, die er kurz davor noch bezwungen hatte, erfolgreich waren.

Unter anderem Marton Fucsovics, den er in der dritten Qualifikationsrunde von Wimbledon geschlagen hatte. Der Ungar gewann im August ein ATP-250-Turnier und liegt inzwischen auf Rang 54 der Weltrangliste. „Das motiviert mich aber auch“, sagt Rodesch. „Wenn man sieht, dass Gegner, die man selbst schon geschlagen hat, gute Dinge erreichen, treibt einen das an, schneller zurückzukommen und wieder kompetitiv zu sein.“

Trainerstab mit Gilles Muller erweitert

Ende September kehrte Rodesch schließlich auf die Tour zurück, fand jedoch nicht sofort zu seinem Spiel. „Bei drei Turnieren konnte ich nur ein Spiel gewinnen. Ich habe mich nicht wohlgefühlt und habe ein paar Spiele gebraucht, um wieder reinzufinden.“ Im November zeigte die Formkurve wieder nach oben, Rodesch beendete aber seine Saison, da die ATP zu dem Zeitpunkt das Ranking für die ersten Januarwochen – und damit auch für die Australian-Open-Qualifikation – einfror.

„Ich habe danach eine ganze Woche Pause gemacht, um körperlich abzuschalten und auch den Kopf herunterzufahren. Das war nach einer ereignisreichen Saison nötig. Der Plan war, danach sechs Wochen zu haben, um mich optimal auf 2026 vorzubereiten.“

Ich habe letztes Jahr schon Spieler geschlagen, die in den Top 100 stehen. Damit habe ich gezeigt, dass ich es in mir habe.

Chris Rodesch

will 2026 in die Top 100 der Welt

In dieser Phase baute Rodesch auch seinen Trainerstab aus. Neben seinem langjährigen Coach Anders Johansson arbeitet er nun zusätzlich mit Luxemburgs Tennislegende Gilles Muller, dem Schweden Peter Carlsson sowie Fitnesstrainer Frank Eicher zusammen. „Das wird sich diese Saison auszahlen“, ist der 24-Jährige überzeugt. „Physisch habe ich noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Ich fühle mich bereit.“

Einen Vorgeschmack darauf, wie hoch das Niveau am Anfang des Jahres bei den Australian Open tatsächlich sein wird, hat die aktuelle Nummer 207 der Welt in seiner Vorbereitung schon erhalten. Er trainierte in der Schweiz – mit Spielern ähnlicher Weltranglistenposition, aber auch mit Severin Lüthi, dem ehemaligen Trainer von Roger Federer. „Man hat gemerkt, dass jeder Spieler extrem fokussiert ist. Jeder hat seine Ziele im Blick. Das wird man sicherlich auch bei den Australian Open zu spüren bekommen. Ich selbst bin aber auch hochmotiviert für die nächste Saison. Auch ich habe meine Ziele.“

Wichtige Punkte sammeln

Bereits am 30. Dezember reiste Rodesch nach Australien, wo er in Canberra noch ein Challenger-Turnier zur Vorbereitung absolvierte. Ab Montag geht es nun in Melbourne um die Qualifikation. „Man will bei jedem Turnier immer so weit wie möglich kommen. Bei einem Grand Slam ist das nicht anders, aber noch mal deutlich schwieriger“, sagt er. „Der Einzug ins Hauptfeld ist das große Ziel. Ich glaube fest daran, dass ich das schaffen kann. Ich habe schon in Wimbledon bewiesen, dass ich es kann. Ich bin gut vorbereitet und muss gutes Tennis spielen.“ Jeder Sieg sei zudem enorm wichtig – auch mit Blick auf die Weltrangliste. „Grand Slams werden punktemäßig sehr gut belohnt.“

Punkte sind vor allem auch für die kommenden Monate wichtig, in denen sich Rodesch viel vorgenommen hat. „Als Tennisspieler hat man step-by-step immer Ziele. 2025 wollte ich in die Top 150, das habe ich im Juli knapp geschafft. Der nächste Gral sind jetzt die Top 100. Davon habe ich schon als kleiner Junge geträumt“, so Rodesch. „Das ist ein Ziel, das ich mir für 2026 setze. Ich habe letztes Jahr schon Spieler geschlagen, die in den Top 100 stehen. Damit habe ich gezeigt, dass ich es in mir habe.“

In den kommenden Monaten geht es vor allem darum, dieses Niveau konstanter abzurufen. „Das ist der Unterschied, ob man dieses Ziel erreicht oder nicht“, sagt Rodesch. „Ich will auf der Challenger Tour konstanter werden, möglichst viel gewinnen und mich so hoffentlich auf der ATP Tour etablieren. Das ist der Weg in die Top 100 – Schritt für Schritt.“

Australian Open 2026

Qualifikation (3 Runden): 12. bis 15. Januar
1. bis 4. Runde: 18. bis 26. Januar
Viertelfinale: 27. und 28. Januar
Halbfinale: 29. und 30. Januar
Damen-Finale: 31. Januar
Herren-Finale: 1. Februar
Preisgeld insgesamt: 111,5 Millionen Australische Dollar
Titelverteidiger: Madison Keys und Jannik Sinner

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